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Irrtum im Immunsystem
Rheuma und Multiple Sklerose: Abwehrkräfte zerstören nicht fremde Erreger, sie attackieren den eigenen Körper. Warum? Thema bei "scobel" am 2. Juni 2016.
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Wir leben in einer Essensmatrix
Wie uns die Lebensmittelkonzerne beherrschen
Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es möglich ist, dass eine Erd- oder Himbeere, fragiles Obst, das schwer zu halten ist, in einem Gläschen noch nach zwei Jahren gut genießbar ist? Und ob das, was sie genießbar macht, zwar gegessen werden kann, aber in der Folge krank machen kann? Das Zauberwort der Lebensmittelindustrie heißt Shelf Life: Haltbarkeit. Gut ist, was sich möglichst lange hält. Oder nicht?
Produkte sollen möglichst lange halten, gleich ob im Supermarkt oder zu Hause im Vorratsregal. Das Ergebnis ist eine allmähliche Veränderung unseres Essens: viel Chemie statt Natur, Farbstoffe, künstliche Aromen, Konservierungs- und antibakterielle Wirkstoffe. Nur so kann eine echte Himbeere jahrelang im Gläschen "künstlich am Leben“ erhalten werden, ehe wir sie essen.

Diese Kunstwelt der Lebensmittelkonzerne entsteht durch enge Zusammenarbeit zwischen Chemie- und Pharmakonzernen, von der Industrie gesponserten Ernährungsberatern (samt vieler fragwürdiger Studien) und der Politik. Wir haben diesen Verblendungszusammenhang, wie man in der Philosophie sagen würden, die Essensmatrix genannt. Wir meinen damit eine Scheinwelt, die, wie in dem Kultfilm "Matrix“, die eigentliche Welt ersetzt hat. In der Matrix ist Natur ersetzt durch Naturillusion. Lebensmittel stammen heute überwiegend aus Fabriken. Die Naturillusion aber wird verbreitet, weil Staat und Industrie, Industrie und Werbung, Werbung und Medizin teilweise bis zur Unkenntlichkeit miteinander verwoben sind. Gesetze helfen dabei, wie sich zeigt, nur sehr begrenzt.

Es reicht, ein wenig marxistisch zu denken
Vielleicht werden Sie einwenden, dass sei doch letztlich alles ein wenig aufgebauscht und übertrieben. An den Lebensmittelskandalen kommt man zwar nicht vorbei, aber soll man daraus gleich eine Verschwörungstheorie ableiten? Eigentlich nicht. Es reicht, ein wenig marxistisch zu denken, was die Lebensmittelkonzerne überraschend gut beherrschen: Marx hatte darauf aufmerksam gemacht, dass Produkte auf unsere Lebensform zurückwirken. Sie beeinflussen nicht nur die Art und Weise, wie wir konsumieren, sondern auch, welche Produkte wir auf welche Weise herstellen wollen. So wie Produkte den Konsum anstacheln, wirkt sich dieser Konsum wiederum auf die Produkte aus.

Eine Paradebeispiel sind Vitaminzugaben. Sie suggerieren, dass wir beim Essen gute Medizin zu uns nehmen. Tatsächlich besteht, bis auf wenige Ausnahmen, kein Grund anzunehmen, dass wir an Vitaminen unterversorgt sind - solange wir, und das ist die entscheidende Einschränkung, "natürlich" essen und auf Industrieprodukte verzichten, denn denen fehlt häufig, was die Naturprodukte enthalten. Und hier schließt sich der Kreis: Ein künstlich entstandener Mangel wird entsprechend auch künstlich wieder ausgeglichen. Ist das nun böswillige Propaganda?

Wo kein Verlangen ist, wird welches geschaffen
Keineswegs wie Hans-Ulrich Grimm, Essensexperte und Sachbuchautor, in seinem gerade erschienenen Buch "Vom Verzehr wird abgeraten" zeigt. Er zitiert darin aus einem internen Schreiben des Schweizer Roche Konzerns, der schon in den 1930er Jahren festgestellt hatte, dass kein großes Verkaufspotential für Vitaminprodukte da ist:
"Der harmlose Mensch, insbesondere die Hausfrau, verlangt nicht danach. Weder Zunge noch Auge wird durch Vitamingehalt zum Kauf gereizt.“

Aber Marx hat dem Konzern die Richtung gewiesen. Wenn kein Verlangen da ist, kann man ja welches schaffen. Roche formuliert das so:
"Die Aufgabe lautet also: durch Propaganda, die sich an den Intellekt richtet und via Intellekt den Selbsterhaltungstrieb als Agens einspannt, überhaupt erst das Bedürfnis zu schaffen."
Heute leben wir in einer Essensmatrix: einem Komplex aus Industrieinteressen, Wirtschaft und Politik, Wissenschaft und Werbung, in dem es in erster Linie um Geld und nicht um Wahrheit und Gesundheit geht. Die Essensmatrix zu durchschauen fällt schwer. Aber es ist möglich und notwendig!

Sendedaten
"scobel"
immer donnerstags um 21 Uhr in 3sat
Sendung zum Thema
© mevEssen - getäuscht und abgespeist?
Verlosung
© droemerVom Verzehr wird abgeraten
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