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Zukunftskriege
Drohnen, Killerroboter und Cyberkrieg
Drohnen sind die Kriegstechnik des 21. Jahrhunderts. Sie haben sich von einem Instrument der Aufklärung zu einer äußerst gefährlichen Präzisionswaffe entwickelt. Bereits heute bildet die amerikanische Luftwaffe mehr Telepiloten aus, die diese Maschinen bedienen, als Piloten für Kampfjets. Und die Entwicklung steht erst am Anfang.
"Die Drohnen werden im Moment sehr stark diversifiziert. Da gibt es eine ganze Reihe von Funktionen, die neu eingebaut werden sollen. Erst mal sollen sie sich auf alle möglichenWeisen bewegen können. Sie sollen springen, laufen, Wände hochkrabbeln und überall reinkommen können. Dann werden alle möglichen Größen ausprobiert, von der Größenordnung Boing mit allen möglichen Geräten drin bis hin zur kleinen Wespe. Und dann versucht man, kontinuierlich die Sensorik auszubauen, mit der sie in der Lage sind, viele unterschiedliche Dinge zu erkennen. Das betrifft alle Drohnen. Und dann gibt es noch die neue Klasse der Kampfdrohnen, die noch Bewaffnung dazubekommt", so der Sicherheitsforscher Sandro Gaycken.

Maschinen entscheiden über menschliches Leben
Auch kleinere Killerroboter töten alles, was sich in ihrem Areal bewegt. Und da Maschinen Daten schneller und besser verarbeiten, werden sie vollkommen autonom über menschliches Leben entscheiden. Vielleicht kann man ihnen noch ein paar ethische Regeln einprogrammieren, aber wenn man die heutige Menschenrechtslage betrachtet, muss man da sehr skeptisch sein.

"Es wäre natürlich denkbar, dass zum Beispiel China Drohnen entwickelt, die auch gegen Drohnen kämpfen können. Dann hätte man einen vollautomatisierten Krieg, Roboter gegen Roboter. Das wäre sehr aufwändig und man müsste diese Drohnen ganz anders gestalten, sehr viel stärker automatisieren und sehr hoch entwickeln. Es sieht allerdings im Moment nicht so aus, als würde man diese Entwicklung gehen. Die Militärs sind gerade alle ökonomisch sehr begrenzt und verfügen nur über sehr knappe Budgets. Deshalb denkt man in Zeiträumen von fünf bis zehn Jahren. Da in fünf bis zehn Jahren kein Krieg zwischen Drohnenmächten untereinander absehbar ist, wird diese Variante nicht entwickelt. Man entwickelt nach wie vor Drohnen vorrangig für den Guerilla-Krieg, für den Häuserkampf und für die innere Sicherheit", so Gaycken weiter.

Cyberkrieg: wenig Aufwand, große Wirkung
Die andere Variante zukünftiger Kriege ist der Cyberkrieg. Dabei kann man mit relativ geringem Aufwand große Schäden bei anderen Gesellschaften anrichten. Der Krieg im virtuellen Raum findet auf verschiedene Weise statt - und längst schon mitten in Friedenszeiten. Wirtschaft, Industrie, Datenbanken und Energiesysteme können angegriffen werden, ohne dass der Gegner etwas davon bemerkt.Schon in fünf bis zehn Jahren - so glaubt Gaycken - wird jedes Dritte-Welt-Land in der Lage sein, große Länder kritisch zu verwunden. Dazu genügt ein Team von zwanzig Spezialisten bestehend aus Hackern, IT-Entwicklern und Fachingenieuren.

Ganz real ist bereits der innerstaatliche Cyberkrieg. Das Internet ermöglicht die totale Überwachung der eigenen Bevölkerung. Soziale Unruhen und eine politische Opposition können im Keim erstickt werden. Im syrischen Bürgerkrieg nutzte Assad die Facebook-Kommunikation, um gezielt politische Gegner zu identifizieren und auszuschalten.

Absolute Kontrolle möglich
"Ich denke, dass die Überwachung im Internet auf jeden Fall etwas ist, was insbesondere instabile Regime ganz massiv interessieren wird. Und leider gibt es dann weltweit Firmen, vor allem in den USA, die die entsprechenden Produkte dafür gerne entwickeln und liefern. Da sind wir leider jetzt schon so weit, dass eine vollständige, absolute Kontrolle möglich ist. Wann immer sich eine Opposition über das Internet formiert, oder beginnt zu formieren, weiß der Staat, der das kontrolliert, das in der Regel eher, als die Oppositionellen, die gerade erst dabei sind, sich zu koordinieren", so Sicherheitsforscher Gaycken.

Gegenüber ganzen Staaten wird es diese absolute Kontrolle, von der der amerikanische Geheimdienst NSA träumt, jedoch nicht geben. Großmächte wie China oder Russland rüsten informationstechnisch nach. Der Krieg der Zukunft wird deshalb ein Krieg der Geheimdienste sein. Aber wer ist in der Lage, diese Dienste noch zu kontrollieren?

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