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© dpa
Es gibt einzelne DNA-Abschnitte (Human Accelerated Regions), auf denen "schnelle" Veränderungen festgestellt wurden.
Unser Genom verändert sich stetig
Hunger, Stress und Klima nehmen Einfluss
Der Mensch unterscheidet sich von seinem nächsten Verwandten, dem Schimpansen, nur in einem Prozent des Genoms. Aber in absoluten Zahlen sind das immerhin 30 Millionen Unterschiede. Sie entstanden in einem Zeitraum von sechs Millionen Jahren. Eine Entdeckung war zum Beispiel das FOXP2-Gen, dass die Sprachfähigkeit mitreguliert.
Im Unterschied zum Schimpansen hat sich das FOXP2-Gen beim Menschen an zwei Stellen wesentlich verändert. Der Befund könnte erklären, warum Schimpansen zwar Laute artikulieren, aber nur der Mensch sprechen kann. Dank verbesserter Analyseverfahren kann die Forschung inzwischen weitere Unterschiede im Genom des Menschen bestimmen.

Einzelne DNA-Abschnitte sind besonders aktiv
Die amerikanische Biostatistikerin Katherine Pollard schrieb ein Computerprogramm, dass gezielt nach HAR (Human Accelerated Regions) fandet. Das sind DNA-Abschnitte, auf denen das Erbgut deutliche Veränderungen zeigt. Dabei entdeckte sie unter anderem den Abschnitt HAR2, der die Entwicklung von Daumen und Handgelenk fördert.

Seine Veränderung könnte erklären, warum die menschliche Hand sehr viel geschickter mit Werkzeugen umgehen kann, als die des Schimpansen. Die meisten Veränderungen entdeckte Pollard jedoch auf dem Gen-Abschnitt HAR1. Im Lauf der Evolution hat sich HAR1 zwischen Hühnern und Schimpansen zweimal verändert. Zwischen Schimpansen und Menschen jedoch 18 Mal. HAR1 beeinflusst die Embryonalentwicklung des Gehirns. Vielleicht ein Grund, weshalb unser Gehirn viel komplexer strukturiert ist als das des Schimpansen.

Wechselspiel der Gene
Mit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms und seiner Unterschiede zum Schimpansen hat man jedoch noch lange nicht verstanden, wie Gene überhaupt funktionieren. Heute weiß man, nicht einzelne Gene steuern die Entwicklung des Menschen, sondern ein unüberschaubares Wechselspiel von Genen. Es wird zudem beeinflusst von individuellen Faktoren wie Hunger oder Stress und globalen Faktoren wie Klima, Bevölkerungszahl oder Energieressourcen.

Auch auf biologischer Ebene unterscheiden sich Menschen wesentlich stärker als bisher angenommen. Eineiige Zwillinge sind genetisch keineswegs identisch. Schon im Embryonalzustand werden bei bis zu zehn Prozent der Erbanlagen nur die mütterliche oder die väterliche Variante aktiv. Dabei muss man noch berücksichtigen, dass die mütterliche und die väterliche Variante eines jeden zweiten Gens unterschiedlich ist. Diese vielfältigen genetischen Veränderungen sowie Umweltfaktoren führen dazu, dass sich das Genom jedes einzelnen Menschen ständig im Umbau befindet. Die Vorstellung, man könne einen Menschen vollständig klonen, eine vollständig identische Kopie herstellen, ist hinfällig geworden.

Erbgut verändert sich ständig
Ein entscheidender Einfluss ist das Alter des Vaters. Das Sperma eines 20-jährigen Mannes kann bis zu 25 Mutationen an ein Kind weitergeben. Bei einem 40-jährigen Mann sind es rund 65 Mutationen. Die weibliche Eizelle trägt konstant rund 15 Mutationen. Viele dieser altersbedingten Mutationen stehen in Zusammenhang mit der Beeinträchtigung von Hirnfunktionen aber auch mit Krebserkrankungen.

Da moderne Populationen einem nachlassenden Selektionsdruck ausgesetzt sind, nimmt die Verbreitung negativer Mutationen zu. Damit ist jedoch nicht das Genom der gesamten Art betroffen. Globale Veränderungen des Genoms können heute nur Pandemien verursacht werden. Auch hier spielt die Umwelt, sprich medizinische Versorgung, eine wichtige Rolle. So unterliegt Afrika durch AIDS einem größeren Selektionsdruck als Europa. Mutationen, die sich über die ganze Welt ausbreiten, entstehen nur bei einer Pandemie, die lediglich ein kleiner Teil der Bevölkerung überlebt. Dabei verengt sich die genetische Bandbreite, man spricht vom sogenannten Flaschenhalseffekt.

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