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Wissenschaft am Donnerstag
Um 20.15 Uhr sehen Sie die Dokumentation:
© dpa Lupe
Umbau im Kopf: Teenager erfahren Rauschzustände auch ohne Drogen.
Suche nach der Wirklichkeit
Wer bin ich? Wer bist Du? Was ist real?
Pubertierende Teenager sind geisteskrank - so denken viele Eltern. Und Neurowissenschaftler bestätigen, dass im Teenagerhirn heilloses Chaos herrscht. Die neuronalen Netzwerke formieren sich neu. Teile des präfrontalen Cortex, verantwortlich für planvolles Handeln und Risikoabschätzung, scheinen wegen Umbau geschlossen. Dazu fluten Sexualhormone den Körper und vernebeln den Geist. Jugend ist eine Droge auf der Suche nach anderen Wirklichkeiten.
Aber was ist eigentlich Wirklichkeit? Nichts weiter als Hirnkino? Entspricht das Draußen der Welt in mir oder ist alles nur Wille und Vorstellung? Ist der Mond noch da, wenn ich ihn nicht sehe? Oder ist er nur eine Wellenfunktion, wie manche Physiker glauben? Die Neurowissenschaften suchen im Kopf nach der Wirklichkeit. Wer inszeniert den Film, den wir sehen? Es heißt Millionen von Sinneseindrücke fluten pro Sekunde in unser Gehirn. Doch nur 40 können gleichzeitig verarbeitet werden. Aus dem Chaos konstruiert das Gehirn dann das Muster, das wir Wirklichkeit nennen.

Es ist leicht, das Gleichgewicht zu verlieren
Der Thalamus, ein Areal im Zwischenhirn mit starken Verbindungen zur Großhirnrinde, ist der emotionale Filter. Er ist eine große Sortiermaschine, die Wichtiges und Unwichtiges trennt. Jeder Reiz wird hier mit gemachter Erfahrung verglichen. Die Welt und mit ihr die Anderen wird konstruiert, und somit abgegrenzt vom eigenen Selbst. So lebt jeder in einer eigenen Wirklichkeit. Dabei ist der subjektive Blick abhängig vom Gleichgewicht körpereigener Drogen. Sie sind antriebssteigernd, schmerzstillend, beruhigend, sexuell anregend, machen müde oder euphorisieren. Winzige Mengen von Substanzen sorgen für das Gleichgewicht der Welt.

Zu viel oder zu wenig, und die Welt gerät aus den Fugen. Wie anfällig unsere Wirklichkeit tatsächlich ist, zeigen halluzinogene Substanzen. Winzige Mengen reichen, um andere Wirklichkeiten entstehen zu lassen. Das Filtersystem wird geöffnet und das Gehirn überflutet mit inneren und äußeren Wahrnehmungsreizen. Die Grenze zwischen ICH, den ANDEREN und der WELT verschwimmt. Zeit und Raum werden entkoppelt. Perspektiven und Bedeutungen wandeln sich grundlegend. Das Ich und die Wahrnehmung sind sensible Konstruktionen und das Spiel mit der Wirklichkeit nicht ganz ungefährlich. Es zeigt aber auch, dass wir nur einen kleinen Teil des Ganzen in unserer begrenzten Wirklichkeit erleben. Diese Erkenntnis macht neugierig.

Sendedaten
scobel
donnerstags, um 21 Uhr, in 3sat
Sendung zum Thema
© colourbox"Highlung" durch Drogen?