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Wissenschaft am Donnerstag
Um 20.15 Uhr sehen Sie die Dokumentation:
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Schüler üben in sich hineinzuhorchen, zu entspannen und auch anderen gegenüber achtsamer zu sein.
Achtsamkeit im Alltag
"Psychogedöns" wird immer wichtiger
In einer Gesellschaft, die von Leistungsdruck, Konkurrenzkampf und Profitdenken bestimmt ist, scheint Empathie nicht besonders gefragt. Dennoch gibt es Gesellschaftsbereiche, in denen die Bedeutung von Empathie erkannt, sie gelehrt und gelernt wird.
Studien belegen, dass Schüler aufmerksamer sind und sich emotional besser regulieren können, wenn im Unterricht Stille und Meditation eine Rolle spielen. Sind Körper, Geist und Gefühl im Einklang, lernt es sich auch leichter. Denn sich selbst besser wahrzunehmen bewirkt, dass die Schüler sich auch besser in ihr Gegenüber einfühlen und die Perspektive des Anderen einnehmen können. Ihre Empathiefähigkeit wird dabei zunehmend geschult.

Freundlicheres Klima, mehr Wertschätzung
An der Elisabethenschule in Frankfurt am Main machen Schüler der 6. Klasse dreimal in der Woche Körperübungen, um ihre Gefühle besser wahrzunehmen. Mit Hilfe der Achtsamkeitsmeditation erlernen sie, ihre Emotionen zu verstehen, sie zu steuern und ihre innere Anspannung zu lösen. "Die Schüler können sich besser auf ihre Aufgaben konzentrieren, wenn sie ihre Emotionen regulieren können. Sie erkennen, dass sie sich manchmal selbst die Hölle heiß machen und lernen, sich nicht in solche Gedankenspiralen hineinzusteigern", sagt die Pädagogin und Achtsamkeitstrainerin Vera Kaltwasser. "Es ist spürbar, dass das Klima freundlicher und wertschätzender ist. Indem die Schüler Zeit haben, sich mit sich selbst zu beschäftigen, bekommen sie auch ein Gespür für den Anderen."

Bei den Arbeitgebern früher als Psychogedöns belächelt und abgetan, avancieren Empathie und Emotionen auch zunehmend in der Arbeitswelt zum zentralen Führungsinstrument: "Unternehmen verlangen heute wesentlich mehr von ihren Mitarbeitern als früher. Sie wollen nicht mehr nur sachliche Leistung, sondern die gesamte Person mit allen ihren Kompetenzen wie Innovationsfähigkeit, Kreativität und totalem Commitment. Wenn Unternehmen oder Vorgesetzte in der Lage sind, empathisch auf ihre Mitarbeiter einzugehen, können sie, im positiven Sinne, auf wichtige Ressourcen zurückgreifen", sagt der Arbeitssoziologe Günter Voss.

Erfolg und soziale Kompetenz hängen zusammen
Lupe
Emotionscoachings sollen Unternehmen erfolgreicher machen.
Wie erfolgreich ein Unternehmen ist, hängt also oft von der sozialen Kompetenz seiner Führungskräfte ab. Mitarbeiter sind durch Empathie zu mehr Engagement, Verantwortungsbewusstsein und Eigenständigkeit bereit. Ein sozial kompetenter Vorgesetzter sorgt für ein gutes Betriebsklima. Mit Hilfe von Emotionscoachings können Mitarbeiter eine erhöhte Sensibilität für die Gefühle der Mitmenschen entwickeln. Gerade in der Arbeitswelt, wo die meisten Menschen täglich den Großteil ihrer Zeit verbringen, ist es wichtig, die Anliegen und Haltungen der Kollegen zu verstehen und selbst verstanden zu werden. Dies steigert das Wohlbefinden und die Zufriedenheit.

Die Fähigkeit, sich in andere hinein zu versetzen, verbessert nicht nur die Kommunikation, sondern ist auch für die Teamarbeit unentbehrlich. "Teamarbeit ist ein sozialer Prozess und ein sozialer Prozess funktioniert nicht, ohne dass man sich emotional aufeinander einstellt. Dies ist höchst bedeutsam dafür, dass kooperiert werden kann. Teams ohne eine emotionale Übereinstimmung können nicht substantiell und effektiv arbeiten", so Günter Voss. Emotionen sind das wichtigste Bindeglied zwischen Menschen, auch in der Arbeitswelt. Empathie ist darüber hinaus eine wichtige Voraussetzung für einen respektvollen Umgang miteinander.

Sendedaten
scobel
donnerstags, um 21 Uhr, in 3sat
Sendung zum Thema
© dpaEwige Gefühle? Wie Emotionen unser Zusammenleben beeinflussen
Buchtipp
"Achtsamkeit in der Schule"
Vera Kaltwasser
Beltz 2008
ISBN-13: 978-3407626318
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