Donnerstag, 21.00 Uhr
Kalender
Juli 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
26
27
28
29
30
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
03
04
05
06
Cyberwar - Krieg der Gegenwart
Was nach Zukunftsszenario klingt, ist längst real
Hat nicht der Arabische Frühling gezeigt, dass die technischen Möglichkeiten von Bürgern, sich im Kampf gegen ihre Regierung zu verbünden, im Zeitalter des Internets besser sind denn je? Die neuen Informationstechnologien sind Säulen im Kampf für Demokratie und Freiheit. Dies ist die eine Seite. Auf der anderen gibt es Staaten und Organisationen, die mit Hilfe dieses freien Austausches über das Internet gezielt Krieg führen.
Cyberwar, der elektronische Krieg: Dieser Begriff beschreibt den Wandel, der sich in der Kriegsführung durch die Existenz des World Wide Web und die Möglichkeiten der Informationsverarbeitung ereignet hat. Es ist keinesfalls nur metaphorisch, von einem digitalen Schlachtfeld zu sprechen. Doch wie sehen diese Auseinandersetzungen, die weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit bereits zum alltäglichen Geschäft militärischer Arbeit gehören, aus? Ziel der Sendung ist es, darüber mehr zu erfahren und sachlich zu informieren, statt Panik zu machen.

Aus diesem Grund haben wir unter anderem Kontakt mit Cert-Bund, dem Computer Emergency Response Team der Bundesverwaltung Kontakt aufgenommen. Das Nationale Cyber-Abwehrzentrum Deutschland ist wenig bekannt. Umso eindrucksvoller ist die Arbeit im Lagezentrum: Nach Angaben des Leiters Stefan Ritter müssen rund fünf gezielte Spionageangriffe pro Tag abgewehrt werden. Nicht minder erstaunt haben uns die Angaben über Angriffe auf das IT-System der Bundesverwaltung und Bundesregierung: rund 2.500 pro Tag! Diese Zahlen dokumentieren die Aggressivität und Härte der Auseinandersetzungen im Internet. Ist es damit bereits erlaubt, von einem Krieg zu sprechen? Immerhin befindet sich Deutschland ja, dem herkömmlichen Verständnis nach, nur indirekt in einem Krieg.

"Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin"
Ich muss zugeben, dass mich die Informationen und Auskünfte, die wir auch von anderer Seite bekamen, erstaunt haben. Obwohl wir in der Regel das Gefühl haben, im Frieden zu leben (und wir tun dies Gott sei Dank durchaus auch weitgehend), gibt es so etwas wie einen stillen oder kalten digitalen Krieg. Manches von dem, was ich noch vor der Recherche für Science Fiction gehalten hätte, ist längst Fakt. Zum Cyberwar gehören nämlich nicht nur militärische Anwendungen im engeren Sinn, sondern auch "Hacks" in zivile Systeme, beispielsweise in die internetbasierte Steuerung von Autos.

Am anderen Ende der Rechnerkriege stehen immer die analogen, ausführenden Endgeräte - beispielsweise ferngesteuerte Drohnen. Der Befehl zum Abschuss und die Steuerung kommt aus einer sicheren Computerzentrale, die sich manchmal 10.000 Kilometer vom Einsatzort entfernt befindet. Der pazifistische Satz "Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin" ist auf eine zynische Weise wahr geworden. Es versteht sich nahezu von selbst, dass beispielsweise alle amerikanischen Drohnen und ihre Einsätze strenger Geheimhaltung unterliegen und direkt dem amerikanischen Präsidenten unterstehen.

Wie kann man sich schützen?
Dennoch hat mich die Intensität erstaunt, mit der nicht nur Staaten wie die USA an dieser Art der Kriegsführung Interesse haben. Auch Unternehmen und andere Organisationen sind beteiligt, was die Lage nicht wirklich verbessert. Cyberwar hat eben auch viel mit Spionage, Manipulation und Sabotage, beispielsweise von Atomreaktoren, zu tun. Cyberwar zielt aber auch auf Wirtschaft, Banken sowie staatliche und industrielle Kommunikations- und Computersysteme ab.

Die Frage ist daher nicht nur, wie der Krieg der Zukunft aussieht, denn es gibt den Cyberwar bereits. Die Frage ist auch, wie sich die hochsensiblen elektronischen Netzwerke im zivilen Bereich vor Missbrauch und Fremdzugriffen schützen lassen. Das Thema mag für viele abstrakt und irgendwie nach harmlosem Computerspiel klingen. Wer sich auf die Recherchen und die verfügbare Literatur einlässt, wird überrascht sein, dass genau das Gegenteil der Fall ist.

Sendedaten
scobel
donnerstags, um 21 Uhr, in 3sat
Sendung zum Thema
© apCyberwar - das digitale Schlachtfeld