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© dpa-bildfunk
Wie sieht die Gesellschaft der Zukunft aus?
Düstere Zukunft
Visionen von Wells und Houellebecq
Die Kluft zwischen arm und reich oder auch Macht und Ohnmacht - was als soziale Problematik auch heute beunruhigt, inspiriert bereits 1895 den Schriftsteller H. G. Wells zu einer Prophezeiung über den Umschlag von kulturellen Verhältnissen in evolutionäre Veränderungen.
Wells’ erster Roman "Die Zeitmaschine" ist weniger eine Geschichte über Erfindungskraft sondern vor allem eine Horrorvision: Die Verlängerung der krassen Unterschiede der frühen britischen Industriegesellschaft in eine 800.000 Jahre ferne Zukunft, in der nur Schwundstufen des Menschlichen geblieben sind.

Es gibt nur mehr zwei Sorten Menschen: Die Eloi als Nachfahren einer ehemaligen Oberschicht, degenerierte verweichlichte Wesen in einer scheinbar paradiesischen Welt und die Morlocks als monströse Nachtwesen, die untertage die Welt am Laufen halten, und sich die Eloi wie eine Schafherde als Nahrungsquelle halten.

Wells, ein überzeugter Darwinist, weiß noch nichts von den biologisch-chemischen Grundlagen der Vererbung - aber er gestaltet prototypisch,wie sich Anlagen seiner Gegenwart ins Extreme verstärken - als Entstellung und als Verrohung.

110 Jahre später steht auch Michel Houellebecqs düster-ironischer Roman "Die Möglichkeit einer Insel" in dieser Tradition. Auch er verlängert seine Gegenwart, die mittlerweile entwickelten Klontechniken genauso wie den Hedonismus der Mediengesellschaft und lässt auf einer ökologisch verwüsteten Erde neben kleinen Horden von Wilden vor allem hochgezüchtete Klone überleben, Wesen, die nichts vergessen und nichts retten können,die auf dem Gipfelpunkt ihrer Optimierung am liebsten auf den Bewusstseinstand einer Amöbe zurückfallen möchten.

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