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Wissenschaft am Donnerstag
Um 20.15 Uhr sehen Sie die Dokumentation:
© mev Lupe
Kommunikationsabläufe sind komplex, weil sie auf den Kontext, Mimik, Gestik, das gesprochene Wort und die Beziehung zum Gegenüber zurückgreifen.
Vielschichtige Verständigung
Aus welchen Komponenten Kommunikation besteht
Kommunikation könnte so einfach sein, wenn sie so funktionieren würde wie im mathematisch-technischen Modell von Claude Shannon und Warren Weaver aus dem Jahr 1948, das als Grundlage vieler nachfolgender Informationstheorien diente. Shannon und Weaver haben Information mathematisch-physikalisch definiert und Informationsübertragung quantitativ messbar gemacht.
Ihr Modell sieht einen Sender vor, der Signale über einen Kanal an einen Empfänger sendet. Im Idealfall funktioniert das störungsfrei. Wichtig ist, dass die reine Information ankommt - egal, ob von Bedeutung oder sinnlos. Bei zwischenmenschlicher Kommunikation spielt die Bedeutung des Gesagten eine zentrale Rolle: Es gibt einen Austausch zwischen Sender und Empfänger. Kommunikation ist ein selektiver Prozess, in dem Informationen Bedeutung und Sinn zugeordnet werden. Derartige Kommunikationsabläufe sind komplex, weil sie auf den Kontext, Mimik, Gestik, das gesprochene Wort und die Beziehung zum Gegenüber zurückgreifen.

Wirklichkeit ist gedeutet und nicht einfach da
Gesprächspartner konstruieren wechselseitig ihre kommunikative Wirklichkeit. Denn Wirklichkeit ist gedeutet und nicht einfach da. Das ist einer der Grundsätze der Kommunikation, die der Psychotherapeut Paul Watzlawick entwickelt hat. Misslingt es, über die Kommunikation selbst zu reden, verläuft der Informationsaustausch unbefriedigend. Kommunikation kann sich in verschiedene Richtungen entwickeln.

Der Psychologe Friedemann Schulz von Thun hat Watzlawicks Ansatz daher erweitert. Zentral ist, dass Gesprächsabläufe nicht vorhersagbar sind. So kann eine Äußerung beispielsweise unter sachlichen oder appellativen Aspekten gedeutet werden. Sie kann auch die Selbstkundgabe des Sprechers oder die Beziehungsseite transportieren. In der Systemtheorie des Soziologen Niklas Luhmann besteht Kommunikation aus den Komponenten Information, Mitteilung und Verstehen. Information ist das, was eine Unterscheidung möglich macht. Erst wenn sich aus dem Rauschen einer unverständlichen Datenflut Konturen entwickeln und Unterschiede wahrnehmen lassen, entsteht eine sinnhafte Information. Diese kann dann mitgeteilt und verstanden werden.

Komplexität wird reduziert durch eine Auswahl
In einem sozialen System gibt es eine Vielzahl von Gedanken und Wahrnehmungen. Informationen helfen, diese Komplexität zu reduzieren und zu ordnen. Ein Spaziergang am Strand lässt den Gedanken freien Raum. Kommunikation reduziert diese Weite. Aus der Fülle des Denkbaren werden bestimmte Informationen ausgewählt und diese sind dann mitteilbar - wie zum Beispiel die Äußerungen über einen Sonnenuntergang am Strand. In sozialen Systemen folgt eine Äußerung auf die nächste. Information, Mitteilung und Verstehen wechseln einander ab - und ermöglichen neue Anschlüsse und weitere Kommunikation. Daher strukturiert sich Kommunikation ständig selbst - und entwickelt sich auch selbstständig weiter.

Der systemtheoretische Blick auf die Gesellschaft hat Konsequenzen. Nicht Menschen stehen im Mittelpunkt, sondern die Strukturen ihrer sozialen Systeme. Beispielsweise liefern Massenmedien Themen an. Organisationen kommunizieren auf ihre Art. Auch große Systeme wie Wirtschaft, Recht oder Politik entwickeln ihre jeweils eigenen Kommunikationsstrukturen. Bis hinein in kleine Intimsysteme bleibt der Austausch von Informationen der besonderen Dynamik des jeweiligen Systems unterworfen.

Sendedaten
scobel
donnerstags, um 21 Uhr, in 3sat
Sendung zum Thema
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