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Wissenschaft am Donnerstag
Um 20.15 Uhr sehen Sie die Dokumentation:
© dpa Lupe
Vertrauen in Technik
Bequem, entmündigend oder verdummend?
Das Herzstück des Kernforschungszentrums CERN bei Genf ist ein 27 Kilometer langer, ringförmiger und unterirdischer Teilchenbeschleuniger. In ihm werden Protonenpakete auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und zur Kollision gebracht. Mit Hilfe dieser gigantischen Informationsmaschine wollen Wissenschaftler erforschen, wie unsere Welt entstanden ist.
Allein am ATLAS-Detektor arbeiten mehr als 2000 Wissenschaftler aus 35 Ländern. Um unter den Wissenschaftlern weltweit einen schnellen Informationsaustausch zu ermöglichen, wurde vor 20 Jahren im CERN das Internet entwickelt. Der nächste Schritt in diese Richtung ist das GRID, ein System für global verteiltes Rechnen. Es verbindet mehr als 100.000 Computer auf der ganzen Welt zu einem gigantischen Großrechner. Nur so lässt sich die immense Datenflut der Experimente auswerten und das Fachwissen von Spezialisten weltweit vernetzen. Ob GRID-Technologie oder Internet-Foren - inzwischen kann man zu fast jedem Thema hochspezialisierte Informationen im Netz finden. Dabei stellt sich die Frage, ob man den Informationsquellen auch vertrauen kann.

Vernetzung von Menschen und Dingen
Der Technikphilosoph Christoph Hubig sagt: "Das Interessante ist, dass sich im Zuge dieser Universalisierung schon wieder so etwas wie eine Gegenkultur herausbildet. Weil es für jedes Thema irgendwo ein Forum gibt, in dem sich irgendwelche Leute engagieren, gibt es in der Gegenbewegung so etwas wie eine Biedermeierkultur. Das heisst, dass ich bei spezifischen Fragen nicht ins Netz gehe, sondern einen Kollegen anrufe, dem ich vertraue und von dem ich weiss, dass er sich in diesem Bereich auskennt. Der Kollege oder die Kollegin gibt mir dann Tipps, auf welcher Homepage ich mich bewegen soll."

Informationstechnologie vernetzt nicht nur Menschen, sondern auch Dinge. Der Begriff "ubiquitous computing" beschreibt die Allgegenwart des Computers in den Gegenständen unserer Umwelt. Indem es smart wird, kann sich beispielsweise das intelligente Auto selbstständig durch eine Stadt bewegen. Lasersensoren tasten die Umgebung ab und der Computer verrechnet die Daten mit einem GPS-System. Das Auto bezieht selbstständig Informationen aus der Umgebung und registriert beispielsweise, ob ein Hindernis beweglich oder unbeweglich ist. Die Arbeit der Maschine nimmt dem Menschen Informationsverarbeitung ab. Das soll dabei helfen, Unfälle zu vermeiden.

Intelligente Geräte sollen uns entlasten
"Im Idealfall soll unsere Handlungsumgebung Heinzelmännchencharakter gewinnen. Sie soll assistieren, soll uns entlasten und stellvertretend für uns agieren, indem sie möglichst das tut, von dem sie unterstellt, dass wir es gerne tun würden. Das ist der sogenannte Rare-Kontext, also der Kontext, der das Offensichtliche tut. Die Frage, die sich da sofort stellt, ist, wie der Kontext wissen kann, was er tun soll", so Hubig weiter.

Man spricht dabei auch von Erwartungserwartung. Der intelligente Kühlschrank erwartet zum Beispiel, dass sein Nutzer wissen will, ob noch genügend Lebensmittel vorhanden sind. Dazu muss er entweder programmiert werden oder er analysiert selbstständig das Kaufverhalten seines Besitzers. Der intelligente Supermarkt funktioniert wie ein vergrößerter Kühlschrank. Denkbar wäre, dass er das Kaufverhalten und die Bonität des Kunden über dessen Kreditkarte ermittelt und so für ihn ganz individuelle Angebote kreiert.

Wenn die Systeme versagen
"Es könnte dann sogar hinzukommen, dass ein weiterer Faktor bei der Festlegung des Preises, den ihnen die Ware signalisiert, ihre Zahlungsbereitschaft ist, die sie bisher immer ausgewiesen haben. Wenn sie vor dem Regal stehen, werden möglicherweise andere Preise angezeigt, als bei einem anderen Kunden. Das wäre ein Beispiel für eine jetzt ins Utopische gesteigerte Vernetzbarkeit informierter Dinge, mit denen Sie interagieren“, so der Technikphilosoph.

Ob im Haus, in der Fabrik oder im Büro - überall begleiten uns in Zukunft informierte Dinge. Dahinter steckt Bequemlichkeit und die Idee, Ressourcen zu sparen und durch Effektivität und Effizienz Zeit zu gewinnen. Das intelligente Haus der Zukunft kennt seine Bewohner jeden Tag. Es konstruiert fortlaufend ein Nutzerstereotyp und gibt ihm persönliche Informationen. "Ein Nachteil besteht in der Gefahr der Abhängigkeit von Routinen, auf die die Nutzer festgenagelt werden - oft ohne, dass sie das bemerken, weil sich das so schön eingespielt hat. Ein weiterer Nachteil ist, dass wir Kompetenzen verlieren, uns zu orientieren, zu wählen oder abzuwägen. Das wird deutlich, wenn die Systeme versagen", so Hubig. Werden wir ältere Kulturtechniken, wie das Karten lesen, verlernen? Macht uns die technische Informationsverarbeitung auf Dauer dümmer?

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donnerstags, um 21 Uhr, in 3sat
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