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© dpa Lupe
In der Genusstherapie lernen die Patienten, dass auch Essen und Schmecken wieder Freude bereiten kann.
Heilung durch Genuss
In der Reha werden die Sinne trainiert
Mit Rosen achtsam und bewusst den Geruchsinn schärfen, mit Früchten den Geschmacksinn neu entdecken. In der Salus-Klinik im hessischen Friedrichsdorf lernen Alkoholiker und andere Sucht-Patienten beim Genusstraining wieder Kontakt zur Umwelt und zum Alltag aufzunehmen. Das "euthyme Erleben und Verhalten", also die Genussfähigkeit der Patienten, soll entwickelt und gestärkt werden. Das Verfahren aus der Verhaltenstherapie wurde vor rund dreißig Jahren vom Marburger Psychologen Rainer Lutz entwickelt.
Der Psychologe Ahmad Khatib gehört zu den Pionieren des Trainings der fünf Sinne: "Bei psychischen Erkrankungen werden diese Sinneswahrnehmungen in Mitleidenschaft gezogen. Man weiß beispielsweise bei der Depression, dass das Schmecken erheblich beeinträchtigt wird. Beim Alkoholismus scheinen alle diese Sinneswahrnehmungen, bedingt sicher durch die psychotrope Substanz Alkohol, in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Deshalb ist es sehr wichtig, das was an Vorerfahrung gespeichert ist, im Rahmen des Genusstrainings wieder zu reaktivieren. Und das geht durch Übung“.

Genießen will gelernt sein
In acht Sitzungen üben die Patienten immer wieder Riechen, Schmecken, Hören, Sehen und Tasten. Sieben Genuss-Regeln sollen sie dabei beachten: Genuss braucht Zeit, Genuss geht nicht nebenbei, weniger ist mehr, Genuss ist Geschmackssache, Genuss ist alltäglich, ohne Erfahrung kein Genuss und Genuss muss erlaubt sein. Schöne Erinnerungen zu trainieren, ermöglicht ein Umlernen. Im Gehirn von Suchtkranken ist die Belohnungsverarbeitung verändert. Nur noch die Droge aktiviert den Glücksbotenstoff Dopamin. Reaktionen auf lebenserhaltende primäre Reize wie Nahrung oder Sex gehen sehr stark zurück.

"Jedes Mal, wenn wir etwas für unser Überleben, für die Befriedigung unserer Grundbedürfnisse tun, werden wir mit Betaendorphinen belohnt. Mit Alkohol sowie mit anderen Drogen erzwingen wir die Ausschüttung von Betaendorphinen, ohne etwas für unser Überleben zu tun. Sofern die Person darauf fixiert ist, weil wenige andere Möglichkeiten zur Verfügung stehen, mit denen sie diese Glückshormone bekommen kann, die ja sehr wichtig für unser Überleben sind, umso mehr ist der Mensch auf die Suchtmittel fixiert", so Ahmad Khatib.

Autonomie zurückgewinnen
Das Genusstraining ermöglicht das Auflösen dieser Fixierung und die Rückkehr zum Alltag. Es stärkt die gesunde Reizverarbeitung und alte Verhaltensmuster verlieren an Bedeutung. So kann selbst ein einfaches Essen wieder Freude bereiten. Die Therapie hilft den Patienten mit Genuss dabei, Autonomie über das eigene Leben zurück zu gewinnen.

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