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Mit 95 Prozent sind Frauen von Essstörungen am stärksten betroffen.
Zahlen & Fakten: Die Phänomenologie der Sucht
Das Abhängigkeitssyndrom ist ein Massenphänomen
Millionen von Menschen sind abhängig von Stoffen oder von Tätigkeiten, die sie in einen rauschhaften Zustand versetzen. Ihre Angehörigen sind co-abhängig.
16 Millionen Deutsche rauchen und 9,5 Millionen trinken zu viel. Weitere 1,4 Millionen sind von Medikamenten abhängig. Durch Rauchverbote und Prävention hat sich der Tabakkonsum in Deutschland in den letzten zehn Jahren halbiert. Tabakabhängigkeit wird jedoch immer noch nicht als Krankheitsbild anerkannt. Die durch Rauchen verursachten Kosten für das Gesundheitssystem belaufen sich auf fast 9 Milliarden Euro. Die Steuergewinne des Staates betragen 14,5 Milliarden pro Jahr.

Die legalen Drogen
Alkohol ist in Deutschland legal und somit einfach und günstig zu beschaffen. Doch Alkohol ist ein Zellgift und kostet das Gesundheitssystem jährlich 26,7 Milliarden Euro. Der Staat verdient 3,5 Milliarden. Bei Jugendlichen kann missbräuchlicher Konsum besonders schwer wiegende neuronale Schäden verursachen. Die Struktur des Gehirns wird nachhaltig geschädigt. Andere psychotrope Substanzen wir Cannabis, Kokain oder Crystal Meth sind illegal. Designerdrogen boomen - europaweit kamen im letzten Jahr 73 neue Substanzen auf den Markt.

Wenn Menschen zwanghaft handeln, spricht man von einer verhaltensabhängigen Suchtform. Die Betroffenen leiden unter Kontrollverlust. Zunehmend erweist sich auch die exzessive Nutzung von Computern und Handys als problematisch. Diese Form der Mediensucht steigt rapide an. Ob Computerspiele, soziale Netzwerke oder Sexseiten: Mit den virtuellen Parallelwelten können viele Menschen nicht umgehen. Auch Glücksspiele oder das Zocken mit Aktien können abhängig machen. Sie lösen bei den Spielern euphorische Zustände aus, was dazu führt, dass sie die Fähigkeit verlieren, ihre Situation realistisch zu bewerten.

Verhaltensabhängige Suchtformen erhöhen Suizid-Tendenz
Mit neunzig Prozent sind Frauen dominierend, wenn es um die Kaufsucht geht. Wie bei den anderen Verhaltenssüchten führt auch dieses zwanghafte Bedürfnis zu sozialer Isolierung und Verschuldung, wenn die Betroffenen die Kontrolle verlieren. Generell erhöhen verhaltensabhängige Suchtformen die Tendenz zum Suizid. Auch Essstörungen weisen einen Suchtcharakter auf. Hier sind Frauen mit 95 Prozent am stärksten betroffen. Die bekanntesten daraus resultierenden psychosomatischen Erkrankungen sind Magersucht und Bulimie. In beiden geht es darum, Gewicht, respektive den Körper zu kontrollieren.

Das Ausmaß der Verbreitung von Essstörungen wird kontrovers diskutiert, da eine hohe Dunkelziffer vermutet wird. Alle Abhängigkeitsstörungen führen zu einer Veränderung der neuronalen Strukturen. Denn menschliches Verhalten wird durch ein komplexes Belohnungssystem gesteuert. Drogen oder eine zwanghafte Fixierung auf ein bestimmtes Verhalten greifen in diesen fein justierten Ablauf ein, der nachhaltig und tiefgreifend aus dem Gleichgewicht gerät.

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