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Als Inbegriff des absoluten Bösen wird oft Auschwitz genannt.
Das Böse in uns
Eine Kulturgeschichte des Teuflischen
Das Böse entzieht sich einer klaren Definition und ist meist unfassbar. Trotzdem versucht man, sich dem Bösen immer wieder zu nähern und die Fragen zu beantworten, ob das Böse eine naturgegebene menschliche Eigenschaft, Teil der Psyche oder gar eine metaphysische Kraft ist. Der jüdisch-christlichen Auffassung nach entspringt das Böse dem Ungehorsam gegen Gott.
Luzifer war einst ein Engel im Hofstatt Gottes. Da er aber wie Gott sein wollte, rief er zu Revolution und unterlag. Luzifer wurde zum Widersacher der göttlichen Ordnung, zum Fürsten der Finsternis und Zerstörung. Das war der Anfang von Gut und Böse. Satan war es auch, der Adam und Eva dazu verführte, vom Baum der Erkenntnis zu essen. Das mussten sie mit der Vertreibung aus dem Paradies und der fortwährenden Last der Erbsünde auf ihre Nachkommen bezahlen. Seitdem verfolgt der Zorn Gottes ein klares Ziel: die Durchsetzung der göttlichen Ordnung gegenüber dem menschlichen Ungehorsam.

Der Mensch ist das gefährlichste aller Tiere
Von den Kreuzzügen übers Mittelalter bis in unsere Zeit wüten deshalb Menschen gegen ihre religiösen Feinde als Verkörperung des Bösen. Im Namen Allahs, im Namen des christlichen und des jüdischen Gottes, werden brutalste Schlachten geführt. Philosophen wie Immanuel Kant sahen den Ursprung des Bösen in der menschlichen Natur. Das Böse komme durch den freien Willen des Menschen in die Welt und beruhe darauf, dass der Mensch seine Freiheit missbrauche.

Aus Sicht der Evolutionsbiologen entspringt das Böse den menschlichen Genen. Die Urmenschen waren ständig auf der Hut vor wilden Tieren, bis sie die Jagd für sich entdeckten. Zur Angst vor dem Fremden gesellte sich der Triumph des Jägers hinzu. Spätestens von da an genossen aggressive Individuen einen entscheidenden Überlebensvorteil. Der Mensch wurde zum gefährlichsten aller Tiere.

Das Böse ist allgegenwärtig
Auch Sigmund Freud sah den Menschen als im tiefsten Innern böse an. Er sei gesteuert von seinen Trieben, vor allem dem Aggressions- und Sexualtrieb. Diese erschweren das gute, zivilisierte Verhalten, weil sie im Unbewussten wirken und sich so immer wieder der rationalen Kontrolle entziehen. Deshalb gibt es auch keine Grenze für die menschliche Destruktivität. Das absolute Böse entlädt sich in Gewaltexzessen und Völkermorden. Im Vernichtungskrieg geht es vor allem um Hass, Macht und Tod. Auschwitz ist ein Inbegriff des absolut Bösen und Adolf Hitler die Inkarnation des Bösen.

Die Geschichten vom Bösen prägen aber auch unsere kulturelle Identität. Der römische Dichter Ovid erklärt die Faszination vom Bösen so: Der Mensch strebe nach dem Verbotenen, weil das Verbotene ein Geheimnis in sich berge, das den Menschen dazu verleite, es auszuprobieren. Auch sei das Böse etwas Künstlerisches, etwas Kreatives, die Verführung durch Fantasia. Die Faszination besteht darin, eine Wirklichkeit zu entwerfen, die nicht so langweilig ist wie die Normalität. Das Böse ist allgegenwärtig. Es ist um uns herum und in uns selbst. Fragt sich, ob es überhaupt ein Leben jenseits von Gut und Böse geben kann.

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Sendung zum Thema
Was ist der Mensch? Gert Scobel im Gespräch mit Hans Lenk