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Häuserreihe Lupe
Das Licht bestimmt unseren Tagesablauf
Gegen die innere Uhr
Sozialer Jetlag nimmt immer weiter zu
Der biologische Taktgeber des Menschen ist die innere Uhr. Bei den meisten Menschen weicht sie jedoch vom physikalischen 24-Stunden-Tag ab. Sie muss deshalb mit den äußeren Tageszeiten immer wieder synchronisiert werden. Der wichtigste natürliche Zeitgeber ist das Sonnenlicht.
Die Schaltzentrale für diese Angleichung an Tag und Nacht ist der suprachiasmatische Nucleus im Gehirn. Er sitzt über der Kreuzung der Sehnerven. Signale von den Licht-Sinneszellen im Auge werden dort verarbeitet und an die Zirbeldrüse weitergeleitet. Das Zusammenspiel dieser beiden Organe beeinflusst Körpertemperatur, Kreislauf, Schmerz-empfinden und zahlreiche Stoffwechselvorgänge.

Wer zu wenig schläft, lebt ungesund
Wie sich die innere Uhr in den Wechsel von Tag und Nacht einfügt, ist genetisch bedingt. Es gibt Lerchen und Eulen, also Frühaufsteher und Spätaufsteher und davon unabhängig Kurzschläfer und Langschläfer. Schlafforscher Jürgen Zulley sagt: "Langschläfer werden oft gleichgesetzt mit Spätaufstehern, die wiederum nichts leisten. Das ist Unsinn und eine sehr verbreitete, negative Sicht des Schlafes. Wer schläft, der leistet nichts, deshalb sollten wir am besten so wenig oder so kurz wie möglich schlafen. Grundsätzlich leisten Spätaufsteher genauso viel wie Frühaufsteher und Langschläfer genauso viel wie Kurzschläfer. Manche Menschen geben damit an, mit wie wenig Schlaf sie auskommen, und halten sich für besonders leistungsfähig. Auch das ist Unsinn. Letztlich geben sie nur damit an, wie ungesund sie leben."

Die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit verträgt der Mensch gut, weil er eine Stunde länger schlafen kann. Beim Vorstellen der Uhren auf Sommerzeit dagegen geht eine Stunde verloren. Das bringt den biologischen Rhythmus bei vielen Menschen aus dem Takt. Außerdem leben heute bereits 20 Prozent der Berufstätigen gegen den Rhythmus ihrer inneren Uhr. Sie arbeiten zu Zeiten, zu denen ihr Körper auf Ruhe programmiert ist, und schlafen, wenn ihr Körper aktiv sein will. Die Diskrepanz zwischen innerer Uhr und Außenzeit wird als sozialer Jetlag bezeichnet.

Schule beginnt zu früh
Das Symbol einer unausgeschlafenen Gesellschaft ist der Wecker. Millionen Menschen brauchen ihn, weil ihre innere Uhr eigentlich noch auf Schlaf eingestellt ist. Schon unsere Kinder leiden darunter. Denn wenn um acht Uhr morgens die Schule beginnt, sind sie so leistungsfähig wie um Mitternacht. Studien belegen, dass ein Großteil der Schüler unter chronischem Schlafmangel leidet. Mit früherem Zubettgehen ist dieses Problem nicht lösbar, denn auch bei Kindern lässt sich die innere Uhr nicht ohne weiteres umstellen.

"Es wäre sinnvoll, die Schule später beginnen zu lassen. Da die Leistungskurve relativ rasch ansteigt, wäre halbneun gut, neun Uhr aber noch besser. Kleinere Kinder können am frühen Morgen schon herumtoben und verkraften einen früheren Schulbeginn besser. Doch mit im Alter von etwa 12 Jahren stellt sich das um. Für die Kinder und Jugendlichen wird es dann immer schwerer früh aufzustehen und zur Schule zu gehen", sagt Zulley.

Schicht- und Nachtarbeit macht krank
Schicht- und Nachtarbeit sind in der globalisierten Gesellschaft zum wirtschaftlichen Zwang geworden. Wenn die innere Uhr des Menschen aber dauerhaft nicht mit den sozial bestimmten Verhalten übereinstimmt, leidet sein Körper unter Stress. Die Folgen für Gesundheit und Leistungsfähigkeit sind gravierend. "95 Prozent der Nachtarbeiter haben Schlafstörungen. 80 Prozent haben Magen-Darm-Probleme. Die Konsequenz des Nichtbeachtens biologischer Rhythmen, äußert sich in Krankheiten, aber auch darin, dass die Betreffenden zu dieser Zeit nicht so leistungsfähig sind und Fehler machen", so der Schlafforscher.

Fehler mit katastrophalen Folgen treten besonders häufig bei Nacht auf. Der Atomreaktor von Tschernobyl explodierte nachts. Das diensthabende Personal war nachweislich übermüdet. Die Havarie des Öltankers "Exxon Valdez" geschah ebenfalls nachts. Inzwischen geht man bei jedem zweiten Industrieunfall von Übermüdung aus und spricht dann von "menschlichem Versagen". Auf den Straßen verursachen übermüdungsbedingte Unfälle allein in Deutschland jährlich Schäden von über zehn Milliarden Euro.

Psychische und physische Belastungen
Auch wird die falsche Taktung unseres Lebens inzwischen für viele Zivilisationskrankheiten verantwortlich gemacht. Internationale Untersuchungen bei Flugpersonal und Krankhausmitarbeitern haben ein signifikant erhöhtes Krebsrisiko festgestellt. Da Schichtarbeiter auch zu falschen Zeiten essen, leiden sie oft an Stoffwechselstörungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen. Auch psychische Erkrankungen von Depression bis zum Burnout können zeitbedingt sein. Ein eindeutiger Nachweis ist jedoch schwierig.

Dass die Taktung unserer Arbeitswelt immer größere psychische Belastungen produziert, liegt auch an den neuen Kommunikationstechnologien. Heute ist schon ein Drittel aller Arbeitnehmer jederzeit für seinen Chef erreichbar. Diese Dauerverfügbarkeit macht krank. Leider wird die allgemeine Regel, dass derjenige, der keinen Bereitschaftsdienst hat, auch nicht erreichbar sein muss, immer weniger beachtet.

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