Service
Archiv & Vorschau
Mai 2013
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
29
30
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
Wissenschaft am Donnerstag
Um 20.15 Uhr sehen Sie die Dokumentation:
© photocase Lupe
Wir lieben den Grusel und sind schockiert und fasziniert von schlechten Nachrichten.
Wir erschaudern gern
Über die Faszination des Bösen
Ob in der antiken Mythologie oder den Dramen Shakespeares: Gewalt, Mord und Totschlag sind immer attraktiv. Im Kino befinden wir uns mit dem Bösen auf Augenhöhe. Je monströser der Bösewicht umso besser. Wir genießen den Thrill, die Angstlust, denn im Kinosessel kann uns nichts passieren.
In dem Film "Uhrwerk Orange" wird dem kriminellen Protagonisten mit Elektroschocks die Lust an der Betrachtung des Bösen wegtherapiert. Mit verheerenden Folgen, denn er findet sich dananch in der gewalttätigen Umwelt nicht mehr zurecht und wird selbst zum Opfer. Also lieber hinschauen? Die Gewalt in den Medien spiegelt die Gewalt in der Gesellschaft.

Thriller jeder Art haben Konjunktur
Auch auf dem Buchmarkt hat das Böse Konjunktur. Kriminalromane fordern uns auf, Gefahren mitzuerleben, Spuren zu verfolgen, an der Lösung eines Falles mitzuarbeiten. Kleine Fluchten aus einer sozialstaatlich abgesicherten Existenz. Während jedoch früher Wissenschaft und Moral die ins Wanken geratene Ordnung der Welt wiederherzustellen vermochten, regiert heute im Krimi die Unübersichtlichkeit. Gut und Böse sind nicht mehr einfach zu trennen, der Verbrecher kann sympathische Züge tragen, kann selbst zum Protagonisten werden.

© dpa Lupe
Aktenzeichen XY will helfen, bietet aber auch viel Spannung durch reale Fälle.
Im Fernsehen ist das Böse ein Quotenhit. Ein "Tatort" hat im Durchschnitt 8,5 Millionen Zuschauer. Der Erfolg der Serie basiert auf ihrer realitätsnahen Schilderung von Milieus und Handlungsschauplätzen. Hinzu kommen aktuelle soziale Konflikte wie Organhandel oder Migrantenschicksale. Die TV-Fahnder werden dabei als Menschen mit ganz normalen Alltagsproblemen dargestellt. In ihrem Versuch, das Böse zu verstehen, sind sie genauso hilflos oder erfolgreich wie der Zuschauer. Ein Konzept, das von vielen anderen TV-Serien kopiert wurde. Ganz nah an der Realität ist die Sendung "Aktenzeichen XY … ungelöst". Die nachinszenierten Kriminalfälle dienen nicht nur der Aufklärung ungelöster Verbrechen, sondern versetzen den Zuschauer gerade deshalb in Spannung, weil sie wirklich passiert sind. Ein Stück Prävention und Lebenshilfe.

Die Realität ist oft kaum fassbar
Die Begegnung mit dem Bösen in der Wirklichkeit stellt oft alle Fiktionen in den Schatten. Wir können kaum begreifen, was in Magnus Gäfgen vorging, als er den elfjährigen Bankierssohn Jakob von Metzler in seine Wohnung lockte und anschließend tötete. Nachrichten über den "Kannibalen von Rotenburg", der sein Opfer ermordete und dann verspeiste, werden von einem Millionenpublikum "verschlungen". Auch der Fall Josef Fritzl gehört dazu: Rund 24 Jahre hielt er seine Tochter in einem unterirdischen Verlies gefangen, vergewaltigte sie und zeugte mit ihr sieben Kinder. Hier wird eine Grenze sichtbar, etwas Unfassbares.

Und auch, wenn es sich in diesen Fällen um Extreme und außergewöhnliche Randphänomene handelt - für die Medien sind es Top-Meldungen, die die Auflage steigern. Schlimme Nachrichten interessieren uns mehr als gute Nachrichten. Und das Böse ist nun mal anschaulicher in Gestalt eines Menschen, als in Gestalt einer komplexen Diskussion um die Kürzung von Sozialleistungen.

Sendedaten
scobel
donnerstags, um 21 Uhr, in 3sat
Sendung zum Thema
© reutersDas Böse - Über die Abgründe des Menschen