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Verantwortung
als Prinzip
Verantwortung zeigt sich in den Handlungen einzelner Menschen, aber auch in der Anlage von Institutionen und Gesellschaften. scobel-Thema am 11. August.
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Holocaust: Das Ende des Vertrauens
Der lange Weg der Wieder-Mensch-Werdung
Der Holocaust bedeutete für die verfolgten Juden den totalen Vertrauensbruch auf allen Ebenen. Menschen verrieten Freunde, Verwandte, Nachbarn. Es gab keinen Verlass mehr auf die Institutionen, auf die Politik, die Kirchen, die Kultur, auf nichts und niemanden.
Wie konnte es den Überlebenden gelingen, nach der totalen Traumatisierung wieder Fuß im sozialen Miteinander zu fassen. Wie lässt sich Vertrauen wieder neu aufbauen?

Jack Terry:
"Der Mensch muss zeigen, dass man vertrauen kann"
Lupe
Jack Terry, Psychoanalytiker
"Was soll noch passieren, was nicht schon geschehen ist..."
Konzentrationslager Flossenbürg: Ein Ort der Vernichtung von jüdischen und nichtjüdischen Menschen, ein Lager, in dem das Weltvertrauen für immer zerstört werden sollte. Am 23. April 1945 ist der Tag der Befreiung. Was amerikanische Soldaten in Flossenbürg vorfinden, sind Gefangene, die zu schwach waren, um auf den Todesmarsch geschickt zu werden. Die wenigen Überlebenden erfahren das erste Mal wieder Zuwendung und Zuneigung, von Uniformierten, von den Amerikanern. Auch Jack Terry, damals 14 Jahre alt.
"Nachdem sie die Familien zerstört und einem alles weggenommen haben, wurde man sozusagen zum Tier degradiert. Da verliert man das Vertrauen, es existiert nur Misstrauen. Die Frage ist: Wie kann Vertrauen wieder aufgebaut werden? Das ist ein langer Prozess. Nach der Befreiung des Lagers schenkte ich nur den amerikanischen Soldaten Vertrauen, niemandem sonst, denn sie zeigten menschliche Regungen. Plötzlich waren fürsorgliche Menschen in Uniform da, die sich um uns kümmerten - im Gegensatz zu dem uniformierten Nazi Typ.

Der Aufbau von Vertrauen muss von außen kommen, mit anderen Worten: Der Mensch muss mir zeigen, dass ich ihm vertrauen kann."
(Jack Terry)
Jeder wurde damals bei Ankunft im Lager registriert, wurde eine Nummer. Aus Jakob Szabmacher aus Polen wurde später der New Yorker Dr. Jack Terry. Er wurde von einer Familie aufgenommen und sie zeigten ihm, was Liebe ist. Sie halfen ihm, wie er sagt, bei der "Wieder-Mensch-Werdung". Und so nach und nach lernte er, wieder zu vertrauen.

Josef Salomonovic:
"Du musst einfach überleben"
Lupe
Josef Salomonovic, Ingenieur:
"Was Mutter sagte, das war Gesetz..."
Josef Salomonovic ist einer der jünsten Überlebenden des Holocaust. Er wurde 1938 in Ostrava im Osten der damaligen Tschechoslowakei geboren. 1941 wurden er und seine Familie ins Ghetto Litzmannstadt, Lodz, befohlen. Es folgt die Deportation ins Konzentrationslager Auschwitz, Über das KZ Stutthof, wo der Vater ermordet wurde, kamen Josef, seine Mutter Dora und Bruder Michael zur Zwangsarbeit ins Flossenbürger Außenlager Dresden. Anfang 1945 wurde das Außenlager aufgelöst. Auf einem sogenannten Todesmarsch gelang der Mutter mit ihren Söhnen die Flucht. Heute lebt Josef Salomonovic in Wien.


Leon Weintraub:
"Vertrauen ist die Voraussetzung zur Begegnung"
Lupe
Leon Weintraub, Frauenarzt:
"Die Worte Hass und Rache gehören nicht in den Sprachschatz..."
Leon Weintraub kam 1926 als Sohn einer jüdischen Familie in Lodz zur Welt. 1939 wurden er und seine Familie in das Ghetto Lodz umgesiedelt. 1944 erfolgte die Deportation nach Auschwitz-Birkenau, wo er von seiner Familie getrennt wurde. 1944 entkam Leon Weintraub dem Vernichtungslager. Es folgten mehrere Arbeits- und Konzentrationslager. 1945 gelangte Leon Weintraub in das KZ Flossenbürg, danach wurde er in das KZ Natzweiler/Kommando Offenburg verlegt.

Befreit wurde Leon Weintraub schließlich 1945 von französischen Soldaten, während er sich auf einem sogenannten Todesmarsch befand. Heute lebe Leon Weintraub mit seiner Familie in Schweden.





Infobox

Das Konzentrationslager Flossenbürg war ein deutsches Konzentrationslager nahe der Grenze zum Sudetenland, etwa auf halber Strecke zwischen Nürnberg und Prag. Es bestand von 1938 bis 1945 in der Gemeinde Flossenbürg bei Weiden im Oberpfälzer Wald. Heute befindet sich auf einem Teil des ehemaligen Lagergeländes eine Gedenkstätte.

Die Grün­dung des Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers Flos­sen­bürg im Mai 1938 ist Teil ei­ner Funk­ti­ons­er­wei­te­rung des ge­sam­ten KZ-Sys­tems durch die SS. Die La­ger sol­len nicht mehr nur da­zu die­nen, po­li­ti­sche Geg­ner des Na­tio­nal­­­so­zia­lis­mus zu in­ter­nie­ren und zu ter­ro­ri­sie­ren. Die SS will nun auch wirt­schaft­li­chen Pro­fit aus der Häft­lings­ar­beit zie­hen. Das KZ Flossenbürg war von Anfang an als ein Konzentrationslager zur Ausbeutung von Zwangsarbeitern, ein Lager zur "Vernichtung durch Arbeit“ geplant. Etwa 100.000 Gefangene waren insgesamt in dem Lager. Von ihnen starben mindestens 30.000.



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