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Woher die Menschen kommen
Wie sich der Homo sapiens weiterentwickeln konnte
Für mich ist die Frage, woher wir Menschen kommen und wie wir uns im Konzert der Natur entwickelt haben eine der spannendsten überhaupt. Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass in dieser Frage immer wieder die neuesten Entwicklungen der Wissenschaften zusammenlaufen.
Heute gehört eine detaillierte Kenntnis der klimatischen Verhältnisse ebenso zur Paläoanthropologie wie die Genetik oder (was diese Wissenschaft so charmant macht und für einen Hauch von Abenteuer sorgt) die Suche mit Schaufel, feinem Hammer und Pinsel irgendwo in der Wildnis. Aber auch die Erkenntnisse der Affenforschung gehen zwangsläufig in die Forschung mit ein. Gemeinsam bemühen sich Paläoanthropologen und Paläobiologen darum, die Hinterlassenschaft unserer Vorfahren zu verstehen. Man versucht auch ihr Verhalten und - wenn möglich - ihre Gefühle und Denkweise zu verstehen.

Ursprung der Menschheit liegt in Afrika
Nach dem, was wir heute wissen, haben wir gemeinsame Vorfahren mit den heute lebenden Affen wie den Schimpansen. Diese Vorfahren haben vermutlich vor sechs oder acht Millionen Jahren gelebt. Sie ähneln dabei weder dem heutigen "modernen" Affen noch uns, denn beide Zweige haben eine lange Evolutionsgeschichte durchlaufen. Sowohl die Affen, als auch wir als besondere Affenart, haben uns auf unterschiedliche Weise verändert. Relativ neu ist die inzwischen eindeutige Erkenntnis, dass unser eigener Zweig und mit ihm alle Menschen, die leben, definitiv ihren Ursprung in Afrika haben.

Wir wissen darüber hinaus seit kurzem, dass es deutlich mehr Linien oder Unterarten des Menschen gibt, als noch vor kurzem angenommen. Beispielsweise gibt es neben der unabhängig voneinander entwickelten Form des Neanderthalers den Denisova-Menschen. Beide stammen wie wir aus Afrika, wenn auch aus früheren Auswanderungsschüben, die wiederum mit Veränderungen im Klima und in der Lebenswelt Afrikas zu tun haben könnten. Der moderne Mensch hat sich mit beiden Unterarten vermischt. Bis heute weisen Afrikaner daher die größte genetische Bandbreite aller Menschen auf.

Menschheit stand mehrfach vor dem Aussterben
Wir selber stellen nur eine Auswahl aus diesem Gesamterbgut dar, denn mit jedem Auswanderungsschub aus Afrika heraus wurde immer nur ein Teil des gesamten Genpools mitgenommen. Man nennt das den Flaschenhalseffekt. Mit jeder weiteren Wanderung, d.h. Besiedlung wurde die Gruppe der Auswanderer nach dem Aufbruch aus Afrika durch Eiszeiten und Umwelteinflüsse, Krankheiten, Tiere oder gegenseitige Kämpfe weiter dezimiert. Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass die Menschheit mehrfach kurz vor dem Aussterben gestanden haben muss. Ausgehend von einigen Tausend, vielleicht bis zu einigen Hunderttausend Homo-Exemplaren steuern wir jetzt am Ende dieses Jahrhunderts auf die neun Milliarden-Marke zu.

Es ist wichtig zu bedenken, dass sich die gemeinsame afrikanische Herkunft aller Menschen nicht nur auf die Hardware, die DNA bezieht - also auf Aussehen, Hautfarbe oder Kinnform - sondern auch auf unser Verhalten und die inneren Zustände, die damit verbunden sind. Hinzu kommen dann leichte Veränderungen durch die gelegentliche Vermischung mit anderen Auswanderungsgruppen wie den Neanderthalern. In der Evolutionstheorie galt bis vor kurzem populär gesagt die Maxime vom egoistischen Gen. Tiere oder Menschen konkurrieren mit Tieren oder anderen Menschen beispielsweise um Futter oder Sexualpartner.

Fortschritt durch Kooperation
Aber auf der Mikroebene konkurrieren auch die Gene bzw. einzelne Genabschnitte. Das passiert, weil sich Gene oder Genabschnitte bei sexueller Fortpflanzung mischen und daher weitergegeben werden können oder nicht. Menschen sind sozusagen nur die äußere Transporthülle für Gene. Und die sind, laut Richard Dawkins, egoistisch. Leider erklären die egoistischen Gene in Bezug auf die Entwicklung des Menschen nur wenig. Eine neuere Theorie belegt, dass die Evolution des Menschen vor allem auf der Zunahme der Komplexität der menschlichen Interaktionen beruht, also auf kulturellen und gesellschaftlichen Strukturen.

Der Biologe und Mathematiker Martin Nowak, der in Harvard lehrt und Direktor des Programms für evolutionäre Dynamik ist, hat all das auf einen Punkt gebracht: Kooperation. Wir sind Menschen geworden, weil wir anders und besser kooperieren konnten als unsere Affen-Verwandten. Im Unterschied zu ihnen sind wir, trotz weitgehender genetischer Übereinstimmung, Super-Kooperateure. Diese und andere Erkenntnisse sind relativ neu und ich freue mich, sie mit zwei international anerkannten Experten diskutieren zu können.

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