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© dpa Lupe
Verfügungen, in denen der eigene Wille dokumentiert ist, sind immer noch die bestmögliche Absicherung.
Selbstbestimmt sterben
Patientenverfügungen sind hilfreich, werden aber nicht immer beachtet
Die Patientenverfügung ist immer noch die bestmögliche Absicherung. Allerdings sollten beim Aufsetzen nicht nur Internetformulare genutzt werden, sondern unbedingt der Rat eines Arztes eingeholt werden. Doch auch das reicht nicht immer aus.
Der 52-jährige Andreas Kudler wird 2011 ins Herzzentrum Duisburg eingeliefert. Hier wird ihm eine künstliche Herzklappe eingesetzt. Doch es gibt Komplikationen und er muss erneut operiert werden. Kudler will kein Pflegefall werden, deshalb erstellt er vor der erneuten Operation eine Patientenverfügung. In dieser hält er ausdrücklich fest, dass er keine lebensverlängernden Maßnahmen und auch keine Wiederbelebungen möchte.

Andreas Kudlers Schwester Marion Neef ist gelernte Krankenschwester und beruhigt, dass ihr Bruder alles geregelt hat. Nach der zweiten Operation verschlechtert sich der Zustand von Andreas Kudler dramatisch. Und trotz seiner Patientenverfügung wird er mehrfach wiederbelebt und an die Dialyse angeschlossen. Nach zwei Monaten qualvoller Behandlungen, die er nicht wollte, stirbt er. Seine Schwester erstattet Anzeige gegen die behandelnden Ärzte.

Warum werden Verfügungen missachtet?
Doch die Staatsanwalt lässt die Klage mit der Begründung, die Ärzte hätten nicht vorsätzlich gehandelt, sondern sich schlicht geirrt, fallen. Dabei ist eine Patientenverfügung juristisch bindend. Verstoßen Ärzte gegen sie, machen sie sich der vorsätzlichen Körperverletzung strafbar, was bis zu fünf Jahre Haft bedeuten kann.

Es passiert immer wieder, dass eine Patientenverfügung vom Arzt angezweifelt wird, zum Beispiel, wenn sie schon älter ist und nicht klar ist, ob der Patient auch heute noch so urteilen würde. Außerdem weisen einige Patientenverfügungen deutlich Unkenntnisse über medizinische Abläufe auf. Manchmal gibt es auch Zweifel an der Echtheit einer Patientenverfügung. Treten solche Zweifel an einer Patientenverfügung auf, muss ein Richter entscheiden, doch das dauert oft viel zu lange. Zeit, die meistens nicht da ist.

Sendedaten
scobel
donnerstags, um 21 Uhr, in 3sat
Sendung zum Thema
© dpa"Schöner Sterben"
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VideoInterview
Alfred Simon von der Akademie für Ethik in der Medizin über die Sinnhaftigkeit von Patientenverfügungen.
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