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© dpa Lupe
Was passiert am Ende unseres Lebens?
Wenn wir sterben
Physiologische und psychologische Vorgänge
Die Geburt ist inzwischen ein genauestens wissenschaftlich untersuchter Vorgang. Doch was passiert mit dem Körper und der Psyche, wenn das Leben endet? Das Sterben ist bei weitem noch nicht so umfassend erforscht wie der Beginn unseres Lebens. Schon weil der Beginn des Sterbens nicht eindeutig festgelegt werden kann.
Was man weiß: Irgendwann steigen die lebenswichtigen Organe aus und versagen den Dienst. Gelegentlich geht das sehr schnell. Doch meist dauert der Prozess lange Stunden oder auch Tage. Dadurch wird zunächst die Wahrnehmung durch verminderte Hirnaktivität eingeschränkt. Seh- und Hörvermögen lassen nach. Die Atmung wird flacher und röchelnd.

Häufig will der Sterbende dann keine Nahrung und keine Flüssigkeit mehr zu sich nehmen. Führt man ihm beides dennoch zu, wird der Sterbeprozess verlängert, nicht aber aufgehalten. Bei einer Flüssigkeitsunterversorgung sendet das Hirn körpereigene Opiate aus. Sie sorgen dafür, dass Schmerz nicht mehr so stark empfunden wird und sich das Bewusstsein beruhigt. Tritt irgendwann der Herzstillstand ein, kann innerhalb weniger Minuten der Hirntod folgen. Tot ist der Mensch dann noch nicht.

Eine kurze Zeitspanne bleibt für die Reanimation: Durch Herzmassage und eine Versorgung mit Sauerstoff kann der Mensch vielleicht noch einmal "zurückgeholt" werden. Nach spätestens fünf Minuten ist jedoch das Hirn irreversibel geschädigt. Einzelne Komponenten des Organismus bleiben noch eine Weile lebendig: Nach 15 Minuten sterben die Herzzellen, nach über einer Stunde die Lunge, dann die Nieren, der Magen-Darm-Trakt und nach drei Tagen das Sperma. Da ist der Körper bereits totenstarr. Die Haut ist blass, mit einem grün-blauen Netz aus hervortretenden Adern und Venen überzogen. Erst zwölf Tage später löst sich die Muskelstarre völlig. Soweit die biologische Seite des Todes.

Die psychologische Seite
Aber es gibt auch eine psychologische, die erst Anfang der 1970er Jahre Beachtung fand. Die Ärztin Elisabeth Kübler-Ross war eine Pionierin der Sterbeforschung. In ihrem 5-Phasenmodell beschreibt sie die verschiedenen, variierenden "Einstellungen" ihrer sterbenden Patienten dem Tod gegenüber:

  • die Leugnung, dass man stirbt und der Rückzug des Kranken
  • der Zorn und das Auflehnen, manchmal verbunden mit aggressivem Verhalten gegenüber Angehörigen
  • das Verhandeln mit dem Schicksal und der Versuch dem drohenden Geschick zu entkommen
  • die Depression, das Gefühl des Allein-Seins vor dem übermächtigen Tod
  • und im besten Fall die letztendliche Akzeptanz

Wobei die einzelnen Phasen in der Reihenfolge variieren können und nicht alle auftreten müssen. Vor allem kommt es wohl auf den einzelnen Menschen an, wie er stirbt. Ob gefasst und in sich ruhend oder auch zerrissen und gequält - jeder Sterbeprozess ist wie die Geburt und das Leben ein individueller Vorgang.

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donnerstags, um 21 Uhr, in 3sat
Sendung zum Thema
© dpa"Schöner sterben" - Plädoyer für eine neue Sterbekultur