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Für stoffgebundene Süchte wie Alkoholismus konnte nachgewiesen werden, dass allein das Bild eines Alkoholgetränks bei einem Alkoholsüchtigen das Belohnungssystem aktiviert.
Die Neurologie der Sucht
Der Wille allein kann Sucht nicht besiegen -
Sucht ist eine chronische Erkrankung des Gehirns
Lustvolle Aktivitäten wie das Essen eines Gourmet-Menüs, ein Gewinn im Glücksspiel, ausgiebiger Sport oder heiße Küsse lösen in uns ein Glücksgefühl aus. Deshalb würden wir diese Aktivitäten am liebsten immer wiederholen. Die Neurowissenschaften liefern eine einfache Antwort darauf, was uns dazu antreibt: diese Tätigkeiten aktivieren das Lustzentrum in unserem Gehirn, den nucleus accumbens, der sich im Vorderhirn befindet.
Dieses Areal wird von Zellen im Mittelhirn mit dem Botenstoff Dopamin stimuliert. Je mehr die Nervenzellen des Belohnungssystems von Dopamin erregt werden, desto ausgeprägter ist das Wohlbefinden. Doch Dopamin macht uns nicht nur glücklich. Es trägt auch dazu bei, dass wir süchtig werden. Durch Drogen wie Kokain, Alkohol oder Nikotin wird der Dopaminspiegel im Gehirn künstlich erhöht: die Synapsen werden regelrecht mit Dopamin überschwemmt. Davor schützt sich das Belohnungssystem mit einer Gegenreaktion und drosselt die Ausschüttung. Dabei werden die Dopamin-Rezeptoren der Nervenzellen reduziert.

Drogen erhöhen den Dopaminspiegel
In der Folge wird das Belohnungssystem unempfindlicher gegenüber der Droge, es stumpft ab und verlangt nach immer größeren Mengen der jeweiligen Substanz. Der Konsument muss die Dosis erhöhen, wenn er die gleiche Wirkung wie zuvor erreichen möchte.Für stoffgebundene Süchte wie Alkoholismus konnte nachgewiesen werden, dass allein das Bild eines Alkoholgetränks bei einem Alkoholsüchtigen das Belohnungssystem aktiviert. Das ist ein Indiz dafür, dass ein Suchtgedächtnis entstanden ist. Das Nervensystem des Abhängigen verändert sich. Sein gesamtes Leben ist auf die Droge ausrichtet. Selbst wenn er eines Tages clean werden sollte, zeigt er auch nach Jahren noch Symptome von Stress, wenn er an seine Droge erinnert wird.

Doch nicht jeder, der zum Beispiel trinkt, wird Alkoholiker. Ob man tatsächlich suchtkrank wird, hängt von vielen Faktoren ab: die Gene spielen eine wichtige Rolle, aber auch der soziale Status und die Lebenserfahrungen prägen die Abhängigkeit. Erwiesen ist, dass Kinder von Alkoholikern ein höheres Risiko tragen, ebenfalls abhängig zu werden.

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