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Quo vadis Bundeswehr?
Wie sieht das Militär der Zukunft aus? Thema bei scobel Thema am 9. Juni 2016.
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© ap
Bei größeren Veränderungen im Erbgut können Forscher über die Auswirkungen nur spekulieren.
Drohende Gefahren der synthetischen Biologie
Risikoeinschätzungen sind kaum möglich
Wissen wir genau wie Leben funktioniert, um es nachzubauen zu können? Es erscheint unwahrscheinlich, dass die herkömmlichen Risikoprognosen noch greifen, wenn man die Grenze zwischen Leben und Technik auflöst.
Die Mikrobiologin Magret Engelhard von der europäischen Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen hält die synthetische Biologie für einen Sonderfall: "Die synthetische Biologie unterscheidet sich von der Dampfmaschine in dem wesentlichen Punkt, dass man eben nicht mit einer Maschine arbeitet, sondern mit lebenden Organismen, die ihr Eigenleben entwickeln können.Deshalb kann man zwar planen, wie diese Maschine funktionieren soll, aber wie sich ihr Eigenleben entwickelt, entzieht sich der Planung."

Die konsequente und radikale Fortentwicklung der Chemie ist die synthetische Biologie. Die Gentechnik war nur ein Zwischenschritt. Nun lautet das Motto "Von der Manipulation zur Kreation“. Bislang gab es in der herkömmlichen Gentechnik zumindest natürliche Referenzorganismen, die eine ungefähre Abschätzung auf die Wirkung der Manipulation zulassen. Bei künstlich geschaffenem Leben gibt es noch nicht einmal das. Spontanmutationen kann niemand ausschließen.

Risikokontrolle ist nur eine Illusion
"In der Gentechnik habe ich klassischer Weise ein oder zwei Gene, die ich von einem Organismus in den anderen Organismus hinein transferiere. Ich kenne das Verhalten der Organismen und kann eine Prognose machen. Diese Prognose wird immer schwerer, je komplexer das System wird. Wenn ich statt zwei Genen 20 Gene transferiere, von denen ich mir auch zum Teil Sequenzen ausgedacht habe, habe ich überhaupt keine natürlichen Vorbilder mehr und komme ins Spekulieren,“ so Magret Engelhard.

Die Unfälle und Katastrophen des wissenschaftlich-technischen Zeitalters zeigen, dass Risikokontrolle nur eine Illusion bleibt. Die wissenschaftliche Revolution hat uns nicht nur ein tieferes Verständnis der Natur gelehrt und Hoffnung auf ihre Beherrschung gezeugt, sondern auch gleichsam neue Bedrohungen geschaffen. Glaubt man Entwicklern der synthetischen Biologie, besteht keine Gefahr. Man redet ganz im ingenieurstechnischen Sinne von der Installation einer genetischen Firewall. Genom und Stoffwechsel sollen so konstruiert werden, dass sie nicht mit dem natürlichen Leben interagieren können. "Ich bezweifle, dass man am Ende wirklich einen Organismus schafft, der überhaupt nicht mehr mit der Natur in Austausch tritt. Denn selbst wenn dieser Organismus in einer Art Parallelwelt neben der natürlichen Umwelt lebt, wird es eine Konkurrenz um die natürlichen Ressourcen geben“, so Engelhard.

Das größte Risiko liegt im Unwissen
Bereits in den 1970er Jahren wurden in den Labors der Supermächte ganz ohne Gentechnik vorhandene Erreger gezüchtet, die einen Großteil der Menschheit auslöschen könnten. Heute ist es ein wichtiges Ziel der synthetischen Biologie, die Herstellungsprozesse so zu vereinfachen, dass neue industrielle Anwendungen entstehen können. Doch der übliche Sicherheitskurs von einem halben Tag reicht nicht aus, um sich klar zu machen, wie gefährlich Organismen für die Umwelt sein können.

Die Chancen und Gefahren der synthetischen Biologie sind bislang nur reine Science Fiction. Niemand kann wirklich prognostizieren, wohin die Entwicklung führt. Doch das größte Risiko liegt im Unwissen. Unlängst erklärte ein Molekularbiologe: "Wir stehen vor der Konstruktion des Lebens wie ein dreijähriges Kind vor einem Baukasten, ohne die Bedienungsanleitung zu kennen.“

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