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© dpa Lupe
Killerzellen gegen Krebs.
Immuntherapie gegen Krebs
Biologika verbessern die Zellkommunikation
Stefanie Eyerich arbeitet am ZAUM, dem Zentrum Allergie und Umwelt in München. Sie will die Kommunikationsstruktur zwischen den Zellen besser verstehen. dabei hat sie schon eine herausragende Entdeckung gemacht: Sowohl die Neurodermitis als auch die Schuppenflechte haben ihre primäre Ursache in einer fehlerhaften Kommunikation im Immunsystem.
Dabei ist das äußere Erscheinungsbild beider Krankheiten ganz unterschiedlich. "Beim atopischen Ekzem oder der Neurodermitis sehen wir, dass die Patienten eine Zerstörung der Hautbarriere aufweisen. Das ist eine Zerstörung unserer äußersten Körperschicht, die uns gegen die Umwelt abgrenzt. Und das führt wiederum zu einem Verlust von Wasser über die Haut und zu einer sehr trockenen Haut. Bei der Psoriasis, der Schuppenflechte, ist es dagegen etwas anders. Hier haben wir eine mehr oder weniger überschießende Wundheilungsreaktion. Und auch hier wandern Zellen des Immunsystems in die Haut ein und lösen diese Entzündungsreaktion aus. Aber es kommt dann eben zu einem vermehrten Wachstum der Hautzellen und zu einer Verdickung der Hautbarriere", sagt Stefanie Eyerich.

Von zentraler Bedeutung für die Immunabwehr sind die T-Lymphozyten oder T-Zellen. Eyerich fand heraus, dass unterschiedliche Subtypen von T-Zellen, die in der Haut ein spezifisches Antigen erkennen, jeweils für die Ausbildung von Neurodermitis oder Schuppenflechte verantwortlich sind. Diese T-Zellen produzieren Botenstoffe, die Zytokine, die ihrerseits die Produktion von allergen-spezifischen Antikörpern anregen. Wenn diese Antikörper in der Haut auf das Allergen treffen, kommt es zur Entzündungsreaktion. Die Botenstoffe und damit die Überreaktion der körpereigenen Abwehr zu blockieren, ist der therapeutische Ansatz der Zukunft. Doch dazu muss man die unterschiedlichen Botenstoffe erst einmal identifizieren.

Krank durch "Kommunikationsstörungen"
Eyerich weiter: "In den letzten Jahren wurden Biologika entwickelt. Das sind Therapien, die beispielsweise Botenstoffe als Zielstruktur aufweisen. Das heißt, mit diesen neuen Biologika kann man die Kommunikation zwischen den Zellen verändern. Man kann sie zum Beispiel unterbinden, wenn sie eine pathogenetische Relevanz haben. Beispielsweise in der Schuppenflechte-Therapie kommen Biologika zum Einsatz. Da wird genau ein Botenstoff inhibiert, der zur Abheilung der Psoriasis-Läsion führt. Leider muss man sagen, dass man in der Erforschung der Neurodermitis noch nicht ganz so weit ist. Hier konnte noch kein Faktor identifiziert werden, der als Zielstruktur wirklich zur Abheilung der Läsion führen würde."

Eine Einschränkung muss man allerdings schon jetzt machen, denn Biologika-Therapien sind recht teuer und nicht jeder Patient spricht darauf an. Das gilt auch für Behandlung von verschiedenen Krebserkrankungen. Bei vielen Formen handelt es sich um eine Kommunikationsstörung, die ein unkontrolliertes Zellwachstum zur Folge hat und gleichzeitig das Immunsystem ausschaltet. Es ist dann nicht mehr in der Lage, die entarteten Zellen zu erkennen und zu bekämpfen. Beim Melanom, dem Hautkrebs, hat man inzwischen einen Antikörper entwickelt, der die krankhaften Wucherungen erkennt. Damit stieg die Lebenserwartung allerdings nur bei Patienten, die molekularbiologisch passen.

Erste Erfolge durch individuelle Immuntherapien
Und so funktioniert die neue Immuntherapie: Dem Tumorgewebe werden Zellen entnommen und in einem Gefäß mit Immunzellen aus dem Blut des Patienten vermischt. Die Immunzellen, sogenannte dendritische Zellen, können auf diese Weise die Tumor-Antigene studieren. Sie lernen die Zielstrukturen zu identifizieren und können den Tumor später in der Immuntherapie bekämpfen. Mit den so trainierten Zellen wird der Patient dann geimpft. Sein Immunsystem, das bisher gegenüber dem Krebs passiv war, ist nun aktiviert.

"Das Immunsystem bei der Neurodermitis ist überaktiviert und reagiert letztendlich gegen Strukturen, die nicht gefährlich sind", so Eyerich. "Bei der Krebsbehandlung will man erreichen, dass diese vom Immunsystem als ungefährlich eingestufte Reaktion oder Zelle wieder erkannt wird." Jeder Tumor hat seine ganz individuelle Struktur. Die Immuntherapie ist daher immer auf den einzelnen Patienten ausgerichtet. Schnell wachsende Tumore wie beim Bauchspeicheldrüsenkrebs lassen den dendritischen Zellen allerdings fast keine Zeit, um eine Immunabwehr zu entwickeln. Dennoch setzen Forscher und Ärzte in die Immuntherapie große Hoffnungen. Bis zur breiten Anwendung muss jedoch noch viel geforscht werden.

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