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Die scheinbare Sicherheit
Es fehlt der Gegenwert zum Geld
Geld, die wohl folgenreichste Erfindung der Menschheitsgeschichte, ist eine gesellschaftliche Verabredung, die letztendlich nur auf Glauben und Hoffen basiert. Denn Geld ist nichts weiter als bedrucktes Papier, dem eine Bedeutung verliehen wird. "Wenn man glaubt, es gäbe so etwas wie Wert hinter dem Geld, dann erliegt man einer Illusion, die gerade in Krisen enttäuscht wird“, sagt Wirtschaftsphilosoph Karl-Heinz Brodbeck.
Das Wort Gold entstammt dem indogermanischen Wort "ghel" aus dem sich auch das Wort Geld entwickelte. Bis weit ins 20. Jahrhundert waren die Währungen durch Gold gedeckt. Eine Banknote war eigentlich kein Geld, sondern ein Optionsschein auf Gold. Auf alten Scheinen ist noch zu lesen, dass die Reichsbankhauptkasse dem Einlieferer einer Banknote 100 Mark auszahlt.

Heute sollte der Wert des Geldes aus der Güterproduktion und den Dienstleistungen einer Volkswirtschaft errechnet werden. Doch der Finanzmarkt, mit mancherorts weit über zehn Prozent der Wirtschaftsleistung, führt die ursprüngliche Idee des Geldes ins Absurde. "Wenn zehn Prozent der Menschen sich nur noch damit beschäftigen, Kredite zu vergeben, Versicherungen zu verwalten und nicht mehr Güter herzustellen, dann stimmt etwas mit der Volkswirtschaft nicht", so Brodbeck.

Psychologie des Geldes beruht auf Gier
Letztendlich wurde der Goldstandart aufgegeben, weil Gold begrenzt ist, man aber unbegrenzt Geld machen wollte. Die Finanzwirtschaft hat sich von der Realwirtschaft abgekoppelt und die Welt lebt nun auf Kredit. Geld ist Fetisch und Mythos der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Es schafft Autonomie und Freiheit - und für den, der es nicht hat, eben das Gegenteil. Die gefährliche Psychologie des Geldes beruht auf Gier. Doch die Krisen werden nicht durch die Gier Einzelner hervorgerufen, sondern durch das System selbst.

Nur der Erfolgreiche, der mehr als der andere hat, zählt gesellschaftlich. Bis zur Sinnlosigkeit aufgehäufte Vermögen sollen allein die Stellung in der gesellschaftlichen Hierarchie bezeugen. "Man nennt diesen Menschentypus Homo oeconomicus. Die Ökonomen nennen das die höchste Stufe der Rationalität. "Irritierend daran ist, dass man eine Leidenschaft, die über Jahrtausende von allen Kulturen und Religionssystemen als eine Untugend charakterisiert wurde, heute als höchste Form der Ratio preist", sagt Brodbeck. In Sekundenbruchteilen werden heute Milliardenwerte rund um den Globus angefordert und wieder abgestoßen.

Vertrauen in die Illusion
Während Einzelne mit Billionen jonglieren, sucht der Durchschnittsmensch Sicherheit, indem er ein Teil seines Einkommens zu Vermögen machen will. Obwohl das Geld schon oft verrückt spielte, bleibt das Vertrauen in die Illusion ungebrochen. Doch wenn Geld keine realen Werte mehr repräsentiert, bleibt der sprichwörtliche Notgroschen ein Versprechen, das nicht eingelöst werden kann. Erst nach einem Zusammenbruch des Finanzsystems werden wir wieder erkennen müssen: Geld arbeitet nicht, nur Menschen arbeiten.

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