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© dpa Lupe
"Erlöse uns von dem Bösen"
Ein Film über Missbrauch in der katholischen Kirche
In dem Dokumentarfilm "Erlöse uns von dem Bösen" beschreibt die Regisseurin Amy Berg den Fall Oliver O’Grady, einen notorischen Pädophilen in der Geschichte der modernen katholischen Kirche. Über mehr als zwei Jahrzehnte hinterging O'Grady Mütter und Väter, damit er an ihre Kinder gelangen konnte. Man vermutet, dass der Priester mehrere hundert Kinder vergewaltigte.
Wie sich im Laufe des Films herausstellt, war der katholischen Kirche bereits VOR O’Gradys Priesterweihe klar, was er Kindern antat. Doch statt ihn zu stoppen, wird er bei "Problemen" einfach weiterversetzt - in die nächste Gemeinde, zu anderen Kindern. Dabei geht die Kirche so perfide vor, O’Grady jeweils in andere Bezirke zu versetzen, so dass die zuständigen Ämter und die Polizei ihn aus den Augen verlieren. Schließlich wird er in die ländliche Gemeinde San Andreas geschickt, in der er nicht einmal mehr einen Vorgesetzten hat, der sein Handeln kontrollieren könnte. Dafür, dass man auf seine "persönlichen Bedürfnisse" eingegangen ist, bedankt sich der Pädophile noch bei seinem Vorgesetzten Kardinal Mahoney.

Hunderte von Kindern vergewaltigt
"O’Grady gab zu, mit seinen Opfern genau so viel Zeit zu verbringen, wie mit seiner Arbeit. Er hat also täglich entweder geplant, ein Kind zu missbrauchen oder er hat es getan oder darüber nachgedacht - und das über 30 Jahre. Es waren Hunderte von Opfern. Das jüngste war neun Monate alt."

Drei der Opfer und deren Familien erhalten ein Forum. Dabei wird klar, wie destruktiv sich das Erlebte auf alle Beteiligten auswirkt und wie sehr die Kinder und die vertrauensseeligen Eltern noch heute unter der Katastrophe leiden. Denn O’Grady hatte seine Opfer unter absoluter Kontrolle. Er war mit den Eltern befreundet und in Kirche und Schule stets um die Kinder herum.

Besonders verstörend aber sind die Interviews mit O’Grady selbst. Scheinbar völlig unberührt gibt er zu, schreckliche Dinge getan zu haben. Reue oder ein schlechtes Gewissen scheint er dabei nicht zu empfinden. Mit der größenwahnsinnigen Absicht, seine Opfer zu erlösen, schreibt er ihnen sogar einen Versöhnungsbrief und lädt sie zu einem Treffen ein. O’Grady ist der Ansicht, er habe seine Taten ja immerhin gebeichtet und somit ist die Sache für ihn erledigt. O’Grady, der als Kind selbst von zwei Priestern und seinem älteren Bruder missbraucht worden war, wurde - auch nach bekannt werden der Vergewaltigungen - von der katholischen Kirche finanziert. Nach nur sieben Jahren Gefängnis lebt er heute in Irland, wo er gegenüber den Behörden noch nicht einmal Bericht erstatten muss, da man dort nichts von seinen schweren Verbrechen weiß. Weder die Familie, bei der er nun lebt, noch die zuständigen irischen Ämter, wissen, dass er pädohil ist.

Systematische Vertuschung und Unterstützung
"Erlöse uns von dem Bösen" ist eine ehrliche Behandlung des schwierigen Themas Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche. Der Film ist besonders dann furchtbar verstörend, wenn es darum geht, wie systematisch O’Gradys Verbrechen vertuscht wurden, denn O’Gradys Vorgesetzte opferten die Kinder, damit ihrer eigenen Karriere innerhalb der katholischen Kirche nichts im Wege stand.

"Von 1978 bis 2005 war Kardinal Ratzinger, der jetzige Papst, Leiter der Kongregation für Glaubenslehre. Er hatte die Aufgabe, darauf zu achten, dass kein Priester einem Kind weh tut. Er und der Papst hätten diesen Vorfällen einen Riegel vorschieben müssen. Aber das ist nicht geschehen. (…) Papst Benedikt XVI. wurde angeklagt, Fälle von sexuellem Missbrauch in den USA verschleiert zu haben. Auf Wunsch des Vatikans garantierte ihm Präsident Bush Immunität".

Sendedaten
"scobel"
immer donnerstags um 21 Uhr in 3sat
Sendung zum Thema
© dpaSystem Missbrauch
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© av-visionenLupeErlöse uns von dem Bösen
Ein Film von Amy Berg
AV Visionen GmbH 2009
ASIN: B001QU60MU
FSK: ab 12 Jahren