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Wissenschaft am Donnerstag
Um 20.15 Uhr sehen Sie die Dokumentation:
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Neue Behandlungsmethoden
Versuche mit Ionenstrahl und gezielter Chemo
Hirntumoren sind die häufigste Ursache für die Krebssterblichkeit im Kindesalter. In der Abteilung für Kinderonkologie in Heidelberg hat man früh damit angefangen, das wissenschaftliche Interesse zu fokussieren und neue Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Bei kleineren Kindern bleibt jedoch meist nur die Chemotherapie, bei größeren Kindern sind auch Bestrahlungen möglich.
Für die Zukunft erhoffen sich die Forscher in Heidelberg deshalb deutliche Verbesserungen, was die Überlebenschancen angeht. Außerdem sind sie sehr interessiert daran, die Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten.

Gezielte Behandlung gegen Tumorwachstum
Die Teams um die Ärzte und Wissenschaftler Stefan Pfister und Olaf Witt arbeiten gemeinsam daran, eine gezielte Chemotherapie bei niedriggradigen Hirntumoren zu entwickeln. Sie haben herausgefunden, dass ein bestimmtes Gen sehr wichtig für die Entstehung dieser Tumoren ist. Das Gen ruft einen gestörten Signalfluss in der Krebszelle hervor, der das Kommando dazu gibt, dass sich die Zelle dauerhaft teilen soll. Dadurch kommt es zu einem Tumorwachstum. Mit einer gezielten Chemotherapie greift man nur diese bestimmte Stelle in der Krebszelle an und unterbricht den gestörten Signalfluss.

Das ist eine ganz andere Wirkungsweise als bei der herkömmlichen Chemotherapie, denn dabei werden durch ein ungezieltes Gießkannenprinzip alle Zellen erfasst, die sich schnell teilen. Deshalb sind auch häufig Haarzellen betroffen. Die Wissenschaftler hoffen, in den nächsten Jahren eine kleine Zahl von Patienten im Rahmen einer Studie behandeln zu können.

Bessere Heilungschancen durch Ionenstrahlen
Im Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum (HIT) wird eine gezielte Bestrahlung für Krebspatienten erforscht. Die Anlage ist so groß wie ein halbes Fußballfeld. Ein Teilchenbeschleuniger bringt Schwerionen und Protonen auf fast drei Viertel der Lichtgeschwindigkeit. Für die Bestrahlung mit den Teilchen muss der Patient exakt fixiert sein, damit der Ionenstrahl den Tumor präzise trifft. Bei der herkömmlichen Strahlentherapie mit Röntgenstrahlen, die durch den Körper hindurchgehen, wird das umliegende Gewebe beschädigt. Doch die beschleunigten Teilchen wirken so zielgerichtet, dass sie ihre Zerstörungskraft lediglich im Tumorgewebe entwickeln.

Studien haben gezeigt, dass die Ionenbestrahlung für bestimmte Tumorarten an der Schädelbasis die Heilungschancen von 30 auf über 80 Prozent erhöht. Im HIT werden besonders Patienten mit Schädelbasistumoren behandelt, die in der normalen Strahlentherapie nur schlecht reagieren. Mit dem Ionenstrahl werden die Tumore angegangen, die sich unterhalb des Gehirns befinden und für die eine hohe Dosis gebraucht wird. Diese Tumore sind aber von empfindlichen Strukturen wie Sehnerv oder Rückenmark umgeben, die nicht viel Strahlung aushalten.

Auch bewegliche Tumore sollen behandelt werden
Mit einer riesigen um ihre Achse drehbaren Strahlführung kann der Patient von allen Seiten bestrahlt werden. Auf einen Milimeter genau kann man die Ionen auf den Tumor lenken. Derzeit werden hauptsächlich Krebspatienten mit Tumoren bestrahlt, die zum Beispiel fest an einem Knochen sitzen.

Für die Zukunft ist aber geplant, auch bewegliche Tumore etwa in der Leber oder Lunge zu behandeln. Der Ionenstrahl soll der Bewegung der Tumore folgen. Die Strahlendosis, die dabei verabreicht wird, ist sehr gering. Die Heidelberger Wissenschaftler wollen jetzt erforschen, bei welchen weiteren Tumorarten die Teilchenbestrahlung effektiver ist als die herkömmlichen Therapien.

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