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© prTechniker Krankenkasse
Amerikaner gehen wesentlich häufiger Risiken ein als Europäer.
Risikobereitschaft interkulturell verschieden
Auch Alter und Geschlecht spielen eine Rolle
Risiko ist der Motor der Evolution. Ohne das Ausprobieren von Neuem ist kein Fortschritt und keine Entwicklung möglich. Doch das, was als Risiko empfunden und als Risiko definiert wird, ist von Kultur zu Kultur unterschiedlich. Auch kann die Bereitschaft zum Risiko von Faktoren wie Alter oder Geschlecht abhängen.
So leben Jugendliche risikoreicher als Erwachsene. Drogen, Alkoholkonsum und Mutproben aller Art prägen die Pubertät. Der Grund dafür liegt darin, dass während dieser Zeit im Gehirn ein vollständiger Umbau erfolgt. Dabei reifen die für Belohnung zuständigen Regionen schneller heran als diejenigen, die für Kontrolle zuständig sind. Jugendliche sind daher weniger "vernünftig". Bei Entscheidungen übernimmt dann statt des vernünftigen Großhirns das besser entwickelte limbische System die Führung. Deshalb suchen Jugendliche immer wieder neue Kicks und denken wenig über die Konsequenzen ihres Handelns nach.

Erziehung und Gesellschaft sind prägend
Wissenschaftler der Universität Sussex gingen der Frage nach, ob Risikobereitschaft auch geschlechtsspezifisch ist. 2009 kamen sie zu der Erkenntnis, dass Schülerinnen einer reinen Mädchenschule ebenso risikobereit waren wie Jungen. Gehörten aber Jungen mit zur Gruppe, mieden die Mädchen den Leistungsvergleich. Fazit der Forscher: Erziehung und gesellschaftlicher Umgang prägen "typisch weibliche" Verhaltensweisen. Viele Experten sind der Überzeugung, dass Frauen und Männer sich in ihrer Risikobereitschaft sehr ähneln.

Eine Ausnahme allerdings gibt es im Straßenverkehr: Dort verhalten sich Frauen rein statistisch gesehen vorsichtiger. Männer dagegen fahren riskanter und verursachen die meisten schweren Unfälle. Auch in Bezug auf finanzielle Risiken zeigen Frauen mehr Zurückhaltung. Das könnte laut Forschern allerdings auch daran liegen, dass Frauen weniger verdienen als Männer und daher in ihren Möglichkeiten mit spekulativen Anlagen Gewinne einzufahren wesentlich begrenzter sind.

Jedes Risiko birgt eine Chance
Unterschiede im Umgang mit Risiken zeigen sich auch im Vergleich bestimmter Nationen. Die politische und wirtschaftliche Machtstellung der USA ist, so glauben Experten, darauf zurück zu führen, dass Amerikaner risikobereiter sind. Ihre Vorfahren waren Auswanderer, die große Risiken in Kauf nahmen, um der Armut und Perspektivlosigkeit ihrer Ursprungsländer zu entkommen. Für sie waren die USA das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Risiko galt in Amerika schon immer als Herausforderung: Jeder ist für sich selbst verantwortlich, niemand kann mit staatlicher Hilfe rechnen und jedes Risiko birgt eine Chance. Deshalb verhalten sich Amerikaner riskanter im unternehmerischen Bereich und sind neuen Technologien gegenüber offener. Ein Beispiel dafür ist die Gentechnik. In Amerika finden sich genmanipulierte Produkte in jedem Supermarkt. Sie sind nicht als solche gekennzeichnet, werden aber trotzdem ohne Bedenken gekauft. Eine zentrale Kontrollstelle und ein einheitliches Gentechnikrecht gibt es nicht.

In Europa gilt das Vorsorgeprinzip
In Europa hingegen gilt Gentechnik grundsätzlich als risikoreich. Erst wenn man Schäden für die Gesundheit durch Gen-Produkte wissenschaftlich ausschließen könnte, würde die generelle Nutzung erlaubt. Europäer gelten als risikobewusster und sind zudem Weltmeister im Abschließen von Versicherungen. Beinahe jedes Risiko: Krankheit, Arbeitslosigkeit, selbst das Leben lassen sie versichern. Diese Art der Vorsorge soll Gesundheit und materiellen Wohlstand absichern.

Anders in Entwicklungsländern. Hier sind die Menschen bedrohlichen Risiken ausgesetzt: Anhaltende Hitze- und Dürreperioden führen zu massiven Ernteausfällen. Die Folgen sind Nahrungs- und Wassermangel, Krankheit und Armut. Menschen mit existenziellen Problemen vertrauen auf ihre Tradition und passen sich den Umständen an. Erst wenn die Bedrohung größer und die Lebenssituation unerträglich wird, sind sie bereit, ein Risiko einzugehen. Es ist der Mut der Verzweiflung, der sie in die Rebellion oder in die Flucht treibt. Sie setzen ihr Leben aufs Spiel um beispielsweise nach Europa zu gelangen, wo sie auf ein besseres Leben hoffen.

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