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Wissenschaft am Donnerstag
Um 20.15 Uhr sehen Sie die Dokumentation:
© dpa Lupe
Feinstaube können zu vielfältigen Atemwegserkrankungen führen.
Gesundheitsrisiken durch Staub
Ein wahrer Cocktail gefährdender Partikel
Etwa sechs Millionen Bundesbürger leiden unter einer Allergie gegen Baumpollen. Bei Pollen handelt es sich um natürliche Staube, die die Verbreitung und den Fortbestand unserer Pflanzenwelt garantieren. Die Pollengefahr nimmt sogar noch zu, denn die Erwärmung des Klimas sorgt dafür, dass der Pollenflug immer früher einsetzt und neue Pflanzen und damit neue Allergieauslöser bei uns heimisch werden.
Nie war der Mensch so vielen gesundheitsgefährdenden Partikeln ausgesetzt wie heute. Ein wahrer Cocktail verschiedenster Substanzen ist der Hausstaub. 60 Prozent gelangen durch Fenster, Türen und die Schuhe der Bewohner in die Räume. Darunter befinden sich nicht nur Allergene jeder Art, sondern auch Giftstoffe wie Blei oder Arsen. Hinzu kommen organische Partikel aus Teppichen oder Möbeln, abgestorbene Hautzellen, Lebensmittelreste, Schimmelpilze, Bakterien und Milben.

Tod durch Feinstaub
Das Hauptproblem unserer Atemluft ist jedoch der Feinstaub. Die ultrafeinen Emissionen aus Industrie und Straßenverkehr sind für Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen sowie Lungenkrebs verantwortlich. So rechnet der BUND jährlich mit 70.000 Toten allein aufgrund der Feinstaubbelastung in Deutschland. Langzeitstudien mit Frauen in Nordrhein-Westfalen zeigen, dass sich die Sterblichkeitsrate um 40 Prozent erhöht, wenn sie näher als 50 Meter an einer Hauptverkehrsstraße leben. Das bedeutet, dass Umweltzonen tatsächlich Menschenleben retten.

"Wir finden zwar auch Assoziationen mit der globalen, großräumigen Feinstaubbelastung, aber es ist immer deutlich stärker nahe an verkehrsreichen Straßen. Deshalb vermuten wir stark, dass da noch irgendetwas hinzukommt durch diesen ganz feinen Staub, der typischerweise aus den Autoabgasen kommt. Er ruft zusätzliche Effekte hervor", so die Epidemiologin Ursula Krämer. Eine immer noch zu wenig beachtete Feinstaubbelastung geht von Laserdruckern und Kopierern aus. Sie geben über ihren Toner toxische Schwermetalle und Nanopartikel an die Umwelt ab.

Asthma, Lungenentzündung und Krebs
Dass Feinstaube aller Art nahezu den gesamten menschlichen Körper schädigen können, belegen aktuelle Forschungen der Universität Düsseldorf. Das Diabetesrisiko steigt, die Gedächtnisleistung nimmt ab, die Haut reagiert allergisch und altert schneller. Am stärksten betroffen sind jedoch die Atemwege und besonders die Lunge. Wenn sie die Schadstoffe in der Luft nicht mehr ausreichend filtern kann, entstehen Asthma, Lungenentzündung oder Krebs.

Partikelforscher Roel Schins sagt: "Unsere Lunge ist ein phantastisches Gewebe, was optimal entwickelt ist, um Sauerstoff aufzunehmen. Sie soll eigentlich eine Barriere für andere Komponenten sein. Aber wenn viele Partikel in die Lunge kommen, kann es sein, dass die Partikel diese Barriere schädigen und die Membran von Zellen geschädigt werden kann."

"Sie können die Zellen aber auch anders reizen. Es kann sein, dass die Zelle aktiviert wird und dann Signale ausscheidet. Die Signale gehen ins Blut hinein und aus dem Blut kommen dann Entzündungszellen in die Lunge, die eine Lungenentzündung entstehen lassen", so Schins. Viele Partikel sind so winzig, dass sie sogar die Barriere der Lunge überwinden und direkt in den Kreislauf gelangen. Sie können dann auch die Zellen anderer Organe schädigen, ihr Erbmaterial verändern und Krebs entstehen lassen.

Nanoprodukte bislang ungeprüft
Nanopartikel sind bereits in vielen Produkten des täglichen Bedarfs enthalten. Dennoch ist ihre Wirkung bisher kaum erforscht. Im schlimmsten Fall zeichnet sich eine Bedrohung ab, die man mit der Entdeckung des Asbeststaubes in den 1960er Jahren vergleichen kann. Untersuchungen an Lungenzellen weisen in diese Richtung. "Der Stress durch Asbestfasern manifestiert sich auch in diesen Auswucherungen und geht gar so weit, dass am Schluss Krebs entsteht. Wir haben ähnliche Experimente mit Carbon-Nanotubes, also Kohlenstoffröhrchen, gemacht. Die Kohlenstoffröhrchen werden auch von den Zellen aufgenommen", so der Biologe Peter Wick.

Weitere Forschung ist dringend notwendig. Doch noch immer läuft die Toxikologie den von der Industrie geschaffenen Stauben hinterher.Es wirkt so, als hätten wir in der Vergangenheit nichts aus den Folgen von Asbest oder nuklearem Staub gelernt.

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