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© ap Lupe
Die Yoga-Anhängerschar wächst stetig.
Massenphänomen Yoga
Wer eine Matte hat, macht mit
Yoga gilt als schick, gesund und leistungsfördernd und wird immer mehr zum Volkssport. Auch Künstler und Promis aller Art praktizieren Yoga sowie die deutsche Fußballnationalmannschaft. Yoga ist mittlerweile ein Massenphänomen. Vor allem in den USA ist die Anhängerzahl groß, aber auch in Deutschland findet Yoga immer mehr Zuspruch.
Entsprechend spielt Yoga auch im Big Business eine Rolle: Das Wall Street Journal schätzt den Börsenwert der internationalen Yoga-Industrie auf 42 Milliarden Dollar. Prominente Yoga-Trainer genießen Kultstatus und verdienen Millionen. Spiritualität und Kommerz bilden keinen Widerspruch. Und weil Yoga scheinbar für jedes individuelle Anliegen einen Weg bietet, sind der Kommerzialisierung keine Grenzen gesetzt. In Verbindung mit dem Wort Yoga lässt sich nahezu jedes Produkt verkaufen.

In Deutschland gibt es inzwischen rund 20.000 Yoga-Lehrende und fünf Millionen Praktizierende. Tendenz steigend. Vor allem die stressgeplagte Mittelschicht findet hier ein Angebot jenseits von institutionalisierter Religion und Psychoanalyse. Zur individuellen Sinnsuche die passende Matte, zur Matte die passende Tasche. Das Zubehör ist schon der Weg. Yoga ist allgegenwärtig und der geschäftlichen Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Fragwürdige Auswüchse bleiben nicht aus
Das Angebot reicht von Yoga mit Hund bis hin zum Nackt-Yoga. Dabei ist ungeklärt, ob Hunde dafür geeignet sind und bei letzterem sollte es nicht um die Begrenzungen der Kleidung gehen, sondern um die Begrenzungen der Seele. Und natürlich gibt es Yoga auch als reinen Sport, als eine Art Kunstturnen. So wird bei den Yogameisterschaften in New York, im Wettkampf um Erfolg, nur die messbare Leistung bewertet. Eine fragwürdige Veranstaltung, denn der Mensch verzichtet hier freiwillig auf das Beste, was diese Kulturtechnik bietet.

Dennoch zeigt sich die Kraft des Yoga gerade auch in der Verbindung von Extremen. Ein echter Yogi kann seine Übungen selbst in einer lärmenden Umwelt abhalten. Für den Westen stellt sich jedoch die Frage: Gelingt die Vereinigung von Spiritualität und Materialismus, oder erfolgt eine Anpassung der Spiritualität, um den Materialismus geschmeidiger zu machen und seine Auswüchse zu mildern? Ist Yoga nur Mittel zur Erfolgssteigerung, zur Selbstoptimierung für die Erfordernisse des Arbeitsmarktes, zur besseren Selbstausbeutung des Arbeitnehmers in einer globalisierten Gesellschaft? Fragen, die sich jeder ernsthaft Yoga-Praktizierende stellen sollte.

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scobel
donnerstags, um 21 Uhr, in 3sat
Sendung zum Thema
© mevYoga boomt