Service
Archiv & Vorschau
Mai 2013
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
29
30
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
Wissenschaft am Donnerstag
Um 20.15 Uhr sehen Sie die Dokumentation:
© pr Lupe
Ende des 19. Jahrhunderts beginnt man mit der Erforschung des Staubes.
Kulturgeschichte des Staubes
Lebenserzeugend und Tod bringend
"Bedenke, Staub bist du, und zum Staub musst du zurück", so steht es in der Genesis 3,19. Staub ist der Urknall, mit dem das Universum, die Materie und das Leben entsteht. Staub ist auch der Zustand, in dem alles wieder endet. Seine Eigenschaft, überall und in allem zu sein, zwischen Himmel und Erde, macht das Staubkorn zum Spiegel der kosmischen Ordnung.
Wie die Welt der kleinsten Teilchen wirklich beschaffen ist, offenbart erst die Erfindung des Mikroskops. Begeistert äußerte sich der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz: "Jedes Teilchen der Materie ist eine Welt für sich, wie ein Garten voller Pflanzen und ein Teich voller Fische". Der Erste, der den Staub systematisch erforschte und als Mixtur von noch kleineren Mikroorganismen, Keimen und Pollen beschrieb, war der Biologe Christian Gottfried Ehrenberg. Er analysierte Staubproben aus aller Welt. Aus den Kleinstlebewesen, die er darin fand, bestimmte er die Herkunft des Staubes.

Erforschung von Krankheitserregern
Von nun an war es nur noch ein kleiner Schritt, die Bedeutung des Staubes als Träger von Krankheitserregern zu erkennen. Galt er bisher als Ursuppe des Lebens, wird er nun als Todesbringer identifiziert. Die Mikrobentheorie lenkt die Aufmerksamkeit auf Bakterien, Viren, Hefen und Pilze. So begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein großer Kampf um Sauberkeit und Hygiene. Die Gesundheitsvorsorge rief jetzt nach der Anpassung und Kontrolle des Kleinen und Unsichtbaren.

Die industrielle Revolution verschmutzte die Umwelt und unternahm gleichzeitig gewaltige Anstrengungen, um sich selbst rein zu halten. Im 20. Jahrhundert wurden neue Reinigungsmittel entwickelt. Waschmaschine und Staubsauger gehörten bald zu jedem Haushalt. Parallel zur Evolution des Menschen kann man auch von einer Evolution des vom Menschen aufgewirbelten Staubes sprechen. Denn Staub setzt sich aus dem zusammen, was eine Gesellschaft herstellt und verbraucht. Enthielt er im Mittelalter vor allem Dung und Pollen, so kamen mit der Industrialisierung Ruß, Asche, Rauch und Metalle hinzu. Die neuen, vom Menschen geschaffenen, Staube bargen neue Gefahren. Pestizide, Herbizide, Schwermetalle und nukleare Partikel schädigen nun unsere Biosphäre und letztlich den Menschen selbst.

Analyse dank Rastertunnelmikroskop
Ein gewaltiger Sprung in die Welt der Atome setzte in den 1980er Jahren mit der Erfindung des Rastertunnelmikroskops ein. Es ermöglicht die Kartierung und Analyse von Nanopartikeln und ihre Bearbeitung, beziehungsweise ihre Herstellung. Damit entstanden völlig neue Materialien und Produkte. Um sie herzustellen, braucht man völlig staubfreie und automatisierte Produktionsanlagen. In diesen Reinräumen ist der Mensch als Staubträger unerwünscht. Doch welche Gefahren von der neuen Nanowelt ausgehen, ist noch völlig unklar. Wir überlassen uns einer Technologie des Unsichtbaren, in der winzigste Staubteilchen Energie erzeugen oder komplexe Informationstechnologien verschalten.

Sendedaten
"scobel"
immer donnerstags um 21 Uhr in 3sat
Sendung zum Thema
© dpaStaub ist überall - Ein Blick auf die feinsten festen Teilchen