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Wissenschaft am Donnerstag
Um 20.15 Uhr sehen Sie die Dokumentation:
Musik ist wertvoll!
Auch ohne Belege durch Studien und Forschungen
"Unserem Konzept schulischer Bildung liegt die Idee zugrunde, dass im Unterricht Wissen vermittelt wird, welches sich auch in neuen Situationen auf verwandte Probleme anwenden lässt. Wer zum Beispiel Bruchrechnen gelernt hat, von dem wird erwartet, dass er dieses mathematische Wissen auch auf Anwendungsbereiche übertragen kann, mit denen er in der Lernsituation nicht konfrontiert wurde." Mit diesen Sätzen leitet das Bundesministerium für Bildung und Forschung seine 2006 herausgegebene Schrift "Macht Mozart schlau? Die Förderung kognitiver Kompetenzen durch Musik" ein.
Die große Frage war und ist, welche Transferleistungen von Musik zu erwarten sind. Einem in Sachen PISA stiefmütterlich behandelten Fach, das zudem an Deutschen Schulen häufig dem Lehrermangel zum Opfer fällt - indem es einfach ausfällt.

Herausragendes Kulturgut
Was einen an der Fragestellung, unabhängig von den wissenschaftlichen Ergebnissen, zunächst ärgern kann, ist die Haltung, die Musik nur indirekt aufwertet. Musik ist wertvoll, weil sie bei etwas hilft. Musik hilft, weil sie das Gehirn verändert, so lautet, stark verkürzt, die Argumentationskette. Dass Musik zu den herausragenden kulturellen Hervorbringungen des Menschen gehört, wird bei dieser Argumentation außer Acht gelassen. Mehr noch: Musik dient, im Alltag und in wissenschaftlichen Laboratorien, dazu, Gefühle und Einstellungen zu regulieren.

Indem wir Musik hören, können wir bestimmte Gefühle durchspielen - Trauer und Blues etwa oder auch Euphorie. Wir haben sie und wissen doch zugleich, dass wir sie aufgrund der Musik erleben, die wir hören. Tatsächlich hören wir bestimmten Kompositionen aus eben diesem Grund, weil sie einigermaßen verlässlich bestimmte Gefühle hervorrufen. Dies dürfte einer der Eigenschaften sein, die Musik evolutionsbiologisch zu einer so wichtigen Hervorbringungen des Menschen gemacht hat. Musik hilft, mit Gefühlen umzugehen. Und sie stiftet zweifellos Gemeinschaft und bindet sie zu Gruppen, ähnlich wie Religion das vermag. Doch die Frage bleibt: Wie wichtig ist Musik?

Was sagt denn die moderne Wissenschaft?
Eine der häufig diskutierten und zentralen Annahmen war die Existenz des sogenannten Mozart-Effekts. Er beschreibt verschiedene kognitive Wirkungen, die das Hören von Musik und das aktive Musizieren hat. Um noch einmal die Studie des BMBF zu zitieren: Beim Mozart-Effekt wird die Auffassung vertreten, dass "das Hören von Mozart komponierter Musik besondere Priming-Effekte in Bezug auf räumlich-visuelle Vorstellungsleistungen hervorbringt. Von Priming-Effekten ist dann die Rede, wenn die Wahrnehmung eines bestimmten Stimulus Einfluss auf die Verarbeitung nachfolgender Stimuli hat. Bei Priming-Effekten handelt es sich um kurzfristige Effekte, die nur dann auftreten, wenn die nachfolgenden Stimuli vom gleichen Typ wie der erste Stimulus sind (Priming durch Wiederholung) oder wenn sie zu ihm in einer für die wahrnehmende Person erkennbaren inhaltlichen Beziehung stehen (Priming durch Assoziation)." Kurzum: Mozart hören macht auf verschiedene Weise "schlau".

Eine der interessanten Fragen ist, wie es mit dem Mozart-Effekt heute steht. Tatsächlich gibt es große Probleme, den Effekt zu reproduzieren. Inzwischen gilt er als Mythos. Dennoch bleibt die Frage, was man über die Wirkung von Musik wissenschaftlich, insbesondere neurowissenschaftlich, sagen kann. Wie nehmen wir Musik war? Verstehen wir sie wie Sprache? Und wie verändert sie uns? Diesen Fragen geht die Sendung nach. Wobei ich, nicht zuletzt aus eigener Erfahrung, Wert darauf lege, dass Musik wesentlich zu uns und unserer Kultur gehört, gleich ob sie das Prüfsiegel neurowissenschaftlicher Forschung erhält oder nicht. Denn, dass das Hören und "Machen" von Musik heilsame Effekte hat, ist unbestritten. Eine Erfahrung, die jeder, der regelmäßig Umgang mit Musik hat, bestätigen wird.

Sendedaten
scobel
donnerstags, um 21 Uhr, in 3sat
Sendung zum Thema
© colourboxWie Klänge unser Verhalten beeinflussen
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