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© ap Lupe
Was ist das Böse? Welche Gestalt hat es?
Deutungen des Bösen
Erklärungsversuche zum Unfassbaren
Das Böse entzieht sich einer klaren Definition. Und trotzdem versucht man es immer wieder zu deuten. Der jüdisch-christlichen Tradition nach entspringt das Böse dem Ungehorsam gegen Gott. Luzifer war einst ein Engel im Hofstatt Gottes. Er wollte sein wie Gott und wurde so zum Widersacher der Göttlichen Ordnung, zum Fürsten der Finsternis und der Zerstörung.
Satan war es auch, der Adam und Eva dazu verführte, vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen. Sie mussten mit der Vertreibung aus dem Paradies und der Erbsünde dafür büßen. Seitdem verfolgt der Zorn Gottes ein klares Ziel: die Durchsetzung der göttlichen Ordnung gegenüber dem menschlichen Ungehorsam, dem Teufel im Menschen.

Philosophische Ansichten
Bis sie die Jagd für sich entdeckten, hatten die Urmenschen Angst vor wilden Tieren. Spätestens von da an genossen aggressive Individuen einen entscheidenden Überlebensvorteil. Der Mensch wurde zum gefährlichsten aller Tiere. "Alles ist gut, was aus den Händen des Schöpfers kommt; alles entartet unter den Händen des Menschen", so sieht es der französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau. Für ihn ist der Mensch von Natur aus gut. Es ist die Gesellschaft und der Eigensinn, die zum Bösen führen. Ganz vorn: das Eigentum.

Immanuel Kant dagegen meint, der Mensch besitze die Freiheit, sich für das Gute oder das Böse zu entscheiden. Indem er sich für das Böse entscheidet, verstößt er jedoch gegen das Sittengesetz, das mit Vernunft erkannt werden kann. Für den Psychoanalytiker Sigmund Freud ist der Mensch böse, weil er von seinem Sexual- und Aggressionstrieb gesteuert ist. Da dieser meist im Unbewussten wirkt, entzieht er sich immer wieder der rationalen Kontrolle. Deshalb gibt es auch keine Grenze für die menschliche Destruktivität. Das radikal Böse entlädt sich in Gewaltexzessen und Völkermorden.

Obrigkeit zerstört Menschlichkeit
Ein schreckliches Beispiel aus der Geschichte ist der Holocaust. Einer seiner Organisatoren, Adolph Eichmann, der von seinem Schreibtisch aus Millionen von Menschen in den Tod schickte. Für die jüdische Philosophin Hannah Arendt verkörpert er die Banalität des Bösen. Für Arendt ist Eichmann kein Dämon, sondern ein Mitläufer, der keine eigene Urteilskraft besitzt. Er ist ein Produkt des Totalitarismus. Denn in der totalen Unterwerfung gegenüber der Obrigkeit existieren Begriffe wie Gut und Böse nicht mehr. Indem der Mensch nur tut, was das Gesetz von ihm verlangt, ist er seiner Menschlichkeit beraubt und somit verantwortungslos.

Wie gewöhnliche Menschen unter Einfluss von Autorität zu Folterknechten werden, bewies ein Experiment des Psychologen Stanley Milgram. Die Testpersonen fungierten darin als Lehrer. Sie sollten einem Schüler, der angeblich im Nebenraum sitzt, Aufgaben stellen. Wenn seine Antworten falsch waren, durfte die Testpersonen ihn mit Schlagstößen bestrafen. Die Probanden wussten nicht, dass die Antworten und Schreie vom Band kamen. Nur 35 Prozent der Probanden brachen das grausame Experiment ab. Das Ergebnis schockierte die gesamte Welt. Das Böse ist also in uns selbst und in anderen. Wenn es in uns allen ist, kann es überhaupt ein Leben jenseits von Gut und Böse geben?

Sendedaten
scobel
donnerstags, um 21 Uhr, in 3sat
Sendung zum Thema
© reutersDas Böse - Über die Abgründe des Menschen