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Rüpel, Rowdies, Radikale
Verroht unsere Gesellschaft?
Rücksichtslosigkeit, Egomanie und Hass lassen sich zunehmend in den verschiedensten Lebensbereichen unserer Gesellschaft ausmachen. Woher kommen die neue Gewaltbereitschaft und der Mangel an Empathie?
Einige Erklärungen liegen nahe: Zunehmender Leistungsdruck, der Verlust sozialer Sicherheiten, Auflösungserscheinungen in den familiären Strukturen. Sind derartige Auslöser jedoch ausreichend, um die tiefgreifende Verunsicherungen und Verrohung zu erklären? Ist Aggression wirklich nur Kompensation von Unwohlsein und dem Gefühl, sich ungehört und unverstanden zu fühlen? Und reichen solche Erklärungen, um die inzwischen offen zur Schau gestellten Ausfälle an Antisemitismus, Islamophobie, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt zu erklären?

Die Idee, auf flüchtende Frauen und Kinder an Grenzen zu schießen, steht für die Spitze eines ideologischen Eisberges. Hinzu kommt das um sich greifende Misstrauen und der Hass auf Politik, Presse und Parteien, die von rechtsnationalen Parteien nur zu gerne instrumentalisiert werden. Lässt sich all dies darauf zurückführen, dass sich die "Mitte der Gesellschaft" auflöst und sich ohnmächtig und alleine gelassen fühlt? Gert Scobel geht mit seinen Gästen der Frage nach, wo die wahren Ursachen der Verrohung in Gesellschaft und Privatleben liegen und was ihnen entgegen gesetzt werden kann.

Mediathek

Verroht unsere Gesellschaft?
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Nehmen Beschimpfungen in sozialen Netzwerken zu? Was glauben Sie, woran das liegen könnte? Wir haben uns in der Mainzer Innenstadt umgehört. [Video]

Warum das Engagement gegen Ungerechtigkeit?
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Armut macht krank, Krankheit macht arm - so der Mediziner Prof. Dr. Gerhard Trabert. 2013 richtete er in Mainz die "Ambulanz ohne Grenzen" ein. Dort werden wohnungslose Menschen und Patienten ohne Versicherungsschutz kostenfrei medizinisch behandelt. [Video]

Lesen- und Wissenswertes zum Thema

Bedroht, beschimpft, getötet
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Pöbeleien und Beleidigungen gehören für viele Beamte und Behördenmitarbeiter zum Alltag. Oft werden Bürger auch handgreiflich - und manche Attacke geht sogar tödlich aus. Was tun gegen die zunehmende Respektlosigkeit und Verrohung?
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Fakten
Die Zahl der Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte hat sich laut BKA im Jahr 2015 verfünffacht. Die Kölner Oberbürgermeisterin wird von einem einzelnen Täter mit einem Messer lebensbedrohlich verletzt, weil ihm ihre Flüchtlingspolitik nicht passte. Auch in Gruppen ist es nicht anders: 30 Deutsche machten in Magdeburg auf syrische Flüchtlinge mit Baseballschlägern Jagd.

Inzwischen geht es nicht nur um Verbalattacken, aggressive Beleidigungen und Morddrohungen im Internet, sondern um eine weithin sichtbare, offen ausgelebte Gewalt, die nur einen Schluss zulässt: es hat sich etwas Grundlegendes verändert. Nicht nur der Ton ist spürbar rauer geworden in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens. Auch die direkten Auswirkungen von erhöhter Rücksichtslosigkeit, Aggressionsbereitschaft, Gruppenhetze, Egomanie und Hass lassen sich in den verschiedensten Lebensbereichen ausmachen.

In der Anonymität der sozialen Netzwerke wird völlig skrupel- und schamlos gemobbt, beleidigt und gepöbelt. Shitstorms und Morddrohungen sind zur neuen Freizeitbeschäftigung geworden. Im Straßenverkehr wird gedrängelt, genötigt, gerast. Viele Verkehrsteilnehmer scheinen ihr Fahrzeug als Waffe zu betrachten. Aggressive Fahrweise ist der Grund für ein Drittel aller Unfälle im Straßenverkehr.

Auch der Sport ist von der aggressiven Verrohung gezeichnet. Schiedsrichter, vor allem in den unteren Klassen, fühlen sich zunehmend bedroht und Gewalttätigkeiten ausgesetzt. 600 Spiele werden pro Jahr im Amateurbereich wegen gewalttätiger Ausschreitungen abgebrochen. In einem Freizeitbereich, in dem es doch um Entspannung und Freude gehen sollte.


Sendedaten
"Rüpel, Rowdies, Radikale"
"scobel" am Donnerstag,
19. Mai 2016, um 21.00 Uhr
Scobels Kolumne
© ZDF_Kerstin_BänschEs greift ein besorgnis-
erregender Ton um sich

Innenansichten von Gert Scobel zum Thema der Sendung "Rüpel, Rowdies, Radikale"
Talkrunde im Studio
Gert Scobel geht mit seinen Gästen der Frage nach, wo die wahren Ursachen der Verrohung in Gesellschaft und Privatleben liegen.

Bernhard Pörksen
Medienwissenschaftler
Eberhard Karls Universität
Tübingen

Ute Frevert
Historikerin
MPI für Bildungsforschung /
Max-Planck-Institut
Berlin

Andreas Zick
Sozialpsychologe
Universität Bielefeld
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© s.fischer"Höflichkeit"
Schmiere im Gesellschaftsgetriebe