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Psychoneurologie und Zelle
Wie der Körper auf Stress reagiert
Psychosoziale und psychische Faktoren verändern unser Nerven-, Hormon- und Immunsystem und haben damit entscheidenden Einfluss auf Gesundheit und Krankheit. Wenn der Mensch sich bedroht und überfordert fühlt, gerät er in Stress. Dabei setzt sein Körper eine Reihe von Abwehrreaktionen in Gang.
In einer ersten Welle der Stressantwort befiehlt das Zwischenhirn dem Nebennierenmark, die Hormone Adrenalin und Noradrenalin zu produzieren. Durch sie erhöht sich der Blutzuckerspiegel, Muskeln und Gehirn wird rasch Energie zugeführt, der Herzschlag beschleunigt sich und der Blutdruck nimmt zu, so dass der Organismus in Verteidigungsbereitschaft gerät. Nach überstandener Belastung muss der Körper in einer zweiten Welle wieder beruhigt werden. Dabei wird das Hormon Cortisol ausgeschüttet. Es dämpft die Erregung und reduziert mögliche Entzündungsreaktionen.

Cortisol dämpft Immunabwehr
Bei chronischem Stress gerät zu viel Cortisol ins Blut. Das Stresshormon dämpft dauerhaft die Immunabwehr und bringt sie aus dem Gleichgewicht. Dabei wird je nach Krankheitserreger entweder eine zelluläre oder eine humorale Abwehr aktiviert. Die zelluläre Abwehr bekämpft Viren und Krebszellen, die humorale dagegen Bakterien, die durch Wunden in den Organismus eindringen. Die Überproduktion an Cortisol verschiebt das Gleichgewicht von zellulärer und humoraler Abwehr. Die zelluläre Abwehr wird geschwächt, die humorale verstärkt. In der Folge werden wir anfälliger für Virusinfektionen wie Grippe oder Herpes.

Gleichzeitig wird die Produktion von Antikörpern hochgefahren. Das macht uns anfälliger für Allergien und zahlreiche Hauterkrankungen wie etwa Neurodermitis. Auch Autoimmunerkrankungen wie Rheuma gehören in diesen Zusammenhang. Die steigende Stressbelastung durch Beruf und Umweltfaktoren führt inzwischen weltweit zu einer extremen Zunahme von Allergien. Viele werden schon vor der Geburt angelegt. Stressbelastete Mütter geben ihr Cortisol an den Fötus weiter und gefährden dessen Immunsystem. Auch eine belastende Kindheit hat Auswirkungen. So können traumatische Erfahrungen im Kindesalter die Ursache für rheumatische Erkrankungen bei Erwachsenen sein.

Wechselwirkungen kaum erforscht
Die Wechselwirkungen sind erst wenig erforscht. Betrachtet man nur die biochemischen Vorgänge einer einzelnen Zelle, so wird deutlich, wie komplex die Einwirkungsmöglichkeiten sind. Immunzellen haben nicht nur Rezeptoren für Entzündungssignale. Sie haben auch Rezeptoren für Hormone und Neurotransmitter. Das bedeutet, dass unser Nervensystem über Botenstoffe auf das Immunsystem einwirken kann. Der Vorgang kann aber auch umgekehrt stattfinden. Das Immunsystem kann dem Gehirn über Botenstoffe eine Erkrankung mitteilen. Der Organismus entwickelt dann ein Schonverhalten, dessen Folgen Appetitlosigkeit, Niedergeschlagenheit und der Rückzug aus der Welt sind.

Das Immunsystem als Ganzes, die Wechselwirkung von sozialen, psychischen und körperlichen Faktoren, lässt sich jedoch nicht als linearer Prozess von Ursache und Wirkung beschreiben. Es ist ein emergentes Zusammenwirken, das zu einer neuen, nicht vorhersehbaren Qualität führt.

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Über den Einsatz der Psychoneuroimmunologie