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© dpa Lupe
Kinderarbeit in Bangladesch
Der Preis des Kapitalismus
Schlechte Arbeitsbedingungen und Ausbeutung
Das Warenangebot im Kapitalismus zeichnet sich durch eine ungeheuere Vielfalt aus. Dadurch können sich Individualität und Lebensstile entwickeln. Die Wirtschaft ist gerne behilflich: Marken vereinfachen Entscheidungen und Marketingfirmen entwerfen moderne Identifikationsmuster. Die Produktionsverhältnisse und -bedingungen spielen beim Kauf eine untergeordnete Rolle.
So liegt der gute Umsatz der Apple-Produkte auch daran, dass mit den Produkten ein bestimmtes Lebensgefühl verbunden ist. Die Kehrseite der Medaille bestand aber darin, dass Greenpeace auf einer 2006 eingerichteten Webseite Apple dazu aufforderte, ein globales Recyclingprogramm einzurichten. Überall auf der Welt sollen Altgeräte wieder zurückgenommen werden. Elektroschrott nimmt weltweit rasant zu und wird sehr oft in Entwicklungsländern abgeladen. Die Umweltorganisation kritisierte außerdem, dass toxische Chemikalien in den elektronischen Geräten verarbeitet waren. Laut Greenpeace war die Aktion teilweise erfolgreich. Auf ihrer Liste liegt Apple jetzt im mittleren Bereich der Skala der umweltfreundlichen Elektronikhersteller.

Problematische Entsorgung der Geräte
Der Elektroschrott bleibt allerdings nach wie vor ein Problem. In die Schlagzeilen geriet Apple auch durch die Auslagerung der Produktion in Billiglohnländer. Bei dem Zulieferer Foxconn gab es 2010 eine Selbstmordserie, die wohl durch den Führungsstil und die schlechte Bezahlung ausgelöst waren. Wie Zeitungen berichteten, gab es aber nicht nur Proteste gegen Foxconn, sondern auch gegen Apple. Apple überprüfte die Vorwürfe. 2011 dann teilte Apple der Presse mit, dass es bei Zulieferern sogar Kinderarbeit gab und Mitarbeiter gesundheitsschädlichen Chemikalien ausgesetzt waren. Die Unternehmen wurden von Apple angewiesen, die Missstände zu beheben.

Unzumutbare Arbeitsbedingungen bei den Zulieferern sind auch in der Bekleidungsindustrie ein großes Problem. Bangladesch ist auf die Aufträge der großen Textilunternehmen wie H&M angewiesen. 100 Tausende Arbeitsplätze hängen davon ab. Doch diese reichen nicht für die Existenzsicherung der Angestellten. "Der Existenz sichernde Lohn ist eine ganz klare Forderung. Seit Monaten gehen die Arbeiter in Bangladesch zu 100 Tausenden auf die Straße und fordern einen höheren Mindestlohn. Diese Menschen arbeiten oft bis zu 16 Stunden am Tag, 6 - 7 Tage die Woche. Trotz dieser harten Arbeit leben die Menschen trotzdem in Armut. Aufgrund dieser ausbeuterischen Verhältnisse fahren die Unternehmen hierzulande große Profite ein und die Wirtschaftbosse in Bangladesch profitieren auch", so Julia Thimm, von der Kampagne für Saubere Kleidung.

Schlimme Missstände bei der Kleidungs-Produktion
Die Feuersicherheit ist ein Problem in Nähfabriken. Brennbares Material wird ungesichert gelagert und die Notausgänge sind oft damit versperrt. Wie die Kampagne für Saubere Kleidung berichtet, gab es im Februar 2010 einen Brand. Dabei starben 21 Menschen, 50 weitere wurden verletzt. H&M als Haupteinkäufer zahlte zwar Entschädigungen, doch die Kampagne für Saubere Kleidung kritisiert, dass die Gewerkschaften vor Ort nicht genug einbezogen wurden und die vorgesehenen Zahlungen an die Angehörigen der Opfer nicht die künftigen Einkommensverluste ausreichend entschädigten.

"H&M ist ganz sicherlich eins von den großen Unternehmen, die auch unglaublich viel Macht und Einfluss haben. Wenn die wirklich was ändern würden, würden sich auch die Lebens- und Arbeitsbedingungen von 100 Tausenden Menschen ändern", so Julia Thimm. Die Arbeitgeber vor Ort und westliche Firmen müssten zusammen arbeiten, um die Situation der Angestellten in Bangladesch zu verbessern. H&M ist für die Anhebung des Mindestlohns und für die Einhaltung von Standards.

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