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Erfolg durch Doping
Gefangen im Sog von Leistung und Wettbewerb
Das Limit ist im Spitzensport erreicht. Das sagen nicht nur die Berufssportler, sondern auch Wissenschaftler. Monate, häufig Jahre, harten Trainings und Verzichts gehen den internationalen Sportevents voraus. Aber dann entscheiden Tagesform und Hundertstel oder Tausendstel Sekunden.
Statt Leistungsgrenzen anzuerkennen, wird der Körper des Sportlers weiter optimiert - oft mit illegalen Mitteln. Neben dem sportlichen Wettkampf spielt das Wettrennen zwischen der Dopingindustrie und den Dopingwächtern eine immer größer werdende Rolle. Benutzt werden kann, was zu Leistungssteigerung verhilft, solange es nicht verboten oder nachweisbar ist. Doping scheint nicht nur die konsequente Fortsetzung des Spitzensports mit illegalen Mitteln zu sein, sondern ist in vielen Bereichen des Lebens längst zu einem milliardenschweren industriellen Komplex geworden, der zum Kern des Wirtschaftsgeschehens in modernen Gesellschaften gehört.

Es geht nur noch um Sieg oder Niederlage
Man dopt, um die gestellten Erwartungen überhaupt erfüllen zu können. Der Gebrauch von Schmerz- und Schlafmitteln sowie leistungs- und fitnesssteigernden Nahrungsergänzungen boomt wie nie zuvor. Es scheint so, als wären wir alle auf dem Weg in die "gedopte Gesellschaft" - und als sei dies unsere einzige vorstellbare Perspektive.

Doping im Freizeitsport

Millionen Menschen in Deutschland dopen sich am Arbeitsplatz mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Zu Stimmungsaufhellern zählen Medikamente zur Behandlung von Demenz, Depressionen oder Aufmerksamkeits- und Schlafstörungen.

Einige Beispiele.
Methylphenidat: Das Präparat wird beim Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) sowie der Schlafkrankheit eingesetzt. Es steigert die Konzentration und hemmt das Bedürfnis nach Schlaf und Nahrung.

Modafinil: Das Medikament wird ebenfalls bei Schlafkrankheit verabreicht. Es ist ein Wachmacher, der zum Beispiel bei Sekundenschlaf helfen soll und bei einem Jetlag auf Reisen.

Antidepressiva: Solche Präparate sind Stimmungsaufheller. Sie wirken gegen Depressionen, aber auch gegen Panikattacken.

Antidementiva: Diese Mittel werden bei Demenz- beziehungsweise Alzheimer-Erkrankung eingesetzt. Die Mittel steigern auch die Gedächtnisleistung.

Amphetamine: Zu den Stimulanzien gehören auch illegale Drogen wie Crystal Meth oder Ecstasy.Alle Präparate können massive Nebenwirkungen haben. Dazu gehören Herz-Rhythmus-Störungen, Unruhe und Schlafstörungen. Einige können auch den Wunsch nach Selbsttötung hervorrufen.
[dpa]

Verbotene Stimulanzien als Dope für die Arbeit

Nicht nur Spitzensportler greifen zu leistungsstärkenden Substanzen. Auch im Freizeit- und Breitensport wird trotz erheblicher Gesundheitsrisiken gedopt. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nutzen schätzungsweise etwa 600.000 Hobbyathleten verbotene Substanzen wie Epo, Kreatin oder Anabolika.

Nach Einschätzung der Bundesdrogenbeauftragten sind die Substanzen leicht zu beschaffen. Zudem gebe es kaum Dopingkontrollen im Freizeitsport und die vielfältigen Präventionsbemühungen seien wenig aufeinander abgestimmt. Vor allem junge Männer seien gefährdet.

Vor allem in der Kraftsport- und Bodybuilderszene wird auf die Mittel gesetzt. Als Grund dafür nannten die Betroffenen am häufigsten "Kraftzuwachs" und "Muskelmasse aufbauen". Zudem sollen frei verkäufliche oder verschreibungspflichtige Medikamente nach Angaben von Sportärzten die Schmerzschwelle und damit die körperliche Belastbarkeit der Hobbyathleten erhöhen.
[dpa]



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Dem Sog von Leistung und Wettbewerb scheint niemand mehr entkommen zu können. Von der Vorschule bis zum Grab sind wir unter ständiger - und immer perfekter organisierter - Leistungskontrolle. Wer dem nicht standhält, bleibt auf der Strecke. Während in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts Grenzen des Wachstums, des Leistungsdrucks und des Konsums in eine andere, alternative gesellschaftliche Richtung zu zeigen schien, greifen heute immer mehr Menschen zu Drogen und Medikamenten, die das Leben unter diesen Bedingungen erträglicher machen sollen.



Sendedaten
"Erfolg durch Doping"

scobel am Donnerstag, 17. August 2017, um 21.00 Uhr
Wissenschaft am Donnerstag
Deutschland dopt
Nicht nur Spitzensportler greifen zu leistungsstärkenden Substanzen. Auch im Freizeit- und Breitensport wird trotz erheblicher Gesundheitsrisiken gedopt.
Gäste der Sendung
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- Klaus Lieb
Neurowissenschaftler
- Antje Dresen
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