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Wissenschaft am Donnerstag
Um 20.15 Uhr sehen Sie die Dokumentation:
© ap Lupe
Leistungsverstärkende Medikamente kommen im Alltag immer häufiger zum Einsatz.
Gehirndoping im Alltag
Ist der Einsatz von Pillen legitim?
Ob Radfahrer, die um die Wette rasen oder hochgezüchtete Boxer: In vielen Sportarten wird mit unsauberen Mitteln konkurriert. Leistungssteigernde Pillen, meinen viele Sportler, helfen das Maximum aus ihren Körpern rauszuholen. Und auch die "normale Welt" wird immer häufiger mit der Allgegenwart von Dopingmitteln konfrontiert.
Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise glauben viele, ihren Job nur noch mit kleinen Helfern zu schaffen. Hoher Termindruck, der Zwang oder Drang, besser zu sein als der Kollege, ständige Erreichbarkeit per E-Mail und Smartphone und Existenzangst verstärken das Gefühl. Schon heute haben zwei Millionen Deutsche Erfahrungen mit hirnaktivierenden Präparaten, ergab eine Forsa-Umfrage. 800.000 gesunde Arbeitnehmer schlucken laut Deutscher Angestellten Krankenkasse regelmäßig Pillen, um im Alltag besser zu bestehen.

Modeerscheinung "Brain-Enhancement"
Jeder vierte Deutsche hält es für vertretbar, seine Hirnwindungen pharmazeutisch auf Touren zu bringen. "Brain-Enhancement" ist das neue Modewort für die neuen Drogen. Dabei ist noch gar nicht vollständig erforscht, wie die Pillen genau im Gehirn wirken. Man weiß nur, dass manche in ihnen enthaltene Substanzen helfen, Signale an die Gehirnzellen besser zu übertragen und daher Informationen leichter aufzunehmen. Das Gedächtnis funktioniert besser und die Konzentrationsfähigkeit steigt. In Bezug auf die Intelligenz und die kognitive Leistung werden bislang vorhandene Potentiale lediglich ausgeschöpft.

Besonders beliebt bei gesunden Menschen ist das Medikament Vigil. Es ist zugelassen als Mittel gegen Tagesmüdigkeit und wird als Wachmacher bei Schichtarbeit und Jetlag eingesetzt. Das Amphetamin ähnliche Ritalin wird eigentlich zappeligen Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen verschrieben. Gern genommen wird es aber auch von überforderten Ärzte, die leichten Zugriff haben, und gestressten Managern. Auch für überlastete Schüler und Studenten ist es die Droge schlechthin, um ihr Gehirn auf Zack zu bringen.

Einnahmerisiken bei Gesunden sind unerforscht
Eine Unistudie von 2010 ergab, dass jeder fünfte Student vor Prüfungen Retalin nehmen würde. Weil die Pillen meist nur gegen Rezept zu haben sind, kommen sie oft vom Schwarzmarkt oder werden im Internet erworben. Dabei ist die geschluckte mentale Power nicht ohne gesundheitliches Risiko zu haben. Denn jedes Medikament hat auch seine Nebenwirkungen: Werden Müdigkeit und Erschöpfung künstlich unterdrückt, kann es zu Schlafstörungen und Angstzuständen kommen. Die Langzeitfolgen des Gehirndopings für Gesunde sind bislang weitgehend unbekannt, weil es noch keine ausreichenden Studien gibt.

Ist Hirndoping ein legitimer Weg, das Beste aus sich herauszuholen und damit eine rein persönliche Entscheidung, wie seine Befürworter meinen? Dabei stellt sich doch die ethisch-moralische Frage der Chancengleichheit. Schließlich verschafft sich jeder Konsument von Hirnverstärkern Vorteile gegenüber seinen Konkurrenten. Es beginnt ein Wettrennen, bei dem jeder verliert, der sich den neuen Hirncocktails verweigert oder kein Geld hat, sie zu bezahlen. So kann es letztlich doch zum Druck werden, die kleinen Pillen zu schlucken.

Sendedaten
scobel
donnerstags, um 21 Uhr, in 3sat
Sendung zum Thema
© dpaDrogen im Krieg