Donnerstags, um 21.00 Uhr
Kalender
Dezember 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
27
28
29
30
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
© galiani Lupe
"Alkohol hilft wie ein Freund, ist aber keiner"
Über Peter Wawerzineks Roman "Schluckspecht"
Seine ganz private und doch so typische Säuferkarriere beschreibt Peter Wawerzinek in "Schluckspecht". Die Kapitel Tante Luci, Onkelonkel und Pubertät beschreiben, wie der Autor bereits als Jugendlicher damit beginnt, sich systematisch zu vernichten.
Schon in der Kindheit wird das Trinken begünstigt:
"Im Keller stapeln sich die Eierlikörflaschen. Es sind ihrer so viele, dass es nicht auffällt, wenn ich eine für mich öffne, sie Schluck um Schluck austrinke, denke ich mir. (…) Alles beginnt heiter…"
In der Folge lässt uns Wawerzinek einen ungekünstelten Blick auf seine Trunksucht werfen und spart dabei nicht mit Erniedrigungen, denn die fröhlich beginnende Trinkerei endet meist in der Bewusstlosigkeit.

Oft wacht er in widerlichem Zustand an Orten auf, von denen er nicht mehr sagen kann, wie er dorthin gekommen ist - von Blut, Glassplittern und Erbrochenem umgeben:
"So legt sich kein Held zu Bett. So wirft Abfall sich in die Ecke".
Nach Jahrzehnte langer Säuferkarriere wird der Held schließlich von Tante Luci in eine unkonventionelle Heilanstalt gebracht, wo es ihn schließlich gelingt, vom selbstmörderischen Säufer zum maßvollen Trinker zu werden.

Bei allem geschilderten bodenlosen Schrecken gelingt Wawerzinek in seinem autobiografischen Roman ein Buch ohne Selbstmitleid. Die Sprache ist ein wenig sperrig, so dass man einige Zeit braucht, um in den Lesefluss zu kommen. Erzählt wird diese Hassliebe zum Alkohol ungeheuer ehrlich und direkt.

Info
Peter Wawerzinek
Schluckspecht
Galiani-Berlin 2014
ISBN-13: 978-3869710846
Mediathek
© lisa kaiserVideoPeter Wawerzinek liest aus "Schluckspecht"