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© ap Lupe
Der Bau von Stonehenge wurde zirka 3100 v. Chr. in der Jungsteinzeit begonnen und zeugt von einem frühen astronomischen Verständnis.
Wissenschaft und Religion
Modernen Astrophysiker erklärt Gott nichts mehr
Im Süden Englands befindet sich der Steinkreis von Stonehenge, dessen Bedeutung bis heute nicht ganz geklärt ist. Über eines sind sich die Forscher jedoch einig: Wissenschaft und Religion gehen hier eine untrennbare Verbindung ein. Es war ein heiliger Ort, eine Kultstätte, deren Rituale wir heute nicht mehr kennen. Gleichzeitig deutet das Monument auf eine genaue Beobachtung und Berechnung astronomischer Vorgänge hin.
Warum ist etwas und warum ist nicht nichts? Wissenschaft und Religion geben darauf verschiedene Antworten. Doch müssen Wissenschaft, Vernunft und Glaube wirklich unüberwindliche Gegensätze sein? Bis in die Neuzeit hinein hatte die Kirche die Deutungshoheit gegenüber den Wissenschaften. Doch mit dem exponentiellen Wachstum des Wissens schrumpfte der Platz für die Religion immer weiter.

Für die modernen Astrophysiker ist Gott im wissenschaftlichen Weltbild ganz überflüssig geworden. Das jüngste Beispiel dieser Entwicklung ist Stephen Hawking. In seinem vor wenigen Wochen veröffentlichten Buch "Der große Entwurf" leugnet er die Existenz Gottes, das Universum habe sich selber aus dem Nichts erschaffen. Er sagt:
"Die Wissenschaft kann das Universum erklären ohne einen Schöpfer. Gott ist der Name, den Menschen dem geben, was sie nicht verstehen. Aber die Wissenschaft erklärt das Universum so, dass wir es alle verstehen können."

Wissenschaft will Messbares
Doch obwohl die moderne Wissenschaft sich ihrer Sache sicher ist, spielt der oft totgesagte Gott im menschlichen Leben immer noch eine wichtige Rolle. Es ist die Sinnsuche, die subjektive Erfahrung der Welt, das individuelle Erleben, wo wissenschaftliche Erklärungen nicht weiterhelfen.

Der Mond am Abendhimmel ist für die Einen lediglich ein Festkörper, dessen Bewegung im Raum und Zeit sich mit mathematischen Gleichungen bestimmen lässt. Für andere kann der Mond jedoch zum intensiven Erlebnis der Schöpfung werden. Oder zum Anlass für die Frage nach der eigenen Bedeutung im Kosmos, nach einem verborgenen, höheren Sinn. Die persönliche Begegnung mit Geburt und Tod sind ebensolche Erfahrungen.

Die Wissenschaft beschäftigt sich nur mit Dingen, die messbar sind und denkt in den Kategorien von Ursache und Wirkung. Religion dagegen versucht menschliche Erfahrungen zu deuten, die individuelle Existenz in einen größeren Zusammenhang zu betten. So kann die Wissenschaft beispielsweise die Liebe als genetisch programmiertes Zusammenspiel von Hormonen erklären, das Gefühl des Einzigartigen und tiefes Vertrauen lassen sich so nicht belegen.

Gottes Existenz - weder bewiesen noch widerlegt
Der Erfahrungshorizont des Menschen ist viel weitläufiger, als das Feld der Naturwissenschaften. Deshalb kann die Wissenschaft auch den Glauben nicht erklären oder gar die Nichtexistenz Gottes beweisen. Wir wären in der Tat gottlos, wenn wir eine lückenlose Theorie von allem hätten.

Genau das ist der Anspruch des Astrophysikers Hawking. Er will die verschiedenen String-Theorien und deren Versuch, die Quantenmechanik mit der Allgemeinen Relativitätstheorie unter einen Hut zu bringen, zu einer einzigen Theorie vereinen. Diese Weltformel ließe die spontane Entstehung vieler verschiedener Universen mit jeweils eigenen Gesetzen zu und wäre auf keine übernatürliche Intervention angewiesen.

Dennoch gibt es auch in der Gegenwart Wissenschaftler, die sich das Wirken einer höheren Instanz vorstellen können. Für sie ist das Jahrmillionen dauernde Zusammenwirken kosmischer Ereignisse, die schließlich zur Entstehung der Erde und zur Evolution des Menschen führten, kein Zufall mehr.

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© dpaRätsel Dunke Materie
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© colourbox.deWissenschaften in der Krise?
Rezension
© rowohltDer große Entwurf
Eine neue Erklärung des Universums
Stephen Hawking
Rowohlt, 2010
ISBN-13: 978-3498029913