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Wissenschaft am Donnerstag
Um 20.15 Uhr sehen Sie die Dokumentation:
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Masse entsteht mit der Industrialisierung
Heute wiederum ist Individualität gefragt
Großereignisse wie die Fußball-WM ziehen Millionen in ihren Bann und formen aus Individuen eine Masse. "Masse" ist ursprünglich ein Produkt der sich wandelnden ökonomischen Verhältnisse im 19. Jahrhundert. Dabei ist die Stadt der Raum, der den Einzelnen zum Teil eines gewaltigen Massenkörpers werden lässt. Mit der Masse des Proletariats entsteht eine neue soziale und kulturelle Größe.
"Die Industrialisierung erzeugt einen neuen Typus von Mengen von Menschen, die auch deutlich sichtbar ist. In dieser schmutzigen und verelendeten Menge ist das Individuum quasi nicht mehr erkennbar. Das führt dazu, dass sich eine Soziologie entwickelt, die der Frage nachgeht, was da eigentlich passiert", weiß Günter Voß, Professor für Industrie- und Techniksoziologie. Totalitäre Ideologien wie der Faschismus und der Stalinismus versuchen, die Massen zu steuern und die Individuen gleichzuschalten.

Soziologie bekommt ein Skalierungsproblem
Massenproduktion schafft neue Typen von Individuen, die an Produktionsabläufe total angepasst werden sollen. Mit Ende des "Fordismus", der Fließbandproduktion, bekommt auch die Soziologie ihr "Skalierungsproblem". Mit dem Auslaufen des Fordistischen Modells lösen sich nicht nur in der soziologischen Wahrnehmung die gesellschaftlichen Großgruppen auf, sondern real die bis dahin gewohnten Gruppen wie die "Arbeiterschaft" oder die "kleinen Angestellten".

Der heutige Typus der Arbeitskraft organisiert sich individuell selbst und ist gleichzeitig hochgradig vernetzt. Der Einzelne fungiert als Unternehmer in eigener Sache. Wo einst Industrieprodukte in serieller Massenproduktion hergestellt wurden, ist heute Individualität gefragt. "Individualisierung bedeutet aber auch, dass die Individuen zunehmend alles selber machen müssen, also selbst Verantwortung für sich übernehmen müssen. Und das ist für viele eine hoch anstrengende und letztlich riskante Angelegenheit", so Günter Voß.

Glaube an den Volkssouverän
1918 erkämpften Arbeiter- und Soldatenräte die Demokratie. Das Volk stand auf für seine Rechte und alle wurden gemeinsam zum Souverän, zum Begründer einer Republik. "Nach Generationen wissen wir heute nicht mehr, wer der Volkssouverän genau ist. Aber wir glauben alle an ihn. Wir schauen durch die Phänomene, durch den Staat, durch die Verfassung vor allem hindurch und geben ihr eine normative Bedeutung, weil wir an einen Volkssouverän glauben, den wir weder fühlen, noch riechen, noch anfassen können", so Ulrich Haltern, Professor für Staats- und Verwaltungsrecht an der Uni Hannover.

Heute fragt man sich, was Herrschaft dann noch legitimiert auf einer sozialen Skala zwischen oben und unten, auf der sich immer tiefere Gräben auftun. Man weiß auch nicht, ob man Demokratie auf ein einfaches "Gesetz der Zahl", der Mehrheit von Stimmen bei einer Wahl, reduzieren kann. Auch die Frage, ob das Individuum heute noch auf die großen Strukturen der gesellschaftlichen Realität Einfluss nehmen kann, ist unklar. Vielleicht liegt hier ein echtes Skalierungsproblem.

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Der Jurist Ulrich Haltern im Interview
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VideoDer Industrie- und Techniksoziologie Günter Voß im Interview