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© dpa Lupe
Erfahrungsreligion Buddhismus
Im Buddhismus darf alles interfragt werden
Albert Einstein sagte: "Wenn es irgendeine Religion gibt, die den Ansprüchen moderner Wissenschaft gewachsen ist, heißt sie Buddhismus." Doch was macht Buddhas Lehre so kulturkompatibel im Vergleich zu anderen Religionen?
Im Unterschied zu den Glaubensreligionen ist der Buddhismus eine Erfahrungsreligion. Das heißt, es gibt kein Dogma, das nicht hinterfragt werden darf. Der Buddhismus ist - genauso wie die Wissenschaft - nur ein Teil des allumfassenden Wissens. Und dieses Wissen kann jeder überprüfen, es kann sich weiterentwickeln und verändern. "Bestimmte Begriffe oder Erkenntnisse aus alten buddhistischen Quellen sind mittlerweile durch die Wissenschaft widerlegt. Das ist für uns kein Problem. Uns geht es vor allem darum, die menschliche Achtsamkeit gegenüber der Natur zu vergrößern", so der Dalai Lama.

Alle Dinge stehen in Abhängigkeit voneinander
Im Buddhismus existieren die Dinge nicht in sich, sondern in Abhängigkeit voneinander. In sich haben sie keine Substanz. Diese Erkenntnis wird von der modernen Physik geteilt. Ob man von Elementarteilchen spricht oder von Strings als den kleinsten Bausteinen der Materie - immer handelt es sich um Wechselwirkungen von Masse und Energie. Die Dinge wandeln sich. Sie verändern ständig ihre Form und existieren nur in Abhängigkeit vom Beobachter als das ‚eine‘ oder das ‚andere‘.

Die buddhistische Lehre hilft den Menschen, ihr Leiden zu verstehen, ihre Beschränktheit, ihre Endlichkeit, denn das eigene Ich ist vergänglich. Die Therapie der buddhistischen Lehre führt zur Befreiung vom eigenen Ich. Die Meditationstechniken sind ein Weg dorthin. Sie ermöglichen die Selbstbeobachtung des Geistes. Hier trifft sich der Buddhismus mit der modernen Hirnforschung. Würde ein christlicher Priester seine Glaubensübungen von einem Kernspintomographen analysieren lassen? Der buddhistische Mönch Matthieu Ricard ist dazu bereit. Auch für die Wirkung der Meditation gibt es eine wissenschaftliche Erklärung.

Modereligion Buddhismus
"Die Revolution der letzten zwanzig Jahre ist die Neuroplastizität. Das Gehirn kann sich verändern. Nicht nur in den jungen Jahren, sondern zu jedem Zeitpunkt in unserem Leben. Neue Verbindungen können entstehen und existierende Verbindungen können verstärkt werden. Der Transmitterverkehr an den Neuronen kann sich verhundertfachen. All diese funktionellen oder sogar strukturellen Veränderungen im Gehirn können dich aus der Sicht der Neurowissenschaft wirklich zu einer anderen Person machen", so Matthieu Ricard.

Der Buddhismus ist in den modernen, westlichen Gesellschaften so etwas wie eine Modereligion geworden. Die Gründe liegen in der Enttäuschung durch die monotheistischen Religionen und der neuen Sinnsuche, aber auch in der schier unendlichen Anpassungsfähigkeit des Buddhismus, seiner universellen Ethik. Es gibt keine dogmatische Verpflichtung auf Moral und Tugend, sondern die Übung der Achtsamkeit. Es gibt keine Vertröstung auf ein Jenseits, sondern die intensive Hinwendung zur Gegenwart.

Intensive Hinwendung zur Gegenwart
Die Ethik des Buddhismus beruht - wie die der Wissenschaft - auf einer genauen Analyse der Wirklichkeit, auf der Einheit aller Dinge in der Natur. Alles hängt mit allem zusammen und bedarf der Achtsamkeit und des Mitgefühls. Der Dalai Lama beschreibt es so: "Wenn etwas nur kurzfristig von Vorteil ist, langfristig aber von Nachteil, dann sollte man es vermeiden. Wenn etwas kurz- als auch langfristig gut für mich und alle anderen ist, dann sollte man sich gegen alle Widerstände dafür engagieren. Das ist ein moralisches Prinzip."

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