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Das Internet der Regeln
Der Mensch hat in Echtzeit keine Kontrolle mehr
In Zeiten des "Internet der Regeln" wird Ihr Kühlschrank handeln, wenn nicht mehr genügend Lebensmittel vorrätig sind. Ihr Kühlschrank funktioniert nach Regeln und bestellt ganz autonom Nachschub. Verbrauchen sie beispielsweise pro Woche sechs Joghurts mit Vanillegeschmack, wird die Neulieferung regelbasiert von ihrem Kühlschrank online bestellt, sobald sich die Stückzahl auf zwei reduziert.
Die regelbasierte Ereignissteuerung kann immer dann nutzbringend eingesetzt werden, wenn eine Folge von Tätigkeiten regelmäßig zu einem ganz bestimmten Ereignis führt. Dieser Prozess kann dann als regelbasiert beschrieben werden und ist in die Zukunft gerichtet. Das bedeutet, dass er beliebig oft wiederholt werden kann. Kommt es zu Überraschungen, die von dieser Regel abweichen, so wird der Prozess dynamisch. Dann müssen die Regeln modifiziert werden und der Ablauf ändert sich. Ist also kein Vanillejoghurt mehr verfügbar, werden Sie ein Alternativprodukt ordern. Ein Entscheider programmiert eine Alternativregel.

"Kombinatorische Explosion"
Je mehr Überraschungen in einem regelbasierten Prozess auftauchen können, desto dynamischer wird er. Die Regeln werden umso komplexer, je mehr Abweichungen sie in den Prozess integrieren müssen. Die so entstandene "kombinatorische Explosion" kann nur noch mit Hochleistungs-Software verwaltet werden. In einem Flughafen laufen hochdynamische Prozesse regelbasierter Ereignissteuerung parallel ab. Das Ergebnis all dieser Prozesse ist es, die Kunden möglichst sicher, komfortabel und schnell zu ihren individuellen Zielen zu bringen. Danach richten sich die Regeln.

Beim traditionellen Check-In müssen die Reisenden noch Schlange stehen. Sie müssen Wartezeiten einkalkulieren und verlieren Zeit, bis sie von einer Mitarbeiterin in Empfang genommen werden, die ihren Pass kontrolliert, die Bordkarte ausstellt und das Gepäck entgegen nimmt. Schon jetzt gibt es für das gleiche Ereignis einen datenbasierten Ablauf, der weiter automatisiert wird. Der Reisende kann seine Bordkarte online herunterladen und mit dem Smartphone sein Gepäck aufgeben. Er ist jetzt Teil eines Prozesses, in dem sein Verhalten als Regel beschrieben wurde. So gewinnt er zwar Zeit und Komfort, verliert aber an Autonomie. Um die Stabilität der Prozesse eines Großflughafens zu steuern, bleiben Menschen als Entscheider involviert. Diese Entscheider kontrollieren die Prozessabläufe.

Der Mensch ist aus der Parallelwelt ausgeschlossen
An den Börsen ist diese Kontrolle nicht gewährleistet. Im Hochfrequenzhandel kommunizieren Rechner weltweit mit Rechnern. Der Mensch ist aus der Parallelwelt der Computer ausgeschlossen. Alle Rechner kaufen und verkaufen gleich. So kam es am 19. Oktober 1987 erstmals zu einem von Computern potenzierten großen Crash. Die Zeitschrift "Nature" veröffentlichte im September erschreckende Zahlen: Seit 2006 sind 18.000 sogenannte Microflashes, also Preisstürze oder -spitzen, die erst im Nachhinein sichtbar wurden, verzeichnet. Der Mensch hat in Echtzeit keine Kontrolle mehr über die Computer. Große Abstürze wie der Black Monday von 1987 gelten also weiterhin als möglich.

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Internet der Dinge