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© reuters Lupe
Mitglieder der Sekte "Weiße Bruderschaft".
Phänomen Sekte
Über die ewig Treuen und besonders Erleuchteten
Sekten sind ein vielfältiges Phänomen. Es gibt keine einheitliche oder wissenschaftlich anerkannte Definition des Begriffs. Etymologisch betrachtet, geht Sekte auf das lateinische Wort secta zurück, was soviel wie Schule oder Partei bedeutet. Das wiederum leitet sich vom lateinischen Verb sequi, "jemandem folgen" ab.
Vom eigentlichen Wortsinn her bezeichnet Sekte also erst einmal nichts Negatives. Im religiösen Sinn meint Sekte eine Gruppe von Menschen, die sich durch ihren Glauben oder ihre Lehre von der Religion der Mehrheit abgrenzen: die Sektierer. Im Prinzip bildeten auch die Anhänger von Jesus seinerzeit eine Sekte. Erst viel später ist das Christentum zu einer großen Weltreligion geworden. Jede Weltreligion ist in ihrem Grund und in ihrer Quelle eine Sekte und eine Ablösung von dem, was vorher war.

Heute bezeichnet man religiöse Gruppen als Sekte, die sich zu einer Weltanschauung bekennen, ohne deren grundlegendste Überzeugungen in allem zu teilen. Sie verstehen sich als die wahren Vertreter eines ursprünglichen Glaubens, den sie vor dem Verfall bewahren oder vollenden wollen. Die Sektenmitglieder sehen in sich die wenigen Treuen oder besonders Erleuchteten und entwickeln ein exklusives Selbstverständnis.

Aufnahme meist nur durch intensive Prüfung
Der Soziologe Max Weber unterscheidet Sekten von Kirchen anhand ihrer Rekrutierungsmechanismen. Sekten sind laut dem Soziologen Gemeinschaften, in die man auf Grund einer persönlichen Entscheidung und ausschließlich nach intensiver Prüfung aufgenommen wird. Im Gegensatz dazu sind Kirchen Organisationen, in die man hineingeboren wird. Aus soziologischer Sicht spricht man dann von einer Sekte, wenn eine Gruppierung wegen mangelnder Größe und gesellschaftlicher Akzeptanz keine ausreichende Einbindung in die Gesellschaft erfährt.

Sekten sind das Fremde, das Andersartige und Unbekannte. Die meisten Sekten entstehen durch eine charismatische Gründerpersönlichkeit. In bedingungsloser Ich-Auflösung und völliger Identifikation mit einem Guru, dem sie folgen, erleben die Sektenmitglieder eine totale Gemeinschaft. Oft wird der Begriff Sekte im negativen Sinn verwendet. Gemeint ist dann eine Religionsgemeinschaft oder eine Gruppierung, von der gewisse Gefahren ausgehen.

Immer wieder Schlagzeilen wegen radikaler Taten
Als solche Psychosekte sehen viele die umstrittene Organisation Scientology an. Viele prangern an, dass sie demokratiefeindlich sei und gegen Menschenrechte verstoße. Seelische Manipulation und Abhängigkeit sind wesentliche Merkmale von Sekten. Extremfälle stellen Sekten wie die sogenannte "Manson Family" dar, deren Mitglieder in den 1960er Jahren zahlreiche Morde begingen. Eine weitere radikale Vereinigung ist die japanische Aum-Sekte, die 1995 einen Giftanschlag auf die U-Bahn in Tokyo verübte.

Auch Fälle von Sektenmitgliedern, die sich alle gemeinsam das Leben nehmen, sorgten - nicht nur in Jonestown - mehrfach für Schlagzeilen: 1997 brachten sich in San Diego 39 Mitglieder der Heaven’s Gate-Sekte um. Ihr kollektiver Suizid war als spirituelle Reise zur Wiedergeburt verbrämt. Auch wenn sie sich in ihren Strukturen stark unterscheiden, sind Sekten eine offenkundige gesellschaftliche Realität.

Sendedaten
"scobel"
immer donnerstags um 21 Uhr in 3sat
Sendung zum Thema
© reutersSekten - Reizvolle Gemeinschaft oder Albtraum?