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© dpa Lupe
Vor allem im vorschulischen Bereich ist Unterstützung extrem wichtig.
Bildung braucht Zeit und Geld
Kürzungen gehen auf Kosten der Qualität
Jede sinnvolle Bildung sollte das Ziel haben, Menschen zu "Autoren ihres eigenen Lebens" zu machen, wie es der Philosoph Julian Nida-Rümelin formuliert. Der Weg in ein selbstbestimmtes Leben beginnt lange vor der Schule.
Im Elternhaus entscheidet sich, ob ein Kind lernt, seine Möglichkeiten und Grenzen zu entdecken und zu entfalten. In Zeiten, in denen auch Mütter immer öfter einer Vollzeitarbeit nachgehen, übernehmen immer häufiger die Kindergärten diese Rolle. Dabei herrscht in deutschen Kitas oft Fachkräftemangel, die Erzieherinnen sind meist unterbezahlt und nicht immer optimal ausgebildet.

Seit der PISA-Studie wird jedoch gefordert, dass Kindertagesstätten einen größeren Beitrag zur Bildung von Kindern leisten. Rechenaufgaben und Lesen sind das mindeste. Möglichst früh mit Englisch und Chinesisch in Kontakt kommen, heißt die Devise, um die Kleinen schon jetzt für den globalen Markt zu konditionieren. Doch das ist teuer. Erziehungswissenschaftler Heinz-Elmar Tenorth sagt: "Wir verlangen von den Eltern viel Geld und Investitionen im vorschulischen Bereich. In der wichtigsten Phase, in der es auf möglichst viel Unterstützung ankommt, machen wir es teuer. In Bereichen, wo sich andere Finanzierungsformen finden lassen würden oder nebenbei gearbeitet werden kann, wie zum Beispiel im Studium, ist Bildung kostenlos." Wäre die vorschulische Bildung kostenlos, würde die Bildungsbiografie aller Kinder auf ein gemeinsames Fundament gesetzt.

Selbst denken kommt meist zu kurz
Neben Grundkompetenzen sollen Kinder Selbständigkeit und Kommunikationsfähigkeit lernen. Doch das Selbstdenken kommt meist zu kurz, bemängeln Fachleute. Durch frühe Benotung und Leistungsdruck werden eher egoistische Kompetenzen, wie Sichdurchsetzen oder Vorteile sichern, gefördert. Positive Sozialkompetenzen werden dagegen außer Acht gelassen.

Die Umstellung auf acht Jahre Gymnasium war nicht begleitet von einer Reduzierung des Lehrplanes. Untersuchungen belegen, dass die zeitliche Belastung von Schülern inzwischen die normale Belastung von Arbeitnehmern deutlich überschreitet. "G8 war eine der strategisch dümmsten Entscheidung, die im Bildungswesen jemals getroffen wurde. Ohne jeden Grund, ohne jegliche Rechtfertigung, hat man das Wesentlichste und das Wichtigste, das man für Bildung braucht, reduziert: nämlich Zeit. Bildungsgänge setzen auf Zeit, Ruhe und einen vernünftigen Rhythmus", so Tenorth. Und auch die Freizeit ist für die Persönlichkeitsentwicklung enorm wichtig. Denn hier können Kinder ihre Bedürfnisse und Gefühle erleben und ausdrücken.

Im Handwerk ist die Bildungswelt noch heil
Ein kostbares Gut in Deutschland ist das duale System von Bildung und Ausbildung. 2004 hat der Gesetzgeber entschieden, dass nur noch Handwerker mit sogenannten gefahrenträchtigen Berufen den Meistertitel erwerben müssen, um sich niederlassen zu können. In allen anderen Handwerksberufen darf sich seitdem jeder selbstständig machen. Nach wie vor genießt der Meisterbrief aber hohes Ansehen und seit 2010 ermöglicht er sogar den Zugang zu allen deutschen Universitäten.

Um den hohen Standard der beruflichen Ausbildung weiterhin zu garantieren, erfordert es qualifizierte Ausbilder. Friedrich Hubert Esser vom Bundesinstitut für Berufsbildung sagt: "Wir hatten in Deutschland noch vor wenigen Jahren eine Diskussion, ob es überhaupt notwendig ist, dass man eine Ausbildereignungsprüfung vorweisen muss, um ausbilden zu dürfen. Wir haben uns als Bildungsinstitut mit anderen Wirtschaftsorganisationen sehr für den Erhalt einer geprüften Qualifikation eingesetzt und diese auch durchgesetzt. Denn es ist eine hohe pädagogische Anforderung, in den Betrieben die betrieblichen Prozesse mit den Ausbildungsprozessen zu verbinden." Das duale Bildungssystem in Deutschland ist außerdem sehr stark an die Wirtschaft gekoppelt. Neues Wissen wird zeitnah in die Ausbildungskonzepte integriert.

Kurze Studiengänge sorgen dagegen für Probleme
Deutschland braucht mehr Studenten, so lautete in den letzten Jahren die Forderung seitens der Wirtschaft. Tatsächlich ist die Zahl der Studenten stark gestiegen. Und durch die Umstellung auf neue Abschlüsse wie den Bachelor sollte das Studium schneller, straffer und zugleich praxisnaher werden. Doch das starre Korsett der neuen Studienpläne hat auch Nachteile: Es lässt kaum Zeit für Auslandssemester und Praktika, die als wichtige Türöffner für den beruflichen Erfolg gelten. Auch sind die Universitäten mit der Ausbildung der Massen völlig überfordert. Tenorth dazu: "Wir haben nach wie vor Betreuungsrelationen in den Universitäten, die es unmöglich machen, so zu arbeiten, wie es für Bachelorstudiengänge und andere Modulstrukturen notwendig wäre."

Auf einen Professor kommen in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften 107 Studenten. Für die neuen, sehr betreuungsintensiven Studiengänge fehlt es oft schlicht an Dozenten. Und bei der kurzen Studiendauer wird es immer schwieriger für die Studenten, sich vertieftes Wissen anzueignen. Das Studium bleibt an der Oberfläche, tiefes Fachwissen ist nicht mehr gefragt.

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