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Sendungsvorschau
Quo vadis Bundeswehr?
Wie sieht das Militär der Zukunft aus? Thema bei scobel Thema am 9. Juni 2016.
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Gehirn in Hand © dpa
Kann man das Unbewusste wirklich wissenschaftlich erforschen?
Scobels Kolumne: Wo fängt eigentlich
das Bewusstsein wirklich an?
Gert Scobels Gedanken zum Unbewussten
Als ich das erste Mal ein menschliches Gehirn gefilmt habe, das aus medizinischen Zwecken seziert und später in Feinschnitten aufbewahrt werden sollte, erschien mir eine Unterscheidung, die im Alltag vieles erklärt und weit verbreitet ist, geradezu absurd: die Unterscheidung zwischen "bewusst“ und "unbewusst“.
Wo fängt in einem Gehirn, das ein Leben lang rund um die Uhr wach gewesen ist und mit seinen etwa 1011 Nervenzellen "gearbeitet“ hat, das Bewusstsein an und wann begleiten die feuernden Neuronen das Unbewusste? Welche der vielen aktiven Neuronen des Gesamtsystems sind an der Herstellung von Bewusstsein beteiligt - und welche nicht?

Tatsächlich können Experten heute gewisse "Zentren“ oder funktionale Hot-Spots mit Hilfe von fMRT Leistungen sehr genau bestimmen (was seltsamerweise ausgerechnet an die historischen Anfängen der Hirnforschung erinnert und die Zeiten in denen es noch darum ging, psychologische Eigenschaften zu "lokalisieren“). So lassen sich beispielsweise die an Sprachvorgängen beteiligten Areale ausmachen. Allerdings sieht in der Regel derjenige, der spricht auch etwas – besonders dann, wenn er einen Vortrag hält. Gehört der Sehapparat dann nicht aber auch zum bewussten Sprach-Gesamt-Geschehen?

Wie soll man nicht Greifbares bewusst machen?
Tatsächlich nehmen wir vieles, das wir sehen "müssten“, kaum oder gar nicht - und damit häufig unbewusst - wahr. Es scheint schwer zu sein, im Gesamtnetzwerk des Gehirns genaue Grenzen abstecken zu wollen – erst Recht mit Blick auf das Unbewusste. Die Frage, wo es beginnt und wo es aufhört, scheint in die Irre zu führen. Auch Freud bemerkte in seiner Arbeit über das Unbewusste aus dem Jahre 1915: "Die Berechtigung, ein unbewusstes Seelisches anzunehmen und mit dieser Annahme wissenschaftlich zu arbeiten, wird uns von vielen Stellen bestritten ... die konventionelle Gleichstellung des Psychischen mit dem Bewussten ist durchaus unzweckmäßig. Sie zerreißt die psychischen Kontinuitäten“.

Kann man das Unbewusste also sinnvoll wissenschaftlich erforschen? Mit Blick auf die Funktionsweise des Gehirns scheint diese Frage in der Tat wenig sinnvoll. Selbst der Besitzer bzw. die Besitzerin des sezierten Gehirns, ein Mensch, der zu Lebzeiten den intimsten Umgang mit diesem Organ des Bewusstseins pflegten, wäre nicht in der Lage gewese, selber eine klare Antwort zu geben auf die Frage, was das eigene Bewusstsein ausmacht und wo im Gehirn (oder sonst wo) die Schwelle ist, die den Bereich des Unbewussten markiert.

Wir wissen um unser Unbewusstes
Es scheint, als führe ohnehin die gesamte räumliche Metapher in die Irre - auch wenn sie häufig gebraucht wird. Um einen anderen nicht ganz passenden Vergleich zu bemühen: Unabhängig davon welche Form von Betriebssystem man bei seinem Computer wählt – es ist immer möglich gewisse Programme abzuschalten ohne dass das System insgesamt seine Stabilität verliert. Geht man allerdings an bestimmte Prozesse heran (bei Windows etwa an den Explorer), dann stürzt das System ab.

Übertragen auf das Gehirn mit seiner enormen Anpassungsfähigkeit ist es ungleich schwerer zu sagen, welche Aktivitäten zur "Gesamtsoftware Bewusstsein“ gehören und welche gleichsam "nur im Hintergrund“ laufen, jedoch für seine Herstellung nicht unbedingt notwendig sind. Und doch sprechen wir im Alltag sehr gezielt von Prozessen, die wir "unbewusst“ nennen und unterscheiden sie im klar von dem, was uns bewusst ist.

Ein wenig Licht in Dunkel bringen
Auch heute scheint die Frage, was das Unbewusste ist, weder empirisch noch auf der rein theoretischen Ebene leicht beantwortbar zu sein. Die Bestimmung "des“ Unbewussten variiert je nach Wahl der Disziplin (Neurowissenschaft oder Psychoanalyse, Kognitionspsychologie oder Philosophie), der Schule (etwa innerhalb der Psychologie) oder dem gesamttheoretischen Hintergrund den man wählt. Hinzu kommt, dass der zu recht bestehende Theorienpluralismus das Auffinden einer klaren Antwort erschwert.

Mit Hilfe von drei erfahrenen Fachleuten auf dem Gebiet der Psychoanalyse, der Neurowissenschaften und der Philosophie versucht die Sendung "Das Unbewusste" dennoch wenigstens eine kleine Schneise in den Dschungel der Vorstellungen zu schlagen und einen gangbaren Weg zu einem modernen wissenschaftlichen Verständnis des Unbewussten aufzuzeigen.

Sendung zum Thema
Das Unbewusste
Wie bewusst ist uns das Unbewusste?
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© ZDF_Kerstin_BänschWarum werden in "scobel" bestimmte Themen aufgegriffen und was ist genau an diesen besonders faszinierend? Gert Scobel hat seine Gedanken dazu niedergeschrieben.
Begriffe - schnell erklärt
fMRT
Die funktionelle Magnetresonanz-
tomographie, abgekürzt fMRT ist ein bildgebendes Verfahren, um physiologische Funktionen im Inneren des Körpers mit den Methoden der Magnetresonanz-
tomographie darzustellen. fMRT im engeren Sinn bezeichnet Verfahren, die aktivierte Hirnareale (meist basierend auf der Blutoxygenierung) mit hoher räumlicher Auflösung darstellen können.
Interaktiv: Grafik
Das menschliche Gehirn
Das menschliche Gehirn hat drei Haupt-strukturen: Hirnstamm, Kleinhirn und Großhirn.