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Wissenschaft am Donnerstag
Um 20.15 Uhr sehen Sie die Dokumentation:
Kleine Menge, große Wirkung
Aktuelle Therapieerfolge zeigen: Es ist Zeit für eine Neubewertung psychogener Substanzen
Diejenigen, die "auf die Reise gehen" machen Erfahrungen mit sich, mit ihrer Weise, die Welt wahrzunehmen und damit auch, die Welt selbst anders zu sehen. Unser Alltagsbewusstsein scheint lediglich eine Variante von Bewusstseinsmöglichkeiten zu sein. Halluzinogene Erfahrungen, die im Zusammenhang mit religiösen Ritualen stehen, erlauben eine neue Sicht auf diese Zusammenhänge, die zweifelsohne ihre biologischen und physiologischen Grundlagen haben, aber eben auch kulturell geprägt sind.
Es ist faszinierend, zu sehen, wie kleinste Mengen von Stoffen, die in unseren Gehirnstoffwechsel eingreifen, eine absolut reale Veränderung bzw. Verschiebung der Wirklichkeit bewirken. Wenn man Wirklichkeit versteht als das, was wirkt, dann sind die Erfahrungen, die unter dem Einfluss von psychogenen Drogen gemacht werden, zweifellos wirklich. Aldous Huxley und andere Philosophen und Wissenschaftler, wie Albert Hofmann, der Entdecker des LSD, haben in ihren Werken die Öffnung der "Pforten der Wahrnehmung" beschrieben. Sie zu erfahren, bedeutet in eine andere Dimension der Erfahrung, einen anderen Modus der Erfahrung, einzutreten, der meist in religiösen Begriffen oder mit Formulierungen der Mystik beschrieben wird.

Politik und Bewusstsein hängen zusammen
Inzwischen sind diese Erfahrungen weitgehend in den Bereich der Illegalität gerückt worden. Die Untersuchungen über bewusstseinsverändernde Stoffe scheinen besonderen moralischen, politischen und gesellschaftlichen Beschränkungen zu unterliegen. Einer der wichtigen Gründe für diese Ächtung, sind nicht nur vorkommende Horrortrips, sondern auch die ständig präsente und von vielen als subversiv verstandende Nähe von Bewusstseinserweiterung und Politik.

Wenn Politik auf einer (legalen) Beeinflussung unseres Denkens beruht, dann ist am Ende - wie der Philosoph Thomas Metzinger feststellte - jede Politik immer auch Bewusstseinspolitik. Das veränderte Bewusstsein aber, das durch psychogene Drogen aktiviert wird, scheint wenig geeignet zu sein, bestimmte Formen der Politik zu akzeptieren. Kriege zu führen und Menschen in immer brutalere Formen der Ausbeutung und modernen Sklaverei zu führen, widerspricht den Erfahrungen mit bewusstseinserweiternden Drogen.

Was hat es mit psychogenen Drogen auf sich?
Die Sendung hat das Ziel zu (er)klären, was es mit psychogenen Drogen auf sich hat, wie sie wirken - und wie sie, möglicherweise wieder positiv eingesetzt werden können. Denn auch diese Bereiche - etwa in der Palliativmedizin oder in der Behandlung bestimmter Formen von Depression - gibt es, auch wenn sie in der Diskussion um Nebenwirkungen und Abhängigkeiten meist verdrängt wird.

Die positiven Einsatzmöglichkeiten psychoaktiver Stoffe werden durch deren generelles Verbot und die Ächtung häufig an den Rand des Seriösen gedrängt. Es ist daher kaum erstaunlich, dass es weltweit nur wenige Wissenschaftler gibt, die sich aktiv mit der Erforschung von psychogenen Mitteln befassen. Ich freue mich sehr, einige dieser Wissenschaftler zu Gast im Studio zu haben und mit ihnen über ein Thema nachdenken zu können, das das Potential hat, zu einer Neu-Bewertung unseres alltäglichen Bewusstseins zu führen.

Sendedaten
scobel
donnerstags, um 21 Uhr, in 3sat
Sendung zum Thema
© colourbox"Highlung" durch Drogen?