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Wissenschaft am Donnerstag
Um 20.15 Uhr sehen Sie die Dokumentation:
Video
Das Verhalten der Masse lässt sich nicht mehr aus dem Verhalten der Einzelnen hochrechnen.
"More is different"
Skalierungsprobleme und die Grenzen des Wissens
Das Vergrößern von Einzelteilen eines Systems bedeutet nicht zwangsläufig das Vergrößern des Ganzen im gleichen Verhältnis. Selbiges gilt auch beim Verkleinern. Die nicht automatisch möglichen Übertragungen von einer Größenordnung in die andere sind Skalierungsprobleme. In der Geschichte wurden Skalierungsprobleme unterschätzt oder nicht beachtet. Daraus ergaben sich viele Probleme.
Die Grundlage jeder Orientierung in der Welt ist unsere Wahrnehmung. Wahrnehmungsprozesse sind die Basis für unsere Vorstellungen der Welt und auch für wissenschaftliche Modelle. In der Relativitätstheorie oder den Nanowissenschaften überschreiten wir die Grenzen unserer Wahrnehmung und unserer Erfahrung. Ohne komplizierte wissenschaftliche Verfahren oder Gedankenexperimente bleiben uns diese Welten verschlossen. Hier können wir nur davon ausgehen, dass gänzlich andere Gesetze als in unserer Alltagswelt gelten.

Individuen verhalten sich anders als die Masse
Komplexe Systeme erfordern eine ganzheitliche Betrachtungsweise. Das bedeutet, dass man ein Problem nicht dadurch lösen kann, dass man es in kleine Teilprobleme zerlegt, diese analysiert und die Teillösungen wieder zusammensetzt, da es eine Dynamik zwischen den Einzelteilen gibt, die sich nicht skalieren lässt. Wir müssen anerkennen, dass Theorien nur begrenzte Domänen beschreiben und in ihrer Deutungsmacht eingeschränkt sind. Ein gutes Beispiel dafür sind Schwärme, denn ein Individuum verhält sich anders als die Masse, gleich ob in unserer Gesellschaft oder einem Fischschwarm.

Die Masse zeigt überraschende Verhaltensweisen, vielleicht Zusamenballung oder Aggression, die man nicht mehr aus dem Verhalten der Individuen hochrechnen kann. Außerdem erleben wir täglich labile Gleichgewichte wie das Klima, das aus so vielen Einzelphänomenen besteht, dass ihr Zusammenwirken unvorhergesehene Folgen haben kann.

Viele Eigenschaften ergeben sich im Zusammenspiel
Auch in der Quantenphysik kann man zwar den Zustand einzelner Teilchen erfassen, muss bisher aber vor den komplexen Wechselwirkungen in Vielteilchensystemen kapitulieren. So besteht Gas aus vielen Atomen beziehungsweise Molekülen. Als Gesamtsystem zeigt es eine Fülle von Eigenschaften wie Temperatur, Druck und verschiedene Aggregatzustände, die einzelne Atome nicht besitzen können. Diese Eigenschaften ergeben sich erst durch das Zusammenspiel und die Geschwindigkeiten der Einzelteilchen.

Sendedaten
"scobel"
immer donnerstags um 21 Uhr in 3sat
Sendung zum Thema
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