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Nächste scobel-Sendung
Verantwortung
als Prinzip
Verantwortung zeigt sich in den Handlungen einzelner Menschen, aber auch in der Anlage von Institutionen und Gesellschaften. scobel-Thema am 11. August.
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© dpa Lupe
Menschenunwürdige Bedingungen: Kinder suchen nach Aluminium, Kupfer oder Eisen auf der Müllhalde von Agbogbloshie/Accra. (Uniceffoto 2011)
Afrikas giftigste Müllhalde
Der Handel mit Elektroschrott in Ghana
Agbogbloshie ist ein Slum am Rande der Hauptstadt Accra in Ghana. Noch vor 15 Jahren war dort eine grüne Lagune. Heute leben die Menschen dort auf einer meterhohen Lage Elektro- und Plastikschrott. Messungen haben ergeben, dass die Schadstoffbelastung in Luft und Boden die zulässigen Grenzwerte um das 50-fache überschreitet. Es ist das andere Ende unserer Sucht nach modernster Elektronik.
50 Millionen Tonnen Elektroschrott entstehen jedes Jahr weltweit. Zwei Drittel davon wird in Entwicklungsländer exportiert. Täglich kommen Container aus aller Welt in Ghanas Tiefseehafen Tema an. Sie sind voll mit Computern, Fernsehern oder Kühlschränken, die als gebrauchsfähige Secondhandware deklariert sind. Ein großer Teil davon ist jedoch Schrott, der exportiert wurde, um die teure Entsorgung im Ursprungsland zu umgehen.

Tausende Ghanaer, darunter viele Kinder, schlachten die alten Geräte aus. Sie durchsuchen die giftigste Müllhalde Afrikas nach Resten und leben von dem Geld, was sie für die Rohstoffe bekommen. Das Aluminium eines Monitorrahmens ist nur ein paar Cent wert, das Kupfer der Kabel, herausgelöst in giftigen Feuern bringt etwa 50 Cent. Für einen halben Beutel Eisen bekommen die Kinder knapp einen Euro. In Ghana ist Schulpflicht, doch nur wenige der Kinder gehen zur Schule. Keines von ihnen hat selbst einen Fernseher zuhause, geschweige denn einen Computer. Eltern und Kindern bleibt jedoch oft keine Wahl, denn sie brauchen das Geld dringend zum Leben.

Deutschland hat Anteil an der Misere
Ein Großteil des Elektroschrotts stammt aus Deutschland. Dabei hat Deutschland die Basel-Konvention unterzeichnet, die den Export von gefährlichem Abfall verbietet. Elektroschrott ist gefährlicher Abfall, der Deutschland nicht verlassen sollte. Mike Anane ist Journalist und Umweltschützer. Er sagt: "Jeden Tag, an dem ich am Hafen bin, sehe ich Container voller Dreck, Elektroschrott und Müll, die aus den Industriestaaten kommen. Die sollten in den Staaten Europas recycelt oder entsorgt werden, aus denen sie kommen. Aber stattdessen, werden sie auf Schiffe verladen und kommen nach Ghana."

In Accra kosten gebrauchte Fernseher zwischen 30 und 50 Euro. Thomas handelt mit solchen Geräten. Er hat einen deutschen Pass und importiert Ware von Großhändlern aus Deutschland. Er kauft containerweise ein, knapp 1000 Fernseher pro Lieferung, und sagt: "Es gibt viele arme Leute hier in Ghana, die wollen auch fernsehen. Für die holen wir die Schrottware von Europa nach Afrika." Wie viele Apparate funktionieren, weiß er vorher nie. Meist muss er über 80 Prozent wegschmeißen.

Ein kaum zu durchbrechender Teufelskreis
Und so kommen jeden Tag Männer mit Karren, um den Händlern für ein paar Cent die unverkäuflichen Geräte abzunehmen und nach Agbogbloshie zu transportieren. Durch das ehemalige Marktviertel zieht inzwischen überall schwarzer Qualm. Und jeden Tag müssen Kinder dort arbeiten, Metall sammeln und zu den Händlern bringen. Die verkaufen wiederum alles an Großhändler, die die Rohstoffe zurück in die Industriestaaten exportieren.

Kupfer und Aluminium sind begehrte Industrierohstoffe. Solange die Weltmarktpreise hoch bleiben und der Elektroschrott einfach exportiert werden kann, wird sich nichts ändern. Doch auch wenn das Geschäft eines Tages unterbunden wird, bedeutet das nicht unbedingt eine Verbesserung für die Betroffenen. Im Gegenteil: Vermutlich werden diese Menschen arbeitslos und noch ärmer. Denn es fehlt eine Alternative zu ihrem giftigen Arbeitsplatz.

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immer donnerstags um 21 Uhr in 3sat
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© dpaAbfall - Wohin mit dem Müll?