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Vom Genuss direkt in die Sucht?
Gert Scobels Gedanken zum Thema
Am 26. Juni 2013 stellte die Uno-Behörde für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in Wien den Weltdrogenbericht der Vereinten Nationen vor. Eine zentrale Aussage des Berichtes bezieht sich auf die Zahl psychoaktiver Substanzen, die von 166 im Jahr 2009 bis auf 251 Mitte des vergangenen Jahres angestiegen ist. Verschiebungen gibt es auch mit Blick auf bekannte Substanzen wie beispielsweise Kokain, das im vergangen Jahr von 17 Millionen Menschen mindestens einmal im Jahr konsumiert wurde.
Das bisherige Zentrum des Verbrauchs - West- und Zentraleuropa sowie Nordamerika - verschiebt sich dabei langsam nach Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa und weist zum Teil starke Anstiege auf. Die mit Abstand weltweit am häufigsten konsumierte Droge ist und bleibt jedoch Cannabis. Erstaunlich ist gerade die letzte Feststellung des Berichts nicht. Denn die meisten Zellen in unseren Körper weisen (beispielsweise an verschiedenen Stellen des Immunsystems) Rezeptoren für Cannabinoide auf. Es muss also gute Gründe dafür geben, warum sich das "System Mensch" auf Stoffe eingestellt hat, die in der Natur (aber auch im eigenen Körper) hergestellt werden.

Zunehmende Genuss-Aversion
Dass Suchtverhalten einerseits reglementiert und andererseits therapiert wird, ist naheliegend und geboten - nicht nur aufgrund der massiven gesundheitlichen Folgen. Nicht immer verläuft eine Sucht tödlich. Häufig führt aber Sucht zu Zerstörung und Gewalt und verursacht eine Vielzahl von sozialen, psychologischen und ökonomischen Schäden - gerade bei Kindern und Jugendlichen. Dass der Staat an manchen Süchten gut verdient - man denke an die Alkohol- und Tabaksteuer - steht den hohen Kosten und Folgeschäden gegenüber, für die am Ende die Solidargemeinschaft aufkommt. Vielleicht ist es dieser unausgesprochene gesellschaftliche Zwang, der dazu führt, dass sich mit dem (berechtigten) Suchtverbot zugleich auch die Unfähigkeit zu genießen immer weiter ausbreitet. Genießen wir weniger, weil wir Angst haben, dass ein gerader Weg vom Genuss zur Sucht führt?

Um diese Frage zu beantworten, beleuchtet die Sendung das Verhältnis von Sucht und Genuss und versucht, die zunehmende Genuss-Aversion zu verstehen. Tatsächlich scheint für viele Menschen das Leben in einer wattierten Welt durchaus erstrebenswert zu sein. Damit die Intensität des Lebens wenigstens hin und wieder genossen werden kann, ohne gleich auf wilde Rituale zurückgreifen zu müssen, bedient sich die Gesellschaft gut reglementierter großer Ideen und Projekte. Für sie und sie alleine lohnt es sich zu leben. Die großen Ideen dienen dann als allgemein akzeptierte Entschuldigung, um nicht mehr (oder eben gerade doch, aber nur in Ausnahmefällen), zu genießen. Die Sendung diskutiert diese Zusammenhänge und stellt unter anderem eine eher ungewöhnliche Form der Therapie vor, die nicht nur Suchtkranken hilft, sondern auch zum Genießen des Lebens zurückführen kann: Das Genuss-Training.

Sendedaten
scobel
donnerstags, um 21 Uhr, in 3sat
Sendung zum Thema
© argusGenuss und Sucht
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© dapdWarum werden in "scobel" bestimmte Themen aufgegriffen und was ist genau an diesen besonders faszinierend? Gert Scobel hat seine Gedanken dazu niedergeschrieben.
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