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© colourbox Lupe
Von Konsumopfern und Zeitjunkies
Über unseren Umgang mit Konsum und Zeit
Das Leben mit all seinen kleinen Glücksmomenten zu genießen, scheint ausgerechnet in unserer Wohlstandsgesellschaft immer schwieriger zu werden. Wer früher etwas auf sich hielt, kaufte seine Garderobe maßgeschneidert oder in einer schicken Boutique und die Lebensmittel im Feinkostladen. Heutzutage sind - bei allen gesellschaftlichen Schichten - die Billigdiscounter die Konsumtempel.
Marken und Prestige zählen nicht mehr. Woher die Ware kommt, ist auch egal. Hauptsache, sie ist billig. Dabei böte vielleicht das teure, aber politisch korrekte Produkt den größeren Genuss. Doch das Credo lautet: "Geiz ist Geil!" Geiz - einst eine Todsünde - ist zur Tugend, zur Lebenskunst, erhoben worden und Schnäppchenjägerei zum gesellschaftlichen Sport geworden. Statt um Qualität geht es mittlerweile nur um Quantität. Vielleicht sparen wir ein paar Euro, aber um den Preis unserer Freizeit und Muße. Denn wir sind darauf getrimmt, Geld und Zeit sparen zu wollen.

Gewonnene Zeit wird genutzt, statt genossen
Und was machen wir mit der gesparten Zeit? Genießen wir sie etwa? Nein! Gewonnene Zeit wird genutzt, statt genossen. Wir gönnen uns kaum eine Spanne zum Nichtstun oder zum Zeitvertreib mit Freunden. Denn wer Zeit hat, macht sich verdächtig. Zeit haben gilt als Indiz für Faulenzen und Drückebergerei. Statt des gemeinsamen Kochens und Essens gibt es heute in vielen Familien Fastfood vor dem Fernseher. Eine familiäre Verarmung ist der Preis für den vermeintlichen Zeitgewinn.

Wir können nicht mehr genießen, weil wir nicht mehr wissen, was uns wirklich gut tut. Wir - Konsumopfer und Zeitjunkies - haben längst das Gespür für uns selbst und unsere Umwelt verloren. Schlimmer noch: Der schnelle Konsum von Gütern geringen Wertes bildet den Nährboden für Suchtverhalten, wie beispielsweise Fast Food-Essen oder Koma-Saufen. Beides sind Auswüchse unserer entfesselten Konsumgesellschaft. Genuss dagegen erfordert die Bereitschaft, Zeit, Mühe und Geld zu investieren. Nur dann kann man auch ein Bewusstsein für Werthaftigkeit entwickeln. Sind wir in Gefahr, unsere seelische Gesundheit zu verlieren?

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donnerstags, um 21 Uhr, in 3sat
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© argusGenuss und Sucht
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