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Buchcover "Sucht"
Buchcover "Sucht"
"Sucht"
Simon Borowiaks tragikomischer Roman "Sucht"
Simon Borowiak erzählt leicht von den vielen kleinen und größeren Depressionen, Dramen und Typen, die den Alltag auf einer Entgiftungsstation prägen.
"Der erste Tag ist immer schlimm", sagte ich hart, "und der zweite auch. Und erst der dritte! Aber danach entspannt sich die Lage. Die Depris werden moderater, die Heulkrämpfe schwächer, und die Suizidwünsche kommen nicht mehr im Minutentakt."
Der tablettensüchtige Cromwell wird von seinen Freunden, dem trockenen Alkoholiker Schlomo und dem blinden Mendelssohn auf der Entgiftungsstation abgegeben.
"Wenn man auf einer Entgiftungsstation per Handschlag begrüßt wird, ist dies doch eine eher zweifelhafte Referenz."
Nun entzieht Cromwell. Er quält sich durch durchwachte Nächte, hat Halluzis und Zitterattacken und lernt so ganz nebenbei die anderen Patienten und ihre Biografien kennen. Da ist zum einen der unsympathische Alk XXL, Cromwells ungeliebter Zimmergenosse, der stets auf einen Anruf hofft und erst aufblüht, als seine Frau den Unfalltod stirbt. Zum anderen gibt es den besonnenen Chief, der auch als Patientensprecher fungiert und die Freunde Schlomo und Mendelssohn, die gemeinsam mit Cromwell eine Detektei gründen wollen.

Schweres Thema leicht erzählt
Mit "Sucht" gelingt Simon Borowiak das Meisterstück, über den Alltag auf einer Entzugsstation so bitterernst und gleichzeitig federleicht zu schreiben, dass jede Zeile Spaß macht. Borowiak ist auch Autor des Bestsellers "Frau Rettich, die Czerni und ich", hat für das Satiremagazin "Titanic" geschrieben und sich schon mit dem Vorgängerroman "ALK - fast ein medizinisches Sachbuch" dem Thema Sucht angenähert. Sein Roman "Sucht" ist auch für Leser, die mit dem Thema eigentlich nichts anfangen können unbedingt empfehlenswert.

Sendung zum Thema
© dpaVolksdroge Alkohol
Info
Simon Borowiak
Sucht
Knaus Verlag 2014
ISBN: 978-3-8135-0495-8