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Irrtum im Immunsystem
Rheuma und Multiple Sklerose: Abwehrkräfte zerstören nicht fremde Erreger, sie attackieren den eigenen Körper. Warum? Thema bei "scobel" am 2. Juni 2016.
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© dpa Lupe
Immer mehr Menschen entscheiden sich am Lebensende für eine Betreuung im Hospiz.
Sterben, eine reine Kostenfrage?
Pflegeheim, Krankenhaus oder Hospiz
850.000 Menschen sterben pro Jahr in Deutschland. 50 Prozent von ihnen in Krankenhäusern, 40 Prozent in Pflegeheimen. Zwei Drittel aller Gesundheitskosten, die ein Mensch im Laufe seines Lebens verursacht, entstehen beim Sterben, durch Pflege und Hochleistungsmedizin. Bis zum Jahr 2050 wird sich die Zahl der hochbetagten Deutschen verdreifacht haben. Ihre Pflege und ihr Sterben werden nicht weiter wie bisher finanzierbar sein.
Insgesamt 80 Prozent der Deutschen wünschen sich, zu Hause zu sterben. Wunsch und Wirklichkeit liegen in Deutschland jedoch noch weit auseinander. Nur 10 bis 20 Prozent sterben im eigenen Heim. Dabei ist zuhause sterben sogar vergleichsweise günstig: Die Versorgung durch ein ambulantes Palliativteam kostet pro Tag etwa 185 Euro. Ein Tag im Krankenhaus dagegen kostet die Kassen zwischen 500 bis 700 Euro, auf der Intensivstation sind es sogar bis zu 3000 Euro pro Tag.

Seit 2007 hat jeder Versicherte das Recht auf palliativmedizinische Versorgung und somit auf ein menschenwürdiges Sterben. Die Palliativversorgung in einem Krankenhaus oder im Hospiz ist jedoch nur in den letzten Lebenstagen möglich. Der Arzt muss die Todesnähe diagnostizieren. Nur dann zahlt die Kasse. Wer nicht rechtzeitig stirbt, dem droht die Verlegung zurück ins Krankenhaus oder das Pflegeheim.

Absurde Mobilität stellt sich ein
Oft beginnt ein unwürdiger Verschiebekreislauf: vom eigenen Heim ins Pflegeheim, von dort ins Krankenhaus, und wieder zurück. In Hessen werden 30 Prozent der Bewohner von Pflegeheimen zum Sterben ins Krankenhaus geschickt. Verdient wird an dieser Mobilität nicht schlecht. So wird das Lebensende mit seinen Wahlmöglichkeiten und professionellen Angeboten schließlich zur Managementaufgabe in einer Leistungsgesellschaft. Seit 2006 gibt es in Deutschland das Berufsbild des "Case-Managers", der diesen Reigen organisiert.

In Anbetracht der Tatsache, dass nur vier Prozent aller Deutschen im Krankenhaus sterben möchten, ist die medizinische Topversorgung, die nur allzu leicht zur Überversorgung wird, am Ende des Lebens offensichtlich gar nicht das Wichtigste. Statt Hochleistungsmedizin sollten eher Zuwendung, Menschlichkeit, und spirituelle Hilfe wieder gefragt sein.

Sendedaten
scobel
donnerstags, um 21 Uhr, in 3sat
Sendung zum Thema
© dpa"Schöner Sterben" - Plädoyer für eine neue Sterbekultur